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Bart Holland

Tradition Verpflichtet

Foto: Beate Jeske 10 Bilder

Vor 31 Jahren gründete Bart Holland seine Restaurierungswerkstatt. Damit gehört der Niederländer zu den traditionsreichsten Unternehmern in der Oldtimer-Branche.

19.12.2007 Ulrich Bethscheider-Kieser Powered by

Der Mann schätzt alte Werte. Vorsichtig, aber bestimmt greift Bart Holland zur Schublade des kleinen Beistelltisches in seinem Büro und zieht sie auf. "Wie oft habe ich als Kind diese Besteckschublade geöffnet", erinnert sich der 61- Jährige. Der kleine Holztisch ist nicht das einzige antike Stück in seinem Büro. Ein Gobelin hinter dem schweren Schreibtisch und ausladende Sofas in der benachbarten Bibliothek bringen ein Gefühl für Stil und Werte zum Ausdruck.

Durch die Bibliothek in die Werkstatt

Dass Bart Holland einen Betrieb für Oldtimer führt, wird so auf den ersten Blick gar nicht deutlich. Die Besucher gelangen nämlich zuerst in die Bibliothek, die durchaus Züge eines Wohnzimmers trägt. "Sie ist das Herz des Betriebs und deshalb in der Mitte des Gebäudes angeordnet", erklärt Holland. Von den gemütlichen Sofas aus erlaubt sie einen Blick auf die eine Etage tiefer gelegene Werkstatt.

Bereits vor 31 Jahren hat Holland seine Firma gegründet - damit gehört der Restaurierungsbetrieb zu den ältesten Unternehmen in der Oldtimer-Branche überhaupt. Der berufliche Weg Hollands führte indes keineswegs direkt zu klassischen Autos. Vielmehr war Holland zunächst Musiker. "Schon als Kind habe ich Stücke komponiert", erzählt er. Später tingelte er mit einer Band um die ganze Welt, spielte Piano, Saxophon und Gitarre. "Jeder will die Arbeit machen, die wie eine Jacke passt", philosophiert Holland. Nach 13 Musikerjahren stand für ihn jedoch ein Kleiderwechsel an. Der erste eigene Klassiker, ein Morris Bullnose, ebnete den Weg zur Restaurierungswerkstatt.

Holland machte den Morris in der neu gegründeten Werkstatt wieder flott - und hielt ihm die Treue. Den kleinen Vorkriegs- Briten besitzt er noch immer, er hat ihn in seinem Ferienhaus im französischen Lothringen untergestellt. Diesen alten Familien- Urlaubssitz bewahrt Holland übrigens ebenso wie den Tisch mit Besteckschublade - traditionsbewusst eben.

Erste Werkstatt in der Kirche

Stil und Tradition kennzeichnen auch den Ort, an dem Holland vor 31 Jahren seinen Restaurierungsbetrieb gründete: Er war in einer ehemaligen Kirche in Bodegraven zwischen Rotterdam und Utrecht untergebracht, in die drei Etagen eingezogen worden waren. Gut 19 Jahre blieb Holland in der Kirche, anschließend bezog er ein neueres und größeres Firmengebäude in Boskoop, wenige Kilometer vom früheren Standort entfernt.

"Die Kirche ist mittlerweile abgerissen worden, aber Gott habe ich mitgenommen", sagt er mit einem verschmitzten Lächeln, bei dem die Augen hinter der runden Brille keck funkeln. An Humor scheint es dem Niederländer nicht zu mangeln. Als er 2006 mit einem Peugeot 203 Camionette an der 2.000-Kilometer-Fahrt durch Deutschland teilnahm, tanzte er allabendlich zur Freude der Zuschauer landesgemäß in Holzschuhen um seinen Klassiker. Und herzhaft lachen muss er, wenn sein Name wieder einmal für Irritationen sorgt und er fälschlicherweise als "Herr Bart aus Holland" vorgestellt wird.

