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Nordschleife-Testfahrer

Traumjob Testfahrer in der grünen Hölle

Nordschleife-Testfahrer Foto: press-inform 12 Bilder

Dirk Schoysman testet für die Automobilindustrie auf der Nordschleife und kennt die legendäre Rennstrecke nach 14.000 Runden in- und auswendig. Schnelle Rundenzeiten sind bei der Arbeit des freiberuflichen Kilometerfressers jedoch Nebensache.

11.11.2009

Es sind nur 73 Kurven, doch für manchen bedeuten sie die ganze Welt. Noch nachts im Bett beten Nordschleifen-Fans das Ideallinien-Mantra und träumen von heißen Reifen im Karussell, maximalem Pulsschlag im Schwedenkreuz und dem Geschwindigkeitsrausch auf der Döttinger Höhe. Und sie würden sich wahrscheinlich alle zehn Finger danach lecken, ihren Arbeitsplatz mit dem von Dirk Schoysman zu tauschen. Denn der Belgier hat schon mehr als 14.000 Runden auf der Nordschleife absolviert, meist am Steuer von geheimen Prototypen, Rennfahrzeugen und PS-starken Sportwagen.

Heute werden fast nur noch Sportwagen auf der Nordschleife getestet

"In jeder Test-Woche kommen gut 100 Runden dazu", schätzt Schoysman. Es dürfte nur wenige Fahrer geben, die öfter als er die 20,8 Kilometer lange Grüne Hölle durchquert haben. Viele hundert verschiedene Autos vom Kleinwagen bis zum Supersportler hat Schoysman schon über die Nordschleife gejagt. Auch wenn die Ingenieure der Autohersteller viele Test- und Abstimmungsfahrten selbst unternehmen, haben sie kaum Zeit für Dauertests über tausende Kilometer. Dann werden häufig externe Fahrer gebucht. "Vor einigen Jahren hat man auch noch ganz normale Autos auf der Nordschleife (die Könige der Nordschleife) getestet, heute sind es fast nur noch Sportwagen," sagt Dirk Schoysman. Er gehört seit Ende der 90er Jahre zu einer kleinen Gruppe freiberuflicher Test-Piloten, denen Nissan, Jaguar, Aston Martin und Co. ihre teuren Prototypen und mit Elektronik voll gestopften Dauertestfahrzeuge anvertrauen. Auch Chassis- und Reifentestes (so testet auto motor und sport Reifen) führt der Belgier durch. 

Unzählige Runden im Nissan GT-R

1987 fing er bei Nissan an und testet noch heute für die japanische Marke. Im neuen Nissan GT-R hat Schoysman unzählige Runden gedreht und war an den Rekordfahrten beteiligt, auch wenn Nissans japanischer Cheftester bei der entscheidenden Runde selbst hinterm Steuer saß. Schoysmans Spezialgebiet sind Fahrwerksabstimmung, Reifentests und Dauerläufe. "Am liebsten mache ich Fahrwerksabstimmung. Das Thema hat in den vergangenen Jahren nicht zuletzt wegen ABS und ESP stark an Bedeutung gewonnen", so der Testfahrer. Wenn er an den neuen Nissan GT-R denkt, erlaubt sich der analytisch denkende Profi ein wenig Emotion: "In diesem Wagen steckt schon ein kleines Stück von mir drin." Es begeistere ihn immer wieder, "wie früh man nach der Kurve mit diesem Auto wieder Gas geben kann."

Schoysman sitzt für Manthey im Porsche
 
Schoysman ist aktiver Rennfahrer, saß für das Manthey Porsche-Team beim 24-Stunden-Rennen im Cockpit und ist auch 2010 wieder beim Rennen dabei. Ob Regen, Nebel, Tag oder Nacht und zur Not auch auf drei Rädern wie bei einem Rennen im Jahr 1996 geschehen - der schnelle Belgier hat alle Tücken der Grünen Hölle kennen gelernt. Rundenzeiten deutlich unter acht  Minuten sind für ihn kein Problem, doch Zeiten und Geschwindigkeiten sind für seinen Job nur selten entscheidend. "Um ein guter Testfahrer zu sein, muss man das fahrdynamische Verhalten eines Autos und eines Reifens analysieren und beschreiben können. Außerdem geht es darum, eine Runde genauso gleichmäßig zu fahren wie die vorherige - nur dann kann man kleine Unterschiede im Set-Up des Fahrzeuges wirklich entdecken und beurteilen", erklärt der Testfahrer.

Aufdringliche Paparazzi und schlechte Touristenfahrer
 
Mit welchen Prototypen er zurzeit unterwegs ist, verrät Schoysman nicht - Berufsgeheimnis. An die Paparazzi auf der Nordschleife hat er sich gewöhnt, auch wenn einige davon mittlerweile sehr aufdringlich geworden seien: "Wenn man irgendwo anhält oder in die Boxengasse fährt, kommen manche buchstäblich mit der Kamera gegen die Scheibe. Das finde ich ziemlich unfair", erzählt der Testfahrer. Seine allererste Runde auf der Nordschleife drehte Schoysman vor vielen Jahren mit dem Peugeot 205 GTI eines Freundes. "Da kannten wir uns noch nicht aus und sind sehr vorsichtig gefahren", erinnert sich der Belgier, der zu dieser Zeit bereits im Kart-Rennsport aktiv war. Schon damals lernte Schoysman das Chaos kennen, das im Touristenverkehr auf der Nordschleife herrscht: "Es gibt natürlich auch gute Fahrer, aber viele haben keine Ahnung von ihrem Auto und geben einfach nur Gas. Und sogar erfahrene Leute unterschätzen manchmal die Kurven. In einem VW Golf GTI mögen die noch gut unterwegs sein, aber wenn sie plötzlich in einem Porsche GT3 sitzen, wird es kritisch. Selbst 20 Km/h Geschwindigkeitsunterschied machen auf dieser Strecke sehr viel aus", weiß der Testfahrer.

Die beste Runde auf der Nordschleife ist noch nicht gefahren

Selbst nach unzähligen Runden auf dem legendären Eifel-Parcours fasziniert Schoysman die Nordschleife (alle Gewinner vom Nürburgring) noch immer. Auf die Frage, welche Runde ihm als die beste in Erinnerung geblieben ist, muss er nur kurz nachdenken: "Ich glaube, die muss ich erst noch fahren."

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