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Tracktest VW Scirocco Cup

Rennsport mit grünem Gewissen

Tracktest VW Scrirocco Cup 22 Bilder

Seit 2010 startet der Volkswagen Scirocco Cup mit alternativem Antriebskonzept. Bis heute ist das grüne Markenpokal-Konzept einzigartig. sport auto hat auf dem Lausitzring den Selbstversuch gemacht und ist ins Cup-Cockpit des 285 PS starken Eco-Renners geklettert.

18.10.2012 Christian Gebhardt Powered by

Der Zeiger des Drehzahlmessers schlackert nervös um 4.500 Touren. Bellend dröhnt das hochgezüchtete Aggregat mit der Rennauspuffanlage um die Wette. Start frei zum Scirocco R-Cup. Wie ein wildes Raubtier springt der heißgemachte Scirocco nach vorne. Links, rechts, überall Scirocco, es geht so eng zu wie zur Rushhour in Manhattan, nur das die dicht gedrängte Meute hier nicht im Schritttempo, sondern mit 180 km/h auf die enge Links am Ende der Start-Ziel-Geraden des Eurospeedway Lausitzring zufliegt. Scirocco Cup hat Tradition. Schon in der Premierensaison eines Volkswagen-Markenpokals wurde im Jahr 1976 ein Scirocco als Rennfahrzeug genutzt.

Rennsport mit Erdgas, aber höherer Motorleistung

Der Scirocco I ist längst Geschichte, heute zählt moderne Technik. Hauptunterscheidungsmerkmal im Vergleich zum Serien-Scirocco R ist der Einsatz von Bioerdgas, auch CNG (Compressed Natural Gas) genannt, als Kraftstoffquelle. Als Antrieb kommt im Cup Scirocco ein Reihenvierzylinder-Turbomotor mit zwei Liter Hubraum zum Einsatz. Das für den Motorsporteinsatz modifizierte Triebwerk greift dabei auf den TSI-Motor zurück, der auch im Serienfahrzeug genutzt wird. Im Cup-Scirocco leistet das Aggregat bis zu 285 PS. Dass man in einem Fahrzeug mit alternativem Kraftstoff sitzt, merkt man nicht. Die Cup-Abgasanlage brüllt, der Turbomotor grummelt und pfeift vergnügt wie im Serien-Scirocco-R. Der leergeräumte und von Dämmmaterialien befreite Innenraum, eine Karbon-Motorhaube und Makrolonscheiben reduzieren das Gewicht des Rennwagens. Das Mindestgewicht des Fahrzeugs inklusive Fahrer und dessen Ausrüstung beträgt 1.290 Kilogramm. Dank des geringeren Gewichts und der Extraleistung stürmt der Cup-Bolide noch schneller vorwärts als der ohnehin im Serientrimm nicht schwachbrüstige Scirocco R mit 265 PS. Lediglich ein etwas schlechteres Startverhalten als mit Ottokraftstoff ist zu verzeichnen.

Boost-Knopf und Push-to-pass für spannenden Motorsport

Für den CNG-Betrieb werden Edelstahlrohre und Spezialventile verwendet, die auch in VW-Serienmodellen mit Erdgas-Antrieb zum Einsatz kommen. Die Systemdrücke von rund 200 bar liegen auf Serienniveau. Der Tank aus Verbundwerkstoff sitzt direkt hinter dem Fahrersitz und wird durch den Rohrrahmenkäfig geschützt. Das Fassungsvolumen liegt bei 22 Kilogramm Bioerdgas, was rund 35 Litern herkömmlichen Kraftstoffs entspricht. Ein weiterer technischer Unterschied zum Serienfahrzeug ist das sogenannte Push-to-pass-System. Über einen Knopfdruck am Lenkrad kann kurzzeitig etwas mehr Motorleistung und Drehmoment abgerufen werden. Bereits vor Training und Rennen werden die Piloten gefordert und müssen sich je nach Streckenverlauf eine Push-to-pass-Taktik zurechtlegen. Um das Rennen noch spannender zu gestalten, erhalten die Hinterbänkler mehr Push-to-pass-Möglichkeiten als das vordere Feld.

