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Texas im Smart Fortwo

Ultrakurz-Welle

Foto: Reinhard Schmid 14 Bilder

In Texas ist alles ein wenig größer. Angefangen bei den Hörnern der Rinder über Steaks bis hin zu den Autos. Nicht gerade das passende Umfeld für den Smart Fortwo. Oder doch?

20.12.2007 René Olma

Das gibt Ärger: Der Smart steht gerade zum Foto-Shooting in einer verkehrsfreien Zone, als sich ein Streifenwagen nähert. Der Polizeibeamte steigt gelassen aus seinem Auto und verstaut den Schlagstock neben Automatik-Pistole, Pfefferspray, Funkgerät und Handschellen im Gürtel. Die schwarze Sonnenbrille macht es unmöglich, in den Augen des stämmigen Cops zu lesen. Mit festen Schritten steuert er den deutschen Kleinstwagen an: "Ist das die Passion-Version? Kann ich mich mal reinsetzen?" Officer Phillip Tanayo entpuppt sich als Smart-Kenner und Fan. "Ich habe auf einem Motorradtreffen vom Fortwo gehört und dann im Internet gestöbert. Der ist genau das Richtige für mich."

Nichts ist so, wie man es erwarten würde

Nichts ist mehr so, wie man es im zweitgrößten Staat der USA erwarten würde. Noch vor ein paar Jahren nahmen Amis den Smart vor allem als Witz auf Rädern wahr, nun interessieren sich selbst gestandene Polizisten für ihn. "Ich muss jeden Tag 35 Meilen zur Wache und wieder zurück. Das wird mir mit meinem Truck zu teuer", erklärt der Hispano-Amerikaner. Die Spritpreise erreichen ständig neue Rekordstände, knapp drei Dollar kostet eine Gallone (3,79 Liter) derzeit. Das reduziert die Freude an durstigen Big-Block-Triebwerken offensichtlich nachhaltig.

Officer Tanayo soll nicht der Einzige bleiben, der sich für den Smart begeistert. Kaum ein Ampelstopp vergeht, ohne dass die Nachbarn aus dem eine Etage höher gelegenen Cockpit eines Pickup oder Offroaders heraus Interesse zeigen. "Wie viele Meilen pro Gallone schafft der?" ist meist eine der ersten Fragen und betrifft den Verbrauch nach amerikanischer Messart. Die Anwort sorgt regelmäßig für verblüffte Gesichter, denn anstatt der hier üblichen zwölf Meilen kommt der Winzling damit 40 Meilen weit.

Kleinwagen sind eine Randerscheinung

Doch den Smart auf die Funktion als Sparmobil zu reduzieren wäre zu einfach. Auf einem Trip von der Raumfahrt-Metropole Houston ins rund 350 Kilometer entfernte Austin punktet der Fortwo zunächst einmal durch seine Andersartigkeit. Kleinwagen sind im amerikanischen Straßenbild ohnehin eine Randerscheinung, unter der Golf-Größe gibt es praktisch nichts. Und wenn doch, dann verströmen die Autos eine Aura des Verzichts, künden vom klammen Geldbeutel des Besitzers. In einem Land, das gern auf Show-Effekte setzt, eine denkbar schlechte Ausgangsbasis.

Über den Highway fahren wir von Houstons Kreuzfahrtschiffhafen Galveston in Richtung Zentrum. Wer glaubt, auf US-Highways ginge es grundsätzlich gelassen zu, der sollte sich zur Rushhour mal in den Verkehr einer amerikanischen Großstadt stürzen. Die in Texas erlaubten 90 Meilen pro Stunde werden wann immer möglich gefahren, auch von den Lastwagen. Keine Lücke bleibt ungenutzt. Der Smart hält mit und verschafft sich so offensichtlich Respekt. An ständiges Hupen und hochgereckte Daumen der anderen Verkehrsteilnehmer werden sich die Passagiere noch gewöhnen müssen.

Motels, Fast-Food und dutzende Pickups

Links und rechts der Schnellstraße das übliche Umfeld amerikanischer Metropolen: Motels, Fast-Food-Restaurants, Table-Dance-Lokale und natürlich die riesigen Parkplätze der Autohändler, auf denen sich Dutzende Pickups und Geländewagen aneinanderreihen.

Es tobt ein heftiger Preiskampf auf dem Automarkt. Im Radio buhlt ein Chevrolet-Dealer um Kunden: 10.000 Dollar Nachlass beim Kauf eines Silverado, sogar 12.000 Dollar Rabatt gibt es für den Suburban. Mercedes preist die Spriteffizienz seiner CDI-Triebwerke. Einziges Manko der Diesel-Modelle, so die Werbung: In Kalifornien und einigen anderen US-Staaten seien sie nicht zugelassen. Doch, so die Stimme aus dem Radio: "Wen interessiert das? Wir leben in Texas. Yiehaa!" Im nächsten Spot wird das Service-Paket von Amerikas größtem Waffenhändler angepriesen: Die erste Inspektion ist im Preis inbegriffen, und Rabatt gibt es obendrein.

Dass der Smart zwischen den Wolkenkratzern in Downtown Houston schnell Freunde findet, liegt auf der Hand. Parkraum ist knapp, da hat dieser Lückenfüller gefehlt. Grund genug für einen Ausflug in die Weite der Prärie, Richtung Austin. Die Gegend ist geprägt durch die Landwirtschaft. Ausgedehnte Weideflächen werden unterbrochen durch kleine Wälder und Bäche. Anfang des 19. Jahrhunderts besiedelten deutsche Auswanderer diesen Landstrich. Die Architektur kündet noch immer von der damaligen Zeit.

"Wir Amerikaner denken zu wenig an die Zukunft"

Wer die Route 290 nimmt, kommt unweigerlich an der Tankstelle von Chappell Hill vorbei. Hier gibt es ländliches Amerika pur: Im Diner stehen weiße Plastikstühle an Tischen mit rotweiß- karierten Plastiktischdecken. Es gibt Burger und Gläser voll Eis und einem Hauch Cola. Selbst zum Essen nehmen die Männer ihre Baseball-Kappen und Stetsons nicht ab.

Die Kassiererin lugt durch die Scheibe hinaus zum Smart: "Nettes Auto. Der ist bestimmt sparsam, oder?" Wie sich herausstellt, engagiert sie sich in der Gemeinde in Sachen Recycling und Umweltschutz und ist dem Konzept gegenüber aufgeschlossen. "Da denken wir Amerikaner einfach zu wenig an die Zukunft." Ihr Mann, stolzer Besitzer eines Ford F350 Pickup, guckt deutlich skeptischer: "Wo soll ich denn da meine Kühlbox unterbringen?" Ein Blick in den Kofferraum und ein Mal Probesitzen bringen ihn ins Grübeln: "Was verbraucht der? Wie schnell ist er?" Dem Texaner gehen langsam die Argumente aus.

Taunia Elick, Rechtsanwältin und Ranch-Besitzerin, bringt die Erfolgsaussichten des Smart in Texas auf den Punkt: "Wenn die Cowboys ihren Hut abnehmen müssen, um reinzupassen, hat er hier keine Chance. Auch deshalb kaufen wir ja Geländewagen. Die bieten mehr Kopffreiheit." Trotzdem beharrt sie auf einer Proberunde. Nach anfänglichen Irritationen in Sachen Schaltung gibt sie Gas.

Ihr Urteil nach der Versuchsfahrt: "Ein niedliches Auto, aber mein Lincoln Navigator ist mir lieber. Der ist einfach komfortabler." Höchstens für ihre Tochter, die in Austin studiert, wäre der Smart vielleicht was. Und 12.000 Dollar seien wirklich auch ein Schnäppchenpreis, für den man sonst nur Hyundai in Grundausstattung bekomme. Doch als Cabrio gebe es die ja nicht.

Smart passt gut zu Austin

Überhaupt passe der Smart gut zu Austin: Die Stadt gilt in den USA als grün, Hybrid-Fahrzeuge sieht man im Straßenbild ein wenig öfter als anderswo, ebenso Fahrradfahrer. Kein Wunder, dass Smart hier für den Fortwo die Werbetrommel rührt.

"Die Farbe passt. Vielleicht kriegen wir den mal als Einsatzwagen", scherzt Lieutenant Commander Scott Esau von der A-Schicht des sechsten Reviers der Austin Firefighters. "Den Toyota Prius gibt es ja schon bei der Feuerwehr."

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