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Toyota-Deutschland Chef Uyttenhoven

Trotz hoher Verluste keine Einschnitte bei der Belegschaft

Foto: Toyota 21 Bilder

Toyota-Deutschland-Chef Alain Uyttenhoven spricht im Interview mit auto-motor-und-sport-Redakteur Harald Hamprecht über die Abwrackprämie, das zukünftige Modellportfolio und die wirtschaftliche Situation des Importeurs.

07.05.2009 Harald Hamprecht

Trotz des Verlusts von 17,2 Millionen Euro im vergangenen Geschäftsjahr sieht der Manager die Chance auf eine Verbesserung und will auf harte Einschnitte bei der Belegschaft verzichten.

Herr Uyttenhoven, wie stark profitiert Toyota von der Abwrackprämie?
Uyttenhoven: Fast 70 Prozent des Aygo verkaufen wir momentan über die Abwrackprämie, daneben rund zwei Drittel des Yaris. Bei unserem Einstiegsmodell iQ sind es etwa 25 Prozent, weil dieses Auto gezielt von Menschen gesucht wird, die etwas Trendiges kaufen wollen. Und da ist man auch bereit, ein bisschen mehr zu bezahlen. Zusammenfassend kann man aber sagen, dass wir in der Preisregion bis 15.000 Euro gegenwärtig  rund 95 Prozent unseres Absatzes dank der Umweltprämie machen. Über alle Modellreihen hinweg sind es rund 50 Prozent. Der Bonus hat dazu beigetragen, dass wir den besten Februar-Absatz in der 38-jährigen Geschichte von Toyota Deutschland verbuchen konnten. Und auch das 1. Quartal lag auf Rekordniveau. 80 Prozent unserer Verträge machen wir mit Neukunden, die bislang keinen Toyota gefahren sind.
 
Wie schätzen Sie den Gesamtmarkt ein?
Uyttenhoven: Wir glauben, dass dieses Jahr bis zu 3,1 Millionen Neuzulassungen in Deutschland erreichbar sind.
 
Obwohl der Kaufdruck bei den Kunden jetzt erst einmal raus ist, weil die Regierung die Prämie bis zum Jahresende verlängert hat?
Uyttenhoven: Ja, und dass der Zeitdruck raus ist, empfinde ich als gut. Denn die Kunden hatten schon begonnen, einfach nur Modelle zu kaufen, die gerade schnell verfügbar waren. Und unsere Händler kamen dem Ansturm schon gar nicht mehr nach. Das Flottengeschäft, das bei uns traditionell ein niedrigeres Niveau hat, läuft auf Sparflamme, weil sich unsere Händler ganz auf die Privatkunden-Ströme konzentrieren. Teilweise mussten sie die Auslieferung auf die Sonntage verlagern. Das ist eine logistische Meiterleistung. Schauen Sie sich nur die Marktgröße an: Im März wurden in Deutschland rund 370.000 Fahrzeuge zugelassen, das sind fast doppelt so viele wie im Dezember 2008.

Sind das alles nur vorgezogene Verkäufe? Wird der Markt nach Auslauf der Prämie überproportional einbrechen?
Uyttenhoven: Nein, das glaube ich nicht. Ich höre aus dem Markt, dass sich vor allem jene Menschen einen Neuwagen kaufen, für die das in der Vergangenheit aus Kostengründen nicht möglich war. Ein unmöglicher Traum wird plötzlich für viele Menschen wahr.
 
Wo wird Toyota dieses Jahr abschneiden?
Uyttenhoven: Mit einem Marktanteil von 3,8 bis vier Prozent wären wir zufrieden.
 
Aber derzeit liegen Sie doch schon bei 4,3 Prozent Marktanteil.
Uyttenhoven: Ja, aber das erste Quartal ist natürlich sehr stark. Im Moment lässt sich das Gesamtjahr noch nicht absehen, Wir werden auf jeden Fall keinen Marktanteil kaufen. Deswegen gebe ich hier lieber ein konservatives Ziel heraus.
 
Ziemlich konservativ, wenn man betrachtet, dass Sie 2006 schon mal 148.000 Einheiten und einen Marktanteil von 4,5 Prozent erzielen konnten.

Uyttenhoven: Ja, aber da lag der Markt bei fast 3,5 Millionen.
 
Welche Bedeutung hat der deutsche Markt inzwischen für Toyota weltweit?
Uyttenhoven: Der deutsche Markt hatte immer schon aufgrund der besonderen Wettbewerbslage eine wichtige Bedeutung. Zahlenmäßig waren wir in Europa in 2008 der fünft-größte Absatzmarkt. An erster Stelle lag Russland mit 204.000 Verkäufen, obwohl der Markt dort gegen Jahresende eingebrochen ist. Es folgten Großbritannien mit 125.000 Einheiten, dann Italien mit 113.000 und Frankreich mit 100.000 Fahrzeugen.
 
