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Toyota Europa-Produktionschef Didier Leroy

Toyota Europa will kein Werk schließen

Didier Leroy, Toyota Foto: Toyota 4 Bilder

Didier Leroy, Europa-Produktionschef von Toyota, spricht im Interview mit auto-motor-und-sport.de über die Pläne des japanischen Unternehmens und über den Umgang mit der Wirtschaftskrise.

06.05.2009 Harald Hamprecht

Toyota hat weltweit 52 Produktionswerke für Fahrzeuge und Komponenten, davon neun in Europa. Wie steht es hier um die Auslastung?

Leroy: In unserem Joint-Venture mit PSA in Tschechien nutzen wir 100 Prozent der für uns reservierten Auslastung für den Aygo. In unserem Pkw-Werk in England und der Türkei sind wir bei nahe 50 Prozent, wobei wir in der Türkei dank des neuen Verso schon bald mit einer deutlichen Erhöhung rechnen. Im französischen Yaris-Werk liegt die Auslastung bei 65 Prozent. Europaweit liegen wir im Schnitt also bei knapp über 60 Prozent Auslastung. Und das wird auch im gesamten ersten Halbjahr so bleiben.

Was planen Sie für das zweite Halbjahr?
Leroy: Das kann heute keiner sagen.

Im vergangenen Jahr haben Sie in Europa 695.000 Fahrzeuge produziert. Wo liegt die installierte Kapazität?
Leroy: Bei rund 800.000 Fahrzeugen - inklusive unseres Joint-Ventures mit PSA in Tschechien, aus dem wir 100.000 Einheiten beziehen.
 
In Europa haben Sie 2008 1.119.521 Neufahrzeuge verkauft. Woher kamen die nicht in Europa produzierten Fahrzeuge?
Leroy: Fast ausschließlich aus japanischer Produktion.
 
Wie viele Einheiten wollen Sie dieses Jahr in Europa produzieren und verkaufen?
Leroy: Eine präzise Prognose ist nicht möglich. Denn die Markt-Fluktuation ist so stark und schnell wie nie zuvor; und nur in Deutschland wirklich überraschend positiv aufgrund der Umweltprämie. Wird das so bleiben? Wir können es nicht vorhersagen. Auch für den weltweiten Toyota-Absatz geben wir keine offizielle Prognose.
 
Weltweit haben Sie im vergangenen Kalenderjahr 8,2 Millionen Toyota und Lexus verkaufen können. Wird sich die Bedeutung von Europa erhöhen?

Leroy: Vor neun Monaten hätte ich gesagt, dass wir unsere Kapazität unbedingt erhöhen müssen. Aber wer kann das heute noch sagen. Niemand. Nirgends auf der Welt. Die größte Herausforderung der Automobil-Branche sind derzeit die Überkapazitäten.
 
Wie reagieren Sie darauf?
Leroy: Wir haben schon im Sommer 2008 begonnen, die Zahl unserer Leiharbeiter von tausend auf heute fast null zu reduzieren. Dieser Prozess wird noch im Frühjahr abgeschlossen sein. Nur in Tschechien behalten wir rund 250. Gleichzeitig maximieren wir unsere Insourcing-Aktivitäten, beispielsweise bei der Instandhaltung oder der Produktionsvorbereitung.

Um Kürzungen bei der Kern-Belegschaft zu vermeiden?
Leroy: Ja, und um zu vermeiden, dass unsere Mitarbeiter nichts tun und nur auf Arbeit warten. Wir wollen jeden involvieren - auch aus Respekt vor der Mannschaft. Es ist nicht unsere Strategie, sofort Menschen zu entlassen, wenn die Zeiten etwas stürmischer werden. In Europa arbeiten über 20.000 Festangestellte der weltweit 320.000 Toyota-Mitarbeiter. Und wir haben keine Pläne, an dieser Belegschaftsstärke zu rütteln.
 
