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Toyota-Händler

Die Engel und ihre Klassiker

Toyota-Händler, Autohaus Engel, Impressionen Foto: Achim Hartmann 13 Bilder

Toyota-Produkte gelten – abgesehen von wenigen Ausnahmen – nicht unbedingt als besonders emotional. Umso mehr lohnt sich der Besuch beim Autohaus Engel, einem bayerischen Familienbetrieb, der seit fast 40 Jahren für die Marke lebt. Abseits der Neuwagen parken hier sogar echte Klassiker-Unikate.

08.07.2014 Jens Dralle

Picobello – Friedhelm Engel gehört jener Generation Unternehmer an, für die dieses Adjektiv nicht nur zum gebräuchlichen Wortschatz, sondern zu den zentralen Werten ihrer Firmenphilosophie zählt. Werkstatt, Ausstellungsraum und Betriebsgelände müssen "picobello" sein, ein eingedeutschter Begriff, der nach den ersten Italien-Reisewellen zur Wirtschaftswunderzeit zurück über die Alpen schwappte – und mit dem kein Italiener etwas anfangen kann. Seit 1975 handelt die Familie Engel mit Toyota im bayerischen Wunsiedel, wo Vater Peter 1958 mit einer Tankstelle den Grundstein für die Firma legte.

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Reportage Toyota-Händler Autohaus Engel
auto motor und sport 11/2014
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"Eigentlich wollten wir damals Opel-Händler werden, doch die waren ziemlich hochnäsig und hatten überzogene Ansprüche", erzählt Friedhelm, der mit seiner Frau Astrid die Geschäfte führt. Bei den Japanern herrschte dagegen Aufbruchstimmung, "da haben alle für die Marke gebrannt".

Heute sind die Engels nicht nur in Wunsiedel, sondern auch in Hof und Bayreuth präsent, Opel hat inzwischen Demut gelernt – und Toyota auch, nach den Höhenflügen um die Jahrtausendwende. Sohn Max Engel zeigt sich dennoch optimistisch: "Der GT86 bringt uns viel Zulauf, auch der Auris Kombi kommt gut an." Dass sich Toyota mit dem Namenswechsel von Corolla zu Auris einen Gefallen getan hat, bezweifeln allerdings beide Engels. "Und mit Touring Sports weiß auch kaum jemand etwas anzufangen", grantelt der Senior.

Toyota - Unerschütterliche Qualität

Die Qualität jedenfalls, das beteuern beide, sei so gut wie noch nie. Daran ändere auch der einen Tag vor dem Besuch in Oberfranken veröffentlichte Rückruf nichts, in dessen Rahmen an rund 92.000 Fahrzeugen Sitzschienen und Lenksäulen überprüft werden müssen. "Toyota ist inzwischen derart vorsichtig geworden, dass sie bei der kleinsten Unsicherheit eine Überprüfung veranlassen", weiß Max, 24.

Seine letzten Worte gehen in einem lauten Prötteln unter. Ein kleines rotes Etwas schießt über den Hof, verschwindet im unteren Werkstattbereich des in Hanglage gebauten Wunsiedeler Betriebs. Friedhelm schält sich aus dem kleinen Toyota Sportwagen. "Ein Sports 800", ruft er, "mit Zweizylinder- Boxermotor!" Von dem 3,58 Meter kurzen Coupé wurden zwischen 1965 und 1969 rund 3.100 Exemplare gebaut, kein einziges war für den Export bestimmt. Und jetzt kann sich jeder ausrechnen, wie viele davon wohl in Deutschland herumfahren.