Wie hat Toyota Deutschland das vergangene Geschäftsjahr finanziell abgeschlossen ?
Uyttenhoven: Das Finanzjahr, das am 31. März  endete, war unter dem Strich negativ. Aber es gibt Möglichkeiten und wir arbeiten daran, das Ergebnis für das neue Geschäftsjahr zu verbessern.
 
Einige Importeure, wie Mitsubishi und Volvo, haben massiv Personal in Deutschland abgebaut. Wie sieht das bei Toyota aus?
Uyttenhoven: Wir haben keine solchen Pläne. Wir werden die natürliche Fluktuation von rund drei Prozent nutzen und vielleicht nicht jeden Mitarbeiter, der ausscheidet ersetzen.
 
Müssen Sie an anderen Stellen den Rotstift ansetzen?
Uyttenhoven: Vertriebsgesellschaften verursachen in großen Autokonzernen nur einen Bruchteil der Kosten. Zwei Drittel der Kosten liegen im Einkauf von Komponenten und in der Entwicklung, die in den Zentralen verankert ist. Deswegen liegen dort die größeren Hebel für Sparmaßnahmen. Aber natürlich schauen wir trotzdem, dass wir effizient mit unserem Budget umgehen.

Wie viele Ihrer Händler mussten 2008 Insolvenz anmelden - und was erwarten Sie für 2009?
Uyttenhoven: Weniger als ein Prozent unserer 600 Handelsbetriebe in Deutschland musste schließen. Der Branchen-Durchschnitt lag 2008 bei fünf Prozent. Die Umsatzrendite unserer Händler lag im Gesamtjahr 2008 bei 0,54 Prozent. Für dieses Jahr erwarte ich eine Steigerung, allerdings erst ab Juni. Der Umsatz ist zwar gut, aber das Volumen machen wir mit kleinen renditeschwachen Autos.
 
Kommen wir zur Produktpalette. Wie ist der iQ, der seit 25. Januar im Handel steht, im Markt angekommen?
Uyttenhoven: Hervorragend. Wir haben bereits 5.000 Einheiten verkauft. Dabei hatten wir fürs gesamte Jahr nur 10.000 Einheiten geplant. Jetzt ist es uns gelungen, aus anderen europäischen Ländern zusätzliche Kontingente zu bekommen, um lange Lieferzeiten zu vermeiden.
 
Wie sind die Lieferzeiten bei den übrigen Modellen?
Uyttenhoven: Beim Auris sind es, auch aufgrund der Produktionsumstellung auf die neue Motorenpalette drei bis vier Monate, beim neuen Avensis ebenfalls vier. Die Nachfrage im Februar und März war einfach höher als erwartet. Im Schnitt über alle Baureihen liegen wir bei etwa drei Monaten. Die Händler haben aber immer auch kurzfristig verfügbare Ware.
 
Am 25. April ist der Urban Cruiser in den Markt gekommen. Welche Ziele haben Sie für diesen kleinen Crossover?
Uyttenhoven: Wir werden anfangs rund 2.500 Einheiten pro Jahr verkaufen. Das ist mehr ein Image- als ein Volumenmodell. Positioniert ist er zwischen 16.950 Euro für den Benziner mit Frontantrieb und rund 22.000 Euro als Allradler mit Dieselantrieb, was übrigens wieder eine interessante Nische ist, für die wir einen Markt sehen.
 
Was erwarten Sie sich vom neuen Prius?
Uyttenhoven: Im Moment sind wir im Auslauf mit der zweiten Prius-Generation und wir sind tatsächlich ausverkauft. Die dritte Generation bringen wir im Juni in den Handel, werden ihn allerdings erst ab September im Handel bewerben, weil wir die Autos erst im Laufe des Sommers aus Japan bekommen werden.

Und wie viele wollen Sie davon verkaufen?
Uyttenhoven: Im vollen Jahr, also ab 2010 reden wir von ungefähr 5.000 Autos. Der Prius-Absatz entwickelt sich immer steil nach oben, wenn der Spritpreis steigt. Das haben wir 2008 gesehen. Und diese Situation kann jederzeit wieder eintreten.
 
Wie sieht Ihre Hybrid-Strategie generell aus?
Uyttenhoven: Bis 2020 werden wir in nahezu jeder Baureihe mindestens einen Verbrennungsmotor mit einem Elektromotor kombinieren.
 
Und kommendes Jahr folgt nach auto-motor-und-sport-Informationen erst einmal der Auris als Hybrid.
Uyttenhoven: Das kann ich heute noch nicht kommentieren.
 
Können Sie uns Details zum Hochdach-Yaris geben, der 2010 in den Markt kommt?
Uyttenhoven: Nein, dafür ist es noch zu früh. Jedenfalls werden wir das Modell nicht Verso nennen, so wie die einstige Variante des Corolla. Außerdem können sich unsere Kunden schon auf einen Sportwagen freuen, den wir Ende 2010, Anfang 2011 in Zusammenarbeit mit Subaru auf den Markt bringen werden.

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