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Tesla Model X

Der autonome Miet-Taxi-SUV von morgen?

Tesla Model 3 Foto: Tesla 57 Bilder

Ein E-SUV mit Flügeltüren ist futuristisch? Nicht im Vergleich zu dem, was man aus Elon Musks Präsentation herauslesen kann: Eine Mischung aus car2go und K.I.T.T. des Knight Rider.

13.10.2015 Jochen Knecht

Warum tut sich der klassische Automobilzirkus eigentlich so schwer mit Tesla? Weil die Autos gar nicht so revolutionär sind, wie Fans und Firma uns das immer erzählen? Möglicherweise. Weil es bei Tesla nicht nur ums technische Produkt, sondern auch um einen Firmenchef geht, der nach Silicon Valley und nicht nach konservativem Ingenieursbüro riecht? Ganz sicher! Weil Tesla gar nicht vor hat, das coolste/beste/schnellste Elektroauto aller Zeiten zu bauen, sondern der Welt einen Weg in die nachhaltige Mobilität der Zukunft zeigen will? Wohl auch.

Tesla Model X: Herr Musk und die versteckten Botschaften

Bitte nicht falsch verstehen, das hier wird ganz sicher keine wissenschaftliche Abhandlung über den Wertewandel in der Automobilindustrie. Eher so eine Art Gedankenspiel von einem, der am 30. September 2015 in aller Herrgottsfrühe aufgestanden ist, um sich die Weltpremiere des Tesla Model X im Internet anzusehen. Erst auf dem Sofa. Dann im Badezimmer, mit der Zahnbürste in der Hand. Weil: Herr Musk kam mal wieder zu spät. 1:22 Stunden ließ Mr. Tesla Fans, Livestreamer und Kunden warten. Die nahmen es fast ausnahmslos gelassen. Was sind schon 82 Minuten bei einem Projektverzug von über zwei Jahren? So oder so: Kein Wort der Erklärung. Kein Sorry. Nix. Stattdessen: ganz viel Elon Musk. Und ganz viel Model X. Sowas kann man überheblich nennen, oder ignorant.

Seit ein gewisser Herr Jobs aber 2007 ein Telefon aus der Tasche fummelte und damit den Smartphone-Boom auslöste, heißt sowas visionär. Mindestens aber charismatisch. Für solche Vergleiche wird man zwar von Apple-Jüngern noch heute mit einem weißen Ladekabel am nächsten WLAN-Router aufgehängt, aber sorry, wer den Livestream gesehen hat weiß, was ich meine. Wie beim seligen Steve Jobs ging es nämlich bei der Model-X-Präsentation nur vordergründig ums konkrete Produkt. Die große Botschaft steckte in dem, was Elon Musk zum Model X nicht sagte, bzw. nur andeutete.

Tesla Model X, SUV, 10/2015
Tesla Model X zeigt seine Flügeltüren 2:49 Min.

Tesla Model X. Was Herr Musk (vielleicht) wirklich sagen wollte

Also, worum ging’s wirklich? Ganz sicher nicht um ein für meinen Geschmack wirklich etwas zu fett geratenes Stück E-Auto-SUV-Crossover-Familientransporter. Und auch nur bedingt um den nächsten Schritt hin zum autonomen Fahren. Das Tesla Model X ist womöglich nichts weniger als der erste Baustein eines gesamten Tesla-Mobilitätskonzepts. Wie viele Model X er an Privatkunden verkauft, dürfte Elon Musk deshalb eventuell nicht ganz so wichtig sein. Er sieht sein Model X als Teil einer Mobilität-Wertschöpfungskette, in der Fahrzeuge gleichzeitig auch als selbstfahrende Luxus-Taxis, bzw. als autonome Mietwagen etabliert sind. Damit wäre der Besitz so eines Model X die eine Sache. Die andere wäre seine Nutzung. Heißt: Brauche ich mein Model X gerade nicht, kann ich es als Taxi oder Mietwagen freigeben. Dank autonomer Fahrkünste, fährt das Auto dann immer genau dorthin, wo es gerade gebraucht ist. Und ist vor allem auch wieder rechtzeitig zurück, wenn sein Besitzer mobil sein möchte. Über Parkplätze oder eine Ladeinfrastruktur muss sich in diesem Szenario niemand mehr Gedanken machen. Das übernimmt das Auto, oder besser „das Transportmittel“ selbstständig. Was hat Tesla davon? Also neben den Umsätzen durch den Verkauf der Fahrzeuge? Provisionen, die natürlich immer dann fällig werden, wenn jemand übers Tesla-System ein Auto anfordert.

Kann natürlich sein, dass ich damit komplett falsch liege. Und natürlich weiß ich, dass echtes autonomes Fahren eine wirklich komplexe und technisch noch längst nicht gelöste Herausforderung ist. Sagt ja auch kein Mensch, dass das alles in den nächsten drei, vier oder fünf Jahren passieren wird. Und Elon Musk schon gar nicht. Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass er im Rahmen der Model-X-Präsentation ein paar entscheidende Andeutungen gemacht hat. Vielleicht haben Sie ja Lust, gemeinsam mit mir ein bisschen mit zu spekulieren, zu fantasieren und zu konstruieren.

