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Großtaten der US-Hersteller

Die Drei von der Tankstelle

Chevrolet Camaro, 1974 Foto: press-inform 38 Bilder

Viele Trends kommen aus den USA. Das ist in der Mode nicht anders als bei Sportarten, bei Forschung ... und auch bei Automobilen. Seit Monaten kommen Chrysler, General Motors und Ford aus den Negativ-Schlagzeilen nicht mehr heraus. Dabei waren sie fast 100 Jahre eine der Innovationsquellen einer weltweiten Industrie und erfanden weit mehr als die stark kritisierten schweren Benzinschlucker.

14.05.2009

Wer in diesen Wochen die Nachrichten verfolgt, könnte glauben, die amerikanischen Autohersteller hätten seit Jahr und Tag auf Bäumen gelebt und abseits aller Gegebenheiten Autos am Markt vorbei produziert.

Die Realität sieht anders aus. Kaum eine andere Autoindustrie hat eine derart breit gefächerte Tradition. Auch wenn Deutschland als der schwerste Automobilmarkt der Welt gilt; der Megamarkt USA ist kaum weniger leicht zu verstehen. Die Innovationsfreude der drei großen US-Marken kannte über 100 Jahre kaum Grenzen.

Massenmobilisierung begann mit dem Ford Tin Lissy
 
Als Barack Obama kurz nach seinem Amtsantritt in deutschen Medien belächelt wurde, die Wiege der Automobilindustrie läge in den USA, so hatte der autoaffine US-Präsident keinesfalls komplett Unrecht. Jedoch hatte er die historischen Anfänge der Massenmobilisierung zugunsten der USA gewichtet. Denn der Ford Tin Lissy war Anfang des letzten Jahrhunderts das erste Auto, das kostengünstig auf dem Fließband gebaut werden konnte und so für breite Bevölkerungsschichten erschwinglich wurde. Als man bei der Ford Motor Company nahe Detroit im Jahre 1914 vom Manufakturbetrieb auf die Fließbandproduktion umstieg, sank der Kaufpreis eines T-Modells von knapp 900 US-Dollar auf weniger als die Hälfte.

In den USA ist alles ein bisschen größer

Technologisch sehen sich die deutschen Hersteller als Ursprung aller Automobilität. Da war die Einkaufsfahrt von Bertha Benz mit dem ersten Motorwagen, der Dauerläufer VW Käfer oder die Autobahnen, die Deutschland bis heute zum Staat der unbegrenzten automobilen Möglichkeiten gemacht haben. Doch als man in deutsche Landen mit Fahrzeugen wie dem VW Käfer untermotorisiert und Boxer-befeuert von Wolfsburg ins Münsterland tuckerte und das Wirtschaftswunder feierte, blubberten zwischen Los Angeles und Chicago bereits gigantische US-Schlitten über endlose Highways. In den Vereinigten Staaten war eben alles schon immer etwas größer. Gigantische Limousinen, sportliche Edelcoupés oder grandiose Cabriolets boten den Insassen einen Luxus, an dem man in Europa allenfalls aus muffigen Kinosesseln teilhaben konnte.

Fensterheber, Schiebedächer und Klimaanlage in den USA sehr früh als Standard
 
In bekannten Streifen aalten sich US-Sternchen auf weichen Ledersitzen mit elektrischer Verstellung, genossen die Annehmlichkeiten von pneumatischen  Fensterhebern oder Schiebedächern, während sich Papa in seinem alten Opel Rekord im Sommer eine Sehnenscheidenentzündung vom Kurbeln holte. In europäischen Gefilden wurden die Fenster bei der Fahrt in Sommerurlaub mit Handtüchern verhängt, um den Innenraum zu kühlen. In den USA fuhren die Autos bereits in den 60er und 70er Jahren mit sanft kühlenden Klimaanlagen und die Chauffeure ließen sich von einem Tempomaten das Gaspedal halten. Der heute längst etablierte Tempogehilfe feierte bei Chrysler vor über 50 Jahren seine Serienpremiere. 

Die Van-Wurzeln liegen in den USA

Die ersten Vans kamen ebenfalls in den 80er- und 90er-Jahren aus den Vereinigten Staaten. Der Chrysler Voyager gilt auf dem Vanmarkt bis heute als echtes Urgestein. Der erste Minivan von Chrysler prägte ein neues Fahrzeugsegment und behauptet sich seither mit Erfolg im Meer von Geländegängern und wild positionierten Crossovern. Im Jahre 1983 sah eine Amerikanerin auf einem Restaurant-Parkplatz in Houston ein extravagantes Auto. Eckig-modern gestylt, größer als ein