Scirocco-Cupfahrzeug mit seriennaher Technik

Klick, klick, klick, dritter, vierter, fünfter Gang. Geschaltet wird auch im Cup-Auto mit dem Serienlenkrad samt Schaltwippen. Ohne Zugkraftunterbrechung wechselt auch hier ein serienmäßiges Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe die Fahrstufen. Die Technik ist seriennah, bis auf den Frontstabilisator und den Luftdruck darf an den Cupfahrzeugen nichts verändert werden. So spielt vor allem der Luftdruck eine entscheidende Rolle. Um das Heck des Fronttrieblers möglichst agil zu machen, pumpen die Cup-Fahrer den Luftdruck der Dunlop-Slicks zum Teil bis auf vier bar an der Hinterachse auf, während vorne nur rund zwei bar Luftdruck gefahren werden. Agil lenkt der Cup-Scirocco ein und stempelt in langgezogenen Kurven forsch mit dem Heck. Das mitlenkende Heck sorgt auch im Fronttriebler für jede Menge Fahrspaß. Trotzdem gilt es dabei auch die Reifen zu schonen - pro Rennen und Fahrer sind maximal sechs neue Slick-Reifen zugelassen.

Im Scirocco Cup zählt neben Können auch Disziplin

Doch im Scirocco R-Cup geht’s nicht nur ums Fahren. Im VW-Markenpokal werden die Nachwuchsfahrer nicht auf, sondern auch abseits der Strecke auf Disziplin getrimmt. Wer zu den zahlreichen Fahrerbesprechungen zu spät kommt, muss zahlen: „Dann gibt es 90 Euro Strafe. Vor allen anderen Fahrern muss die Rechnung unterschrieben werden. Aber im Scirocco-Cup sind alle schon sehr diszipliniert, wenn man das früher mit dem Polo-Cup vergleicht“, sagt Chefinstruktor Benedikt Darrelmann. Der ehemalige Polo-Cup-Pilot fungiert seit Jahren quasi als Lehrer für die Motorsport-Schüler.
 
Schürzen bersten, Außenspiegel fliegen, auch bei unserem Gastspiel am Lausitzring regiert knallharter Cup-Alltag, vor allem in der Anfangsphase des Rennens nach traditionell stehendem Start. Geschenke bereiten sich die Fahrer auch hier nicht, doch im Vergleich zu anderen Markenpokalen ist die Gangart meistens von Fairness geprägt. Das fahrerische Niveau ist sehr hoch, das ganze Fahrerfeld trennen keine zwei Sekunden. Dabei achten die Cup-Macher auch auf fahrerische Disziplin und den schonenden Umgang mit dem Material.„Wer sich das Fahrwerk kaputt fährt, bekommt eine große Rechnung. Nicht über die Kerbs räubern, das ist kein Rallye-Auto“, sagt Hans Top, der die Leitung über alle Rennmechaniker hat, die die Cupfahrzeuge zentral vorbereiten.

2013 noch Scirocco, ab 2014 dann mit neuem Cup-Modell

Einzigartiges Merkmal des Scirocco Cups ist auch die Legenden-Wertung. Neben Nachwuchsfahrern nehmen an jedem Rennlauf auch prominente Gastfahrer teil. Dazu zählen nicht nur aktive oder ehemalige Motorsport-Legenden wie Frank Biela, Mika Salo, Markus Winkelhock oder Christian Danner, sondern auch Skispringer wie Sven Hannawald oder ehemalige Fussballprofis wie Karl-Heinz Riedle und Andreas Brehme. 2013 geht der Scirocco-Cup in seine letzte Saison, doch auch 2014 soll der Markenpokal-Motorsport bei Volkswagen weitergehen - dann aber wohl mit einem anderen Modell. Gerüchten zufolge soll das Cup-Rennauto möglichweise auf dem jüngst angelaufenen Golf VII basieren und über einen Hybrid-Antrieb verfügen.

Finale im DTM-Rahmenprogramm

Großes Saisonfinale in Hockenheim: Auf der badischen Formel-1-Strecke trägt der Volkswagen Scirocco R-Cup am 20. Oktober 2012 sein zehntes und letztes Rennen des Jahres aus.

Alle Rennen des Volkswagen Scirocco R-Cup können auch per Livestream in der iPhone-App oder im Internet angesehen werden; wahlweise mit englischem oder deutschem Kommentar. Unter www.volkswagen-motorsport.com/livestream wird die Renn-Action übertragen.

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