"Der kam kurz vor dem Porsche 911 Targa auf den Markt und hatte ein herausnehmbares Dachteil aus Alu", feixt Friedhelm Engel – und öffnet die Tür zu einem Nebengebäude. Darin befindet sich die Motoren-Manufaktur, irgendwo auf dem Gelände stellt er auch seine eigenen Werkzeuge her. Engel, der auf dem zweiten Bildungsweg ein Maschinenbaustudium abschloss, gibt mehr von seiner zweiten Leidenschaft preis – der Oldtimer-Restauration. Seine Spezialgebiete: seltene Toyota-Modelle und Porsche-Klassiker. "Was es nicht gibt, können wir selbst fertigen", fränkelt Friedhelm. Stolz präsentiert er als Erstes jedoch seinen selbst konstruierten Werkzeugschrank aus kaltem Edelstahl, ein steriles Mordstrumm, das ein bisschen Pathologie-Atmosphäre verbreitet – picobello eben. Allerdings scheint den Engels allmählich der Platz auszugehen, denn in der Halle drängen sich diverse Toyota-Exoten. "Wir bauen gerade die Rallye-Levin von Mikkula und Warmbold wieder auf, und dort hinten steht ein echter Bergrenn-Starlet", referiert Friedhelm.

Restaurierung eines Land Cruiser J40

Auch ein angeschraddelter Toyota Land Cruiser J40 wartet auf seine Restaurierung. "Der wurde von uns ausgeliefert, da pappt noch unser damaliges Firmenlogo dran", berichtet Max, der als studierter Betriebswirt mit USA-Erfahrung zwar eher für das Kaufmännische verantwortlich ist, den Spleen für Altmetall aber mit seinem Vater teilt. Einen anderen Land Cruiser – aus den Fünfzigern – holte sich Friedhelm als Kernschrott aus Costa Rica. Jetzt wartet der Firmenchef mit kindlicher Vorfreude auf den TÜV-Prüfer, der dem neu aufgebauten Geländewagen ein Gutachten ausstellen soll – Engel weiß, dass seine Mitarbeiter und er selbst einen guten Job gemacht haben.

Doch wann fing der Spuk an? Als gestern noch heute war, also irgendwann Ende der Siebziger, baute Engel hinterradgetriebene Corolla-Coupés für die Deutsche Rallye-Meisterschaft auf. Das Geschäft mit Porsche-Restaurierungen und Motorenbau lief damals bereits an, und so setzte Friedhelm sein Wissen für beide Marken ein. In seiner Toyota-Sammlung befinden sich inzwischen echte Unikate, eine Celica TA22 mit Sechszylindermotor beispielsweise – und ein ganz spezieller Rennwagen, über den Friedhelm derzeit noch keine Details verraten mag.

Selbst der große Konzernlenker Akio Toyoda kurbelte bereits am Lenkrad einer von Engel optimierten 74er Toyota Celica und zeigte sich begeistert. "Ein sympathischer Mensch, aber tauschen möchte ich mit ihm nicht", sagt Engel. Ihm gefällt es hier am Rande des Fichtelgebirges, wo er über Königswellen für Porsche 356 und Stößeltassen für den 2000 GT plaudern kann.

Im Alter von 62 Jahren sieht er der Zukunft gelassen entgegen. "Mein Sohn, der macht das schon, auch wenn wir es nicht immer einfach miteinander haben." Ja, der Tick mit den alten Toyota, der sei nun nicht unbedingt wirtschaftlich motiviert, gibt er zu. "Doch es macht unglaublich viel Spaß, und unsere Kunden merken, dass wir voll und ganz hinter der Marke stehen." Und was ist eigentlich mit Lexus? "Wir sind bei der Markteinführung zu dem Schluss gekommen, dass sich das für unsere Region nicht rechnet", sagt Max. Stattdessen habe man sich entschieden, einen Service-Vertrag für Toyotas Nobelmarke zu übernehmen. In der eigens dafür eingerichteten, vom Hersteller vorgegebenen Lounge thront ein imposanter Schreibtisch. Die massive Platte ruht auf nur einem, seitlich angeordneten Fuß. Friedhelm hat ihn selbst konstruiert und gebaut – picobello, natürlich.

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Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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