Die Produktionskosten müssen Sie aber angeblich weltweit um zehn Prozent reduzieren in diesem Jahr?
Leroy: Ja, das ist ein weltweites Ziel, das wir auch hier verfolgen müssen. Aber Produktionskosten bedeutet ja nicht automatisch Personalkosten. Wir wollen am Band sehr schlank und effizient bleiben. Kostenreduktion nutzen. Unseren kontinuierlichen Verbesserungsprozess namens Kaizen fortführen. Aber ich gebe Ihnen hier keine Zahl. Weil die Vergleichbarkeit nicht gegeben ist. Wir sind in der Lage, sehr effizient zu bleiben. Positive Spannung zu halten, statt negativen Druck. Denn wenn die Krise vorbei ist, ganz egal ob in sechs Monaten oder in drei Jahren, wollen wir stärker rauskommen als alle anderen Wettbewerber. Das ist unsere größte Herausforderung.
 
Tätigen Sie Investitionen in Europa?
Leroy: Wir haben keine Notwendigkeit für teure Kapazitätserhöhungen. Deswegen minimieren wir gerade unser Investment, wo es nur geht - so wie alle anderen Hersteller auch. Für alle Produkt-Neuanläufe tätigen wir natürlich alle Investitionen, aber nur, um keine Probleme für die Zukunft aufkommen zu lassen. Alles, was wir verschieben können, werden wir verschieben. Denn Cash ist auch bei Toyota King. Investitionen, die nicht Neuanläufe und das Produkt betreffen, reduzieren wir um mehr als 50 Prozent. Aber wir sparen an keinem Produktionsanlauf. Denn das richtige Produkt zur richtigen Zeit am Markt zu haben, ist erfolgsentscheidend. Unseren Wettbewerbsvorteil in der Schlanken Produktion werden wir weiter ausspielen. Denn wir stehen vor sehr großen Herausforderungen - gerade auch was die Wechselkurse zwischen Yen und Euro angeht. 2009 wird insgesamt ein sehr schwieriges Jahr.

Dann brauche ich gar nicht danach fragen, wie die Chancen dafür stehen, dass Sie mittelfristig ein neues Werk für Lexus und Toyota in Westeuropa bauen, vielleicht sogar Deutschland?
Leroy: Nein, das sehen wir im Moment nicht. Wir haben aber unsere Formel-1-Aktivitäten in Deutschland mit rund 700 Mitarbeitern. Und sehr viele Zulieferer. Wir arbeiten mit 88 deutschen Zulieferern in Europa.
 
Das heißt, Sie haben einen hohen Lokalisierungsgrad in Ihren europäischen Werken.
Leroy: Ja, er liegt bei rund 90 Prozent. Alles andere wäre auch zu teuer. Mehr als 70 Prozent des Absatzes in Europa kommt auch aus europäischer Produktion. Unsere Zentrale liegt in Japan, das ist wahr. Aber wir haben ein Forschungszentrum in Belgien, die Formel 1-Aktivitäten in Deutschland, Logistikzentren in Frankreich und Belgien. 80-90 Prozent des Teilewerts der Fahrzeuge, die wir hier in Europa bauen, kommen aus Europa. Dank der starken deutschen Automobilindustrie gibt es auch starke deutsche Zulieferer, mit denen wir zusammenarbeiten können. Die wir übrigens immer pünktlich bezahlen. Und das ist nicht nur ein Zeichen des Respekts. Wir sorgen gerade in schwierigen Zeiten für Liquidität bei unseren Zulieferern. Zahlen unsere Rechnungen teilweise schon nach 14 Tagen oder wöchentlich, statt erst nach 45 Tagen. Und wir helfen ihnen, ihre Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern mit unseren Spezialisten.

Planen Sie einen Export aus Europa heraus?
Leroy: Nein. Bislang haben wir das nur mit einigen wenigen Avensis nach Japan gemacht. Aber die Zahl war limitiert. Das war eine Ausnahme.
 
Honda importiert den Jazz aus China-Produktion für den westeuropäischen Markt. Nissan will ein Auto aus Indien nach Europa bringen. Hat Toyota ähnliche Pläne?
Leroy: Offen gesagt: Als Toyota in Europa sich entschieden hat, ein französisches Werk aufzubauen, wussten wir schon, dass China und Indien niedrigere Fertigungskosten haben. Aber eines unserer Kernprinzipien ist: lokal produzieren. Diese Strategie haben wir 1984 für die USA entwickelt, 1992 in Europa und wir wollen sie fortführen. Trotz aller Herausforderungen ändern wir nicht unsere Werte und Prinzipien.

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