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Transrapid zu verkaufen

Jeder kann auf gebrauchte Magnetschwebebahn bieten

Transrapid Foto: Thyssenkrupp AG 10 Bilder

Er galt als Technologie-Vision, die eine neue Ära des Bahnfahrens einleiten sollte: der Transrapid. 1979 als Prototyp vorgestellt, verscherbelt der Bund jetzt ein Vorserienmodell der letzten Transrapid-Generation.

10.10.2016 Gregor Hebermehl 1 Kommentar

Der von der Siemens AG und der ThyssenKrupp Transrapid GmbH entwickelte Transrapid schaffte es bisher nur in China in den Regelbetrieb zu gehen: Seit 2004 verkehrt die Magnetschwebebahn zwischen Shanghai und dem Flughafen Pudong. Viele weitere Transrapid-Projekte wurden nach verschieden langen Planungsphasen abgebrochen. Ein Grund sind die erwarteten hohen Kosten. Dies könnte sich jetzt einmalig ändern: Ein kompletter aus drei Sektionen bestehender Transrapid 09 (TR 09) steht zum Verkauf.

TransrapidFoto: Thyssenkrupp AG
Wer will einen echten Transrapid kaufen? Jetzt ist einer zu haben.

Dieses Mal keine Militärtechnik

1643270 lautet schlicht die Ausschreibungsnummer, unter der die VEBEG den Zug anbietet. Die Vebeg GmbH wurde 1951 unter dem Namen „Verwertungsgesellschaft für Besatzungsgüter“ gegründet und ist heute eine bundeseigene Treuhandgesellschaft, die unter anderem ausgemustertes Eigentum des Bundes verkauft. Über die Hälfte der von der VEBEG verkauften Güter sind ausgemusterte Bestände der Bundeswehr.

Doch jetzt ist im Auftrag des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) auch ein echter Transrapid im Angebot. Städte, Gemeinden, Firmen oder Privatpersonen – jeder kann zuschlagen. Allerdings weist die VEBEG ausdrücklich darauf hin, dass Fahrweg, Betriebsleitstand und Software nicht Teil der Ausschreibung sind. Es ist also fraglich, ob der neue Eigentümer seinen frisch erworbenen Transrapid überhaupt in Betrieb nehmen kann – wenn er es denn möchte.

Schließlich bietet die VEBEG den TR 09 auch zerpflückt an: Los eins enthält eine Endsektion und das Mittelteil des Zuges, Los zwei die andere Endsektion und nur über Los drei kann der komplette Transrapid erworben werden. Eine Besichtigung des Zuges ist am 11. und 12. Oktober 2016 um 9:00 Uhr möglich, wobei die Anmeldefrist zur Besichtigung bereits abgelaufen ist.

Ort der Besichtigung ist die Transrapid Versuchsanlage Emsland (TVE) in der Hermann-Kemper-Straße 23 in 49762 Lathen. Gebote können nur über einen Gebotsschein abgegeben werden, ein Online-Bieterverfahren ist nicht vorgesehen. Die Gebote müssen bis zum 25. Oktober 2016 um 13:00 Uhr im Frankfurter Büro der VEBEG vorliegen.

TransrapidFoto: Thyssenkrupp AG
Die bundeseigene Treuhandgesellschaft Vebeg verkauft einen für den Regionalverkehr optimierten Transrapid.

Seit fünf Jahren auf dem Abstellgleis

Am Ende wird der Kaufpreis entscheiden, ob hier ein Stück in Deutschland möglicherweise an der Marktrealität vorbei entwickelte Hochtechnologie einfach nur verscherbelt wird – der Bund sieht ganz offensichtlich keinen Bedarf mehr an dem Vorserien-Zug. Dabei sind dessen Werte beeindruckend: Die drei Segmente sind druckdicht miteinander gekoppelt und der Zug schafft eine Spitzengeschwindigkeit von 500 km/h. Als Betriebsgeschwindigkeit für den dank extra breiter Türen auf Regionalverkehr optimierten Transrapid der Baureihe 09 sind 400 km/h angegeben.

Der Zug wurde 2007 gebaut und bereits 2011 wieder außer Dienst gestellt. Seine Gesamtlänge beträgt fast 76 Meter, er ist 3,70 Meter breit und 4,25 Meter hoch. Knapp 170 Tonnen bringt der zum Teil aus Aluminium bestehende TR 09 auf die Waage. 156 Sitzplätze bietet der komplette Zug, maximal sollen 449 Personen im zum Verkauf stehenden Transrapid Platz finden.

TransrapidFoto: Thyssenkrupp AG
Der zum Verkauf stehende Transrapid ist bis zu 500 km/h schnell und für eine Reisegeschwindigkeit von 400 km/h ausgelegt.

„Weiterer Betrieb“ nicht als Verwendungszweck vorgesehen

Die im Zug verbauten Batterien sind laut Anbieter tiefentladen. Sollte ein Käufer die Absicht haben, den TR 09 außerhalb der Europäischen Union zu verwerten oder zu nutzen, muss dem ThyssenKrupp gesondert zustimmen. Beim vorgesehenen Verwendungszweck kann der Bieter auf dem Bieterschein zwischen „zur weiteren Verwendung“, „zur Ersatzteilgewinnung“, „zu Präsentationszwecken“, „zur stofflichen Verwertung“ und „andere Verwendung“ wählen. Fahrwegelemente aus Stahl kann der Käufer genauso wie Transportzubehör bei ThyssenKrupp erwerben, andere Hersteller bieten Fahrwegelemente aus Beton an.

Auf den Fotos macht zumindest das Passagierabteil den Eindruck, als wenn es noch in einem recht guten Zustand sei – es ist spannend, wo und als was dieses teuer entwickelte Stück Transporttechnik endet.

Hier geht es direkt zum Transrapid-Bieterschein. Aber Vorsicht: Um den Abtransport des Transrapid hat sich der Käufer selbst zu kümmern.

Neuester Kommentar

Es tut einem in der Seele weh, was die Regierung da verscherbelt,
die Möglichkeit große Städte in Europa zu verbinden wurden vertan
stattdessen wurde Technologie eingesetzt, die längst überholt ist.

Wowire 18. Oktober 2016, 13:49 Uhr
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