Andeutung: die Türen

Stellen wir uns mal bitte kurz Folgendes vor: Da baut ein Kerl das nach seinen Worten das "komplizierteste Auto der Welt“ und spricht dann fast zehn Minuten lang ausschließlich über dessen Türen. Und Fenster. Klingt verschroben, ist es aber gar nicht. Weil: Die Vordertüren des Model X öffnen- und schließen sich selbsttätig. Und zwar genau dann, wenn sich Fahrer oder Beifahrer nähern. Ein nettes Feature, wenn einem das Auto gehört. Zum echten Luxus-Pluspunkt wird die Sache aber, wenn der bestellte Mietwagen einem die Tür öffnet und schließt. Viel mehr als das gekoppelte Smartphone in der Tasche und ein paar Sensoren in den Türen braucht man dafür eigentlich nicht.

Andeutung: Die Falcon-Wings-Flügeltüren und die Sitze

Während der Präsentation machte Elon Musk mehrfach sehr deutlich, für wie cool er die Dinger hält. Und wie praktisch die extrem aufwändig konstruierten Türen doch für Eltern wären, die Kinder mitsamt Kindersitzen in der zweiten oder dritten Sitzreihe unterbringen müssten. Geschenkt. Die Dinger sind vor allem ein Segen für Leute, die viel gefahren werden. Im Taxi oder, wie in den USA üblich, in irgendwelchen Miet-Limousinen. Das gleiche Eltern-Kind-Argument musste übrigens auch für die Erklärung herhalten, warum sich die Vordersitze des Model X elektrisch verschieben lassen, sobald die Falcon-Wings-Türen geöffnet sind. Netter Nebeneffekt: Wäre das Model X als Taxi unterwegs, könnten sich die Sitze vor dem Einsteigen des Passagiers gleich auf seine Körpergröße einstellen. Die ist in der besten aller Welten eh irgendwo im Smartphone hinterlegt und für eine Tesla-Mobility-App verfügbar.

Andeutung: Der Stauraum

Weil Akku und Antrieb im Unterboden verbaut sind, bleibt im Tesla Model X viel Platz für die Passagiere. Entsprechend viel Zeit nahm sich Musk für die Liebeserklärung an den Model-X-Kofferraum. Soweit alles verstanden. Aber warum widmete der Tesla-Boss auch noch dem Extra-Stauraum unter den Vordersitzen so viel Aufmerksamkeit? Einfach Antwort: Weil Passagiere das bereits aus Flugzeugen kennen. Passagiere wohlgemerkt. Nicht Autofahrer! Wir erinnern uns: Eventuell möchte Herr Musk gar nicht das beste Elektroauto der Welt bauen, sondern eine zukunftsweisende Mobilitätsplattform.

Andeutung: The Snake

Okay, die Schlange war während der Model-X-Präsentation wirklich kein Thema. Dafür aber kurz vorher. Was nicht heißt, dass dem von Tesla selbst "The Snake“ getaufte Lade-Roborterarm damit nicht eine ganz zentrale Rolle im Mobilitätskonzept der Zukunft zukommen würde. Warum? Nun, wenn die Autos nicht komplett ohne Fahrer unterwegs wären, bräuchte auch kein Mensch ein Ladekabel, das vollautomatisch den Weg zum Tesla-Stecker findet. Eigentlich ganz einfach. Mit Blick auf induktive Lademöglichkeiten zwar eventuell nur eine Brückentechnologie, aber erstmal völlig ausreichend. Immer wenn der Akku eines Miet-Tesla zur Neige geht, fährt er selbständig eine der Snake-Ladestationen an, die natürlich immer an einen schnellen Tesla-Supercharger gekoppelt sind. Wenig später steht das Auto dann wieder vollgetankt und frisch gesaugt bei seinem Besitzer. Okay, die Saugerei ist wirklich noch nicht mehr als ein Gedankenspiel. Aber puzzeln wird doch mal schnell zusammen: Türen, die sich selbsttätig öffnen und schließen. Ein Fahrzeug-Innenraum, der dank fehlendem Kardantunnel topfeben ist. Eine Ladesäule, die den Ladestecker selbsttätig einstöpselt. Da ist der Weg doch nicht mehr so weit hin zu "The Snake 2“, die auch noch schnell die Hütte durchsaugt, oder?

Sonst noch was vergessen? Klar. Zum Beispiel, dass Elon Musk in seiner Rolle als Chef von Solar City an so einem Mobilitäs-Ding natürlich gleich mehrfach verdienen würde, zum Beispiel. Und sicher noch viele mehr. Wer da noch weitere Anregungen hat, kann diese in den Kommentaren unterm Artikel loswerden!

Ein Hinweis in eigener Sache: Auf derlei verrückte Ideen kommt man meistens nicht allein. Viel Inspiration kam von Gavin Sheridan, der beruflich großes Interesse an der Idee von "Tesla Mobility“ hat. Nachzulesen unter anderem hier.

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