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Toyota

"Kümmern uns nicht um Trends"

Foto: Toyota 3 Bilder

 Toyota-Designchef Wahei Hirai erklärt im Interview, wie er japanische Originalität mit europäischem Denken verknüpfen will. 

06.12.2006

Der VW Golf-Konkurrent Toyota Corolla galt als Biedermann seiner Klasse. Dieses Image wollen Sie mit dem Nachfolger Auris ändern. Wie?

Hirai:
Um den europäischen Geschmack besser zu treffen, haben wir uns bemüht herauszufinden, was positiv ist für das Image japanischen Designs. Wir nennen diese Untersuchung den J-Faktor, wobei J für japanischen Stil steht. Dieser J-Faktor ist praktisch die DNA des Toyota- und Lexus- Designs.

Was bedeutet das konkret?

Hirai: Wir unterscheiden zwischen JOrigin als Einfluss der japanischen Tradition und J-Tech als Reverenz an die Moderne. Wir wollen nicht einfach nur die Oberflächen wie ein High-Tech-Stylingelement formen. Wir wollen viel tiefer gehen und eine eigene Identität finden.

Aber diese Identität muss japanisch sein.

Hirai: Exakt. Der J-Faktor beinhaltet eine weitere typische japanische Eigenschaft. Wir bemühen uns, auch absolute Gegensätze zu integrieren. Statt eines Konflikts oder eines Kompromisses lieben wir Japaner den Weg der Harmonie. Dann passen zum Beispiel auch italienische Spaghetti zu einem traditionellen japanischen Fischgericht. Schmeckt wirklich gut. Der Hybridantrieb ist auch ein passendes Beispiel: Das sind zwei total unterschiedliche Antriebskonzepte, die aber in bestimmten Fahrsituationen sehr gut zusammenarbeiten.

An welchen Stellen verkörpert denn der Auris den J-Faktor?

Hirai: In seinem perfekten Ungleichgewicht, was ja auch schon nach einem Gegensatz klingt. Der Auris hat perfekte Proportionen, aber es sind nicht die, die man typischerweise von einem Steilheckmodell erwartet. Dazu betonen wir jedes einzelne Element, integrieren es aber gleichzeitig in eine gemeinsame Architektur. Die Oberflächen sollen zunächst einfach wirken, aber wenn man genau hinschaut, erkennt man die Komplexität.

Sehen Sie in dieser Strategie einen neuen Trend?

Hirai: Wir kümmern uns nicht um Trends, nicht um rundes oder organisches Design. Die Basis unserer Strategie ist der J-Faktor.

Der Auris wurde in Ihrem Designstudio in Nizza kreiert. Beschäftigen Sie dort viele japanische Designer?

Hirai: Dort arbeiten ganz unterschiedliche Nationalitäten zusammen, und jeder Designer hat seine persönliche Vorstellung vom J-Faktor, die wir intensiv diskutieren. Kennen Sie die japanischen Duschtoiletten? Für uns sind die ganz normal. Aber ich habe einen französischen Freund, für den war das etwas absolut Ungewöhnliches, als er das erste Mal in Japan war. In solchen Gesprächen lernen Sie so viel darüber, was japanische Originalität ist und wie der J-Faktor das Design beeinflussen kann.

Glauben Sie denn, dass das japanische Design ein eigenes Image hat?

Hirai: Wir müssen eines haben. Wichtig ist, sich tief mit den Werten eines Designs auseinanderzusetzen anstatt nur mit der Oberfläche zu arbeiten. Deshalb beschäftigen wir uns auch so intensiv mit den Proportionen eines Autos. Das C-Segment, in das der Auris zielt, ist ein umkämpfter, eng besetzter Markt. Da ist die Proportion ein wichtiges Stilmittel, um sich eine eigene Identität zu verschaffen und sich von der Konkurrenz zu unterscheiden.

Der Auris ähnelt dem Yaris. Ist das Absicht?

Hirai: Nachdem wir den Yaris gestaltet hatten, haben wir auf dessen Basis diese Designstrategie entwickelt. Das Auto ist ebenfalls sehr kompakt und hat trotzdem genügend Platz im Innenraum. Es ist hoch, so dass auch die Passagiere eine sehr hohe Sitzposition haben. Aber dadurch, dass die Technik insgesamt kleiner baut als früher, konnten wir Länge einsparen. Wir wollen auf möglichst kleiner Fläche so geräumig wie möglich sein.

Fahren Sie jetzt für die gesamte Marke eine einheitliche Strategie?

Hirai: Wir haben innnerhalb der Marke Toyota mehr als 90 verschiedene Karosserien. Manche sind sehr innovativ wie der RAV4, der Previa´und der Yaris. Aber da wir so viele Modelle haben, kann niemand genau sagen, was typisches Toyota-Design ist. Deshalb haben wir jetzt Modell-Gruppen gebildet und festgelegt, wen wir damit ansprechen wollen: die jüngere Generation oder ältere Kunden zu Beispiel. Dadurch wird auch klarer, was Toyota- Design wirklich ist.

Früher sah jeder neue Toyota komplett anders aus als der Vorgänger. Brauchen Sie jetzt ein Familiengesicht?

Hirai: Es ist wichtig, eine Familienidentität zu haben. Fürs Design ist es nicht so entscheidend, dass alle Autos den gleichen Grill haben. Unser Ziel ist, dass die Leute die Modelle als Toyota erkennen, auch wenn sie sich an der Front unterscheiden.

Viele Ihrer Konkurrenten wollen so sportlich wie möglich sein. Ist das auch Ihr Ziel?

Hirai: Es gibt ja sehr unterschiedliche Sportrichtungen. Welche meinen Sie? Etwa Yoga? Für uns ist Understatement wichtig. Wir wollen vor allem nicht zu aggressiv sein. Wenn die europäischen Kunden aggressiveres Design bevorzugen würden, müssten wir vielleicht auch in diese Richtung gehen. Aber ich will nicht einfach das Gleiche designen wie die Konkurrenz. Wir müssten dann einen eigenen Weg gehen.

Japaner lieben jede Form des elektronischen Spielzeugs, auch im Auto. Da integrierte Systeme schnell veralten, gibt es in Japan mittlerweile rollende Autoboxen, in die sich portable Systeme integrieren lassen. Ist das ein neuer Trend?

Hirai: Ja. Diese jungen Leute mögen es nicht, wenn wir zu viel für sie designen. Sie wollen sich die Autos selbst einrichten und große Lautsprecher darin installieren, um Musik zu hören.

Das ist aber nicht gut für Ihren Job.

Hirai: Nun, es möchte ja nicht jeder so ein Auto haben.

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