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Tourenwagen-Weltmeisterschaft

WM-Technik-Update wird auf 2014 vorgezogen

WM-Technik, Tourenwagen-Meisterschaft, Zuschauerrang Foto: XPB

Manchmal rackert und schuftet man jahrelang für ein Ziel, aber es geht irgendwie nicht so recht vorwärts. Und auf einen Schlag fallen die Domino-Steinchen der Reihe nach um. So oder so ähnlich muss sich im Moment der Promoter der Tourenwagen-WM, Marcello Lotti, vorkommen. In den letzten drei Jahren verlor er mit BMW, Seat und Chevrolet drei große Hersteller, und seine Kritiker stimmten schon Schwanengesänge auf die kampflustige WM an.

21.11.2012 Marcus Schurig Powered by

Falsch gedacht: Lotti steht mit seiner Serie im Vergleich zu anderen Weltmeisterschaften mit Abstand am besten da. „Manchmal braucht man nur eine gute Nachricht – und weitere gute Nachrichten kommen von ganz allein“, feixt Lotti. Sein Glückskeks war der Einstieg von Honda. In Zeiten motorsportlicher Orientierungslosigkeit beäugen die Hersteller die Schritte der Konkurrenz ganz genau. Als Honda im Februar 2012 den WM-Einstieg verkündete, war das ein Fingerzeig für die unschlüssigen Automobilhersteller.

Beim zehnten WM-Lauf in Suzuka gaben sich Hersteller-Vertreter aus Europa und Japan bei Lotti die Klinke in die Hand. Citroën hatte am 27. September den WM-Einstieg für 2014 verkündet, weil die Marken-Ikone Sébastien Loeb nach neun WM-Titeln keinen Bock mehr auf Rallye hat. Sogar Lotti erfuhr erst zehn Tage vor der Bekanntgabe von dem Coup. In Japan weilten hochrangige Techniker von Citroën Sport wie Xavier Mestelan-Pinon, um sich mit den Gegebenheiten des neuen Einsatzgebietes vertraut zu machen.

Der Zutritt von Citroën brachte aber ein neues Problem.

Denn ursprünglich war für 2015 ein deutliches Technik-Upgrade für die Super2000-Tourenwagen vorgesehen: Die Autos sollten spektakulärer werden. Der Citroën-Plan, 2014 einzusteigen, hätte jedoch bedeutet, dass die Franzosen zwei Spezifikationen binnen zwei Jahren hätten entwickeln müssen. Daher fragte Citroën an, ob die Änderungen nicht um ein Jahr vorgezogen werden könnten. Dies waren wiederum schlechte Nachrichten für Honda, denn nun hätten die Japaner zwei Autos binnen von zwölf Monaten auf Kiel legen müssen.

Neues WM-Reglement wird vorgezogen

Am 24. Oktober verständigten sich alle Hersteller in Paris darauf, das neue Reglement auf 2014 vorzuziehen. Auch Honda unterstützte diesen Vorschlag – zu wertvoll war der Einstieg von Citroën, als dass man sich hätte sperren können. Das Regelwerk, das von der FIA im Dezember verabschiedet werden soll, umfasst die folgenden Eckpunkte: In Zukunft rollen die WM-Wagen auf 18-Zoll-Rädern, die Bremsen werden größer dimensioniert. Die Motorleistung soll von 330 PS auf 370 PS gesteigert werden. Der Body-Kit wird wegen der breiteren Räder voluminöser ausfallen, die Optik soll durch auffällige Aero-Bauteile wie größere Heckflügel, breitere Stoßstangen mit angedeutetem Diffusor und bauchigen Radhausverbreiterungen auf sexy getrimmt werden.

Die Grundsubstanz der WM-Autos bleibt aber unverändert, denn Abtrieb-Autos sind weiterhin unerwünscht. Das neue Reglement wird das Interesse an der WM weiter anfachen: Citroën und Honda sind fix, Seat wird das ursprünglich für Mai geplante Debüt des neuen Renn-Leon auf Ende 2013 verschieben. Beim WM-Lauf in Japan wurden zudem Abgesandte von Toyota, Nissan, Mitsubishi, Subaru und Daihatsu gesichtet. Insider behaupten, dass Subaru und Nissan einen WM-Einstieg für 2014 realistisch erwägen, Nissan eventuell über das britische RML-Team, das die Saison 2013 mit den bisherigen Chevrolet Cruze überbrücken könnten.

Ein Grund für den großen Zuspruch der Hersteller ist die gute Kostenstruktur: Kaum ein Hersteller hat je mehr als fünf Millionen Euro für Werkseinsätze in der TW-Weltmeisterschaft ausgegeben, inklusive Homologation, Entwicklung und Testarbeit. In anderen Bereichen des Produktionswagensports wie der Rallye-WM wird locker das Zehnfache aufgerufen.

Die einzige offene Frage lautet: Wird die WM nun endgültig zur Fronttriebler-Serie? Sollte sich BMW zur Homologation des neuen Einser-Modells entschließen, so wären die Hecktriebler endgültig passé. Mit diesem Move könnte Lotti bei FIA-Präsident Todt punkten, der eine Einführung der Hybrid-Technik ab 2014 begrü.en würde. Nach Todts Willen soll das KERS-System die nicht vom Motor angetriebene Achse mit Extra-Power versorgen. Und wenn alle mit Fronttrieblern antreten, könnte ein simples Einheits-KERS für die Hinterachse die Laune des Präsidenten heben.

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