"Du willst eine Township-Werkstatt sehen? Dann fährst du besser nicht allein", sagt Zayd Burrows. Er kennt seinen Geburtsort Kapstadt wie seine Westentasche. Wir steigen in Zayds Geländewagen und fahren los.
BMW und Audi sind in Südafrika sehr beliebt
Die imposante Fassade des Audi-Zentrums im berühmten Hafenviertel glitzert im Sonnenlicht, ein nagelneuer Audi R8 parkt im Schauraum. Ein paar Kilometer weiter, in Sichtweite der Palmen-gesäumten Strandpromenade, recken sich die schneeweißen Fassaden eines BMW-Autohauses in die Höhe. Deutsche Luxusmarken stehen bei den Südafrikanern hoch im Kurs, besonders Audi und ganz besonders BMW. "Be my wife", verballhornen die Südafrikaner die Abkürzung, und manchmal auch "Black man’s wheels".
Autowracks dienen als Fortbewegungsmittel
Nach ein paar Kilometern Autobahn kommt der Kulturschock wie mit einem Hammerschlag. Zayd biegt von der Autobahn ab, und schon befinden wir uns mitten in Guguleto. Ein undurchschaubares Geflecht aus Wellblechhütten, Bretterbuden und kleinen Steinhäusern scheint sich bis zum Horizont zu erstrecken. Streunende Hunde wühlen am Straßenrand im Abfall, als sanitäre Einrichtungen dienen von der Regierung aufgestellte Dixie-Klos. Nur manchmal durchbrechen moderne Gebäude oder gar Einkaufszentren das bunte Hütten-Meer. Zahllose Männer, Frauen und Kinder bevölkern die Straßen, Sammeltaxen und Polizeistreifen fahren umher. Am Straßenrand stehen immer wieder Fahrzeuge, die man für Autowracks hält. Bis plötzlich jemand einsteigt und sich der verrostete Haufen Blech wie ein verwundetes Tier in Bewegung setzt, das nicht in Ruhe sterben darf.
Improvisierte Reparaturen helfen über ein paar Monate
Denn niemand in Guguleto kann es sich leisten, Material zu verschwenden. Was in Deutschland dank Abwrackprämie im Schredder landet, muss in den Townships Südafrikas durchhalten - bis zum bitteren Ende und zur Not auch darüber hinaus. Zayd erinnert sich daran, wie er selbst vor Jahren den Kühler eines altersschwachen Toyota mit einer improvisierten Dichtmasse geflickt hat. "Ich habe es kaum für möglich gehalten, aber der Wagen hielt damit noch ein paar Monate durch", erzählt Zayd - und steigt plötzlich auf die Bremse. Denn wir sind bei "Top Ten Auto Electrical" angekommen.
Die Teilebeschaffung für 30 Jahre alte Autos ist schwierig
Ein Mann namens Amrani ist der Besitzer der Werkstatt, und wie jeder echte Chef hat er eigentlich keine Zeit zum Reden. Er steht in seinem Büro, das gleichzeitig als Ersatzteillager dient und sich bei näherer Betrachtung als ausgedienter Übersee-Container entpuppt. "Wir haben uns auf Auto-Elektrik spezialisiert, vor allem auf Lichtmaschinen", sagt Amrani. Bei Regen gibt die Elektrik der betagten Autos oft den Geist auf. Und es regnet häufig im Juli und August, denn dann ist Winter in Südafrika. Neue Ersatzteile verirren sich nur selten in Amranis Betrieb, sie sind zu teuer oder nicht mehr zu bekommen. "Vor allem die japanischen Autos bereiten uns Probleme. Versuch mal, Teile für einen 30 Jahre alten Mazda zu kriegen", sagt der Werkstattchef.
Defekte Teile werden repariert
Und so lautet das Zauberwort "Reconditioning": Defekte Teile werden wieder aufgearbeitet oder mit einem tiefen Griff in die Trickkiste irgendwie wieder zum Laufen gebracht. Amranis Mitarbeiter haben darin eine Perfektion entwickelt, die wahrscheinlich so manchen Mechaniker neidisch machen würde. Eine Kfz-Ausbildung haben die meisten nicht, doch sie sind froh um ihren Job - in den Townships ist jeder zweite arbeitslos. Amrani setzt bei seinen Mitarbeitern auf "Training on the job". Und mit diesen Worten verabschiedet er sich - ein Ford Taunus im Endstadium will nicht mehr anspringen, und Amranis Know-how wird verlangt.
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Statistisch gesehen hat nur jeder zehnte Südafrikaner ein Auto
Auf der Rückfahrt aus den Townships sehen wir noch viele improvisierte Werkstätten. Vor einer parken mehrere BMWs, deren Durchschnittsalter bei mindestens 20 Jahren liegen dürfte. Knapp 48 Millionen Menschen leben in Südafrika, statistisch gesehen hat nur jeder Zehnte ein Auto. Zayd kennt auch die schlimmeren Probleme der Townships: "Kriminalität, Drogenmissbrauch und Alkoholsucht sind weit verbreitet - daran droht unsere Gesellschaft zu zerbrechen", sagt der Südafrikaner.
Hyundai Motors Deutschland unterstützt Schulprojekte in Südafrika
Er kümmert sich zusammen mit Hyundai Motors Deutschland seit einigen Jahren um eine Schule im Khayelitsha, dem zweitgrößten Township Südafrikas nach Soweto. Von den Spenden der Hyundai-Händler wurden unter anderem Schulbücher und Computer angeschafft. Nun soll eine Mehrzweckhalle entstehen, für die Zayd um öffentliche Fördermittel kämpft. Aber die Township-Bewohner haben sich daran gewöhnt, den Mangel zu verwalten - wie bei ihren Autos: "Irgendwie", sagt Zayd, "geht es immer weiter".






