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Top Marques Monaco

Ein Aston Martin zum Einpacken

Top Marques of Monaco 2013 Foto: Markus Stier 35 Bilder

Eine Messe nur für Superreiche mit Luxusautos, Booten, Uhren und Schmuck, das ist ja wie für uns gemacht. Wir sind zum Shoppen zu den Top Marques Monaco gejettet, und wetten: Da ist doch auch für Sie sicher was dabei.

19.04.2013

"Mist", sagt Benedikt Weber und zeigt auf den Mann mit dem gegelten Haupthaar und dem grauen Bart, der sich 10 Meter weiter einen Spania GTA im Kohlefaser-Look anschaut. "Das war der Sekretär des Fürsten", raunt Weber, "und ich habe ihn wieder nicht zu unserem Stand locken können." Albert von Monaco war gestern schon da, aber der sonnige Winkel mit Mehrblick in dem der Gumpert Apollo parkt, lag nicht auf seiner Route.

Top Marques Monaco ohne Scheichs und Börsenmakler?

Zum 10. Mal beherbergt das Forum Grimaldi die Messe Top Marques of Monaco, in der nur ausstellt, wer Ware von der teureren Sorte anzubieten hat. Gumpert ist zum 4. Mal dabei, und das vor allem um zu zeigen, dass man überhaupt noch dabei ist. Zeitweilig insolvent will die Sportwagen-Marke mit frischem Kapital wieder durchstarten, und den Kontostand sollen neue Kunden erhöhen. Wer glaubt, dass die Scheichs und Börsenmakler mit Geldkoffern vorbeikommen, hat sich allerdings getäuscht. "Die schauen sich um, und wenn sie Interesse haben, melden die sich später, und wir laden sie dann zur Probefahrt ein."

Auch der Milliardär kauft ungern die Katze im Sack, aber Techart-Chef Thomas Behringer, dessen Unternehmen zum 1. Mal ausstellt und vom Porsche Cayman über Cayenne und Panamera alles dabei hat, ist zuversichtlich. Messechef Steven Saltzman rechnet unter den 35.000 erwarteten Besuchern in 4 Tagen auch mit 2.500 extrem Vermögenden. "Die haben alle ihre Scheckbücher dabei", sagt er verheißungsvoll. Techart-Mann Behringer hofft, "dass heute Abend schon einer verkauft ist". 2012 haben die Millionarios auf der Messe 200 Millionen Euro umgesetzt.

Goldener Koenigsegg schon verkauft

Längst weg vom Markt ist das vermutlich teuerste Stück, der Koenigsegg Agera S Hundra ist nicht nur das 100. Auto aus der schwedischen Manufaktur, es ist vom Lenkrad, über die Lackierung bis zu den Schraubenfedern des Pushrod-Fahrwerks in echtes Gold gekleidet. Das schon in Genf ausgestellte Einzelstück hat sich allerdings längst ein thailändischer Multimillionär gesichert.

Geradezu unverschämt billig ist dagegen die holländische Fraktion. Den Vencer Sarthe hat eine 15-köpfige Truppe von Le-Mans-Fans in zweieinhalb Jahren entwickelt. Ein Rahmen aus Stahl-Rohr und Aluminium ist in eine echte Karbon-Haut gekleidet. Unter der Heckhaube steckt ein 510 PS starker V8 von GM. Geplant sind in diesem Jahr maximal 5 Autos, ab 2014 allenfalls einer pro Monat, für 265.000 Euro das Stück.

Nicht alles, was glänzt ist auf der Top Marque Monaco aus Gold

Die Holländer sind stark vertreten in diesem Jahr, und so lernt der Oligarch, dass es Marken wie Savage gibt, die Mittelmotorsportwagen baut, bei denen der 700 PS starke Corvette-V8 vorn untergebracht ist. Exotische Marken wie Noble sind ebenso vertreten wie Mazzanti oder Spania. Der am Eingang thronende Pagani gehört in diesem Umfeld schon zum Establishment.
 
Es ist natürlich auch hier nicht alles Gold, was glänzt. Das russisch-amerikanische Unternehmen Devolro macht aus schnöden Toyota-SUV wahre Brachial-SUV. Doch das mattschwarze Endzeitgerät, das aussieht, als könne es mit seinen 22-Zoll-Rädern über den Weltuntergang einfach wegrollen, sieht nur aus, als wäre es trotz seiner Masse ein Superleichtbau. Das gilt allenfalls für die zahlreichen Hostessen. "Die Kohlefaser-Karosse ist nur mit Folie aufgeklebt", gesteht Oleg Lisitsyn unumwunden. Auf seiner Visitenkarte steht "Präsident", es ist nicht ganz klar, ob nur über ein Tuning-Unternehmen oder eine Kaukasus-Republik. Lisitsyn versichert aber, dass er auf Wunsch den Devolro auch in echtem Karbon auf die Räder stellt.

Die Messe, die in einer einzigen Halle Platz findet, ist überschaubar und aufgrund dieser Enge geht es im Fürstentum erheblich demokratischer zu als auf einer IAA oder dem Genfer Salon. Die großen Hersteller haben schlicht keinen Platz, um protzige Messestände aufzubauen, und so teilen sich Audi und Porsche 200 Quadratmeter. Ehrlich gesagt, haben sie auch nicht mehr verdient, denn die Nobelmarken des VW-Konzerns bieten nur Altbekanntes, kein neuer GT3, kein R8 Ultra. Immerhin, Abt ist da mit einem R8 GTR Facelift und einem R5-R mit Kohlefaser-Haube und Überrollkäfig und 470 PS.

Nobel-WG mit McLaren, Jaguar und Aston Martin

Im hinteren Eck haben die Briten eine Nobel-WG aufgemacht. Auf 150 Quadratmetern Wohnfläche hocken McLaren, Jaguar und Aston Martin sehr gemütlich beisammen. Im hintersten Winkel steht ein knubbeliges Gefährt, das auf den ersten Blick sehr bekannt wirkt. Aston Martin Cygnet steht auf dem Schild, dabei könnte man schwören, dass dies ein Toyota IQ ist. "Willst du die offizielle Version hören?", fragt der Mann am Stand, der nicht Engländer ist, sondern Franzose. Und der kleine Aston ist ebenfalls gebürtig kein Brite, sondern tatsächlich Japaner. Um die CO2-Emmission der Flotte zu mindern, hat Aston Martin den Zweisitzer ins Programm genommen. Die Technik ist immer noch Toyota, die Außenhülle auf Aston getrimmt und das Interieur mit feinstem Rindsleder ausgeschlagen wie die großen Brüder rundherum. "Für Monaco ist das ein Super-Auto", sagt der Mann am Messestand und betont, dass der Kleine keineswegs vom Vorstandschef fürs Frauchen angeschafft wird, sondern eher als innerstädtisches Beiboot für ihn selbst.

Aston Marin Cygnet kostet ab 50.000 Euro

Da nehmen wir doch mal Platz und atmen in tiefen Zügen den intensiven Ledergeruch ein. 50.000 Steine kostet der Kleine. Das ist kein Pappenstil, aber bei Auflösung aller Konten, Verkauf sämtlicher Möbel und Elektrogeräte sowie des geerbten Tafelsilbers von Oma immerhin ein Aston Martin, den sich auch der auto-motor-und-sport-Reporter leisten könnte. "Wissen Sie was, Sie brauchen ihn nicht einpacken. Ich nehme ihn gleich so mit."

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