Ganz ernst wird Bart Holland aber, wenn es um seine Qualitätsansprüche bei einer Restaurierung geht. "Ich will, dass so viele Teile wie möglich wieder verwendet werden", sagt er. "Aber das Auto muss so gut wie neu werden."

Per Internet die Restaurierung des eigenen Klassikers verfolgen

Wenn die umfangreiche Bibliothek nichts über ein zu restaurierendes Auto hergibt, wird kurzerhand alles Greifbare an Dokumentationen angeschafft.

Damit die gedruckten Schätze ohne Makel erhalten bleiben, arbeiten die 21 Mitarbeiter nur mit Kopien oder eingescannten Buchseiten. Jedes Buch und jede Bedienungsanleitung sind elektronisch erfasst. Moderne Technik nutzt Holland auch im Kontakt mit den Kunden. "Jeder Kunde bekommt via Internet Zugriff auf einen persönlichen Bereich, in dem wir Fotos der Restaurierung hinterlegen", erklärt er. So kann sich jeder per Mausklick ein aktuelles Bild vom Fortgang der Restaurierung seines Autos machen.

Die eisernen Grundsätze, die jeder beachten sollte

Das hat seinen Preis. "Ich gebe den Kunden immer ein paar Grundsätze auf den Weg: Es dauert länger als gedacht, es kostet mehr als erwartet, und man bekommt das investierte Geld nie wieder zurück." Eine perfekte Restaurierung, glaubt er, kostet 100.000 Euro - ganz egal, um welchen Fahrzeugtyp es sich handelt.

Tatsächlich scheint der Marktwert eines Autos für viele Kunden Hollands keine große Rolle zu spielen. In der Werkstatt tummeln sich keineswegs nur Hochkaräter. Ein Kunde ließ einen kleinen NSU Prinz restaurieren, ein anderer einen braven 220er-Mercedes Heckflosse. Beide stehen heute da, als wären sie geradewegs aus der Neuwagenproduktion gerollt. "Es sind die Emotionen, die entscheidend sind", weiß Holland. Aus diesem Grund ließ ein Kunde den VW Käfer seiner Mama ohne Rücksicht auf den Marktwert perfekt restaurieren. Für einen Liebhaber aus Russland wird gerade ein Mercedes 560 SEC wieder in Neuzustand versetzt - obwohl dieser Youngtimer durchaus in guter Qualität auf dem Gebrauchtmarkt zu finden wäre. Aber dieser 560er hat eben seine spezifische Familiengeschichte - und der Kunde die entsprechenden Mittel.
Weil es an diesen aber bisweilen hapert, hat Bart Holland vor mehr als zehn Jahren eine Art Baukastensystem entwickelt. Er nennt es Step-by-Step-System und will Kunden damit die Möglichkeit bieten, eine Restaurierung in einzelnen Etappen durchzuführen. Für eine Komplettrestaurierung sind 15 Schritte vorgesehen. Hinzu kommt, dass zahlreiche Arbeiten zum Festpreis angeboten werden. Holland glaubt: "Wenn man ein Auto mag, darf die Restaurierung auch mal sechs Jahre dauern."

Hollands Alltagsauto: Bentley R-Type

Traditionsbewusstsein beweist er auch bei der Wahl seines eigenen Fahrzeugs. Als Alltagsfahrzeug dient ihm ein Bentley R Type von 1953, der vor 15 Jahren komplett restauriert wurde. Holland freut sich nicht nur über die problemlosen Alltagseigenschaften der feudalen britischen Limousine. Wie jener kleine Beistelltisch mit Besteckkasten weckt auch der Bentley bei ihm ganz persönliche Kindheitserinnerungen.

"Dieses Auto gehörte meinem Onkel", blickt Holland in die Vergangenheit zurück und fährt mit der Hand behutsam über den schwarzen Kotflügel. "Schon als Siebenjähriger habe ich dringesessen und den Geruch von Holz und Leder genossen." Zweifelsohne Werte, die Bart Holland auch heute noch schätzt.

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