Tokio Motor Show 2009: Trübe Stimmung in Tokio

Messerundgang Tokyo-Motorshow 2009

Update ++ Video ++ Schrill, bunt, laut, futuristisch, überlaufen – so sticht die Tokio Motor Show in der Flut der Automobilmessen heraus. Normalerweise. Doch dieses Jahr ist alles etwas anders. auto motor und sport-Redakteur Harald Hamprecht berichtet direkt aus Tokio.

Weniger Neuheiten und futuristische Studien, weniger Hostessen und Pressematerialien, kaum Showeinlagen bei den Pressekonferenzen, ja oft nicht einmal Musik geschweige denn Party-Stimmung – die sonst so schrille Tokio Motor Show ist dieses Jahr so leise wie noch nie. Und gefühlt auch ebenso schwach besucht; das Schlangestehen der vergangenen Jahre entfällt schon an den beiden Pressetagen. "Die Stimmung ist schon etwas gruselig", kommentiert ein Pressesprecher.

Finanzkrise fegt Messe leer

Hintergrund: Die weltweite Finanzkrise trifft die japanischen Hersteller gleich doppelt. Sie müssen beim Auftritt auf der "Makuhari Messe" vor den Toren Tokios sparen. Und sie haben mit den Gewerkschaften im Vorfeld vereinbart, dieses Jahr leiser aufzutreten – als Zeichen des Respekts gegenüber den tausenden Mitarbeitern, die sie entlassen mussten. Ein Kulturschock für die Betroffenen und die Firmenchefs selbst; denn bislang haben japanische Unternehmen immer versucht, auch in Krisenzeiten Mitarbeiter an Bord zu halten; schließlich werden sie ja für den nächsten Aufschwung gebraucht.
 
Auf der 41. Tokio Motor Show hätten die Japaner allen Platz gehabt, sich auszubreiten, ihre geballte Innovationskraft und ihre zahlreichen Elektro- und Hybrid-Modelle noch prominenter zur Schau zu stellen, wie etwa den Toyota Prius Plug-In und  FT-EV, den Nissan Leaf, dem Honda Skydeck, den Mitsubishi i-MieEV Cargo oder den Subaru Hybrid Tourer Concept: Denn westliche Hersteller glänzen hier nur mit Abwesenheit. Als einziger deutscher (Kleinserien-)Hersteller hält Alpina die Flagge hoch – und feiert 30 Jahre in Japan und 3.000 ausgelieferte Sportwagen. Daneben stellt die britische Marke Lotus bescheiden einige Modelle aus. Franzosen, Amerikaner, Koreaner? Fehlanzeige!

Kleinstaussteller füllen die Standflächen
 
Doch die japanischen Hersteller haben die Chance nicht etwa genutzt, um ihre Stände zu vergrößern; im Gegenteil: teilweise wirken die Neuheiten, die Nippon zelebriert, notdürftig in die Ecken der Stände gequetscht. Und die Messegesellschaft hat nicht etwa die spannenden Hersteller in einer der insgesamt drei Messehallen konzentriert, sondern einfach  die weggefallene Standfläche (angeblich rund 50 Prozent der üblicherweise genutzten Fläche) notdürftig mit Nicht-Autobauern aufgefüllt: mit Ständen von Motorrad-Herstellern, wie Harley Davidson; mit solchen von oft unbedeutenden Zulieferer-Firmen, die in der Vergangenheit immer ihre eigene Halle hatten; mit Bühnen lokaler Radiosender, die während der beiden Pressetage vergeblich auf gefüllte Stuhlreihen warten oder mit einer verzweifelten Ausstellung von Kinderzeichnungen zum Thema Automobil an einem Platz, den in der Vergangenheit der VW-Konzern belegt hatte.

Gleiches Stimmungsbild auf Seite der Zulieferer: Nur drei deutsche Konzerne – Bosch,  Schaeffler und Mahle – haben sich auf die Messe verirrt. Und ihre japanischen Wettbewerber scheinen – im Gegensatz zur Vergangenheit – auch kein Geld mehr für mutige Vorausentwicklungen zu haben, wenn kein direkter Kundenauftrag dahinter steht.
 
Mit voller Wucht haben die schwere Zeiten für die Autoindustrie nun also die 41. Tokio Motor Show getroffen. In Interviews zeigen japanische Vorstände durchaus Verständnis für den Sparzwang der westlichen Wettbewerber; schließlich haben Nissan, Mitsubishi & Co. oft selbst zuletzt auf Messen in Detroit, Genf und Frankfurt mit Abwesenheit geglänzt. Doch das alles täuscht  nicht über eine Gefahr hinweg: Wenn sich die Tokioter Messe noch einmal so einen Auftritt leistet, driftet sie endgültig in die Bedeutungslosigkeit als rein lokal japanische Messe ab.

Die Premieren der Tokio Motor Show 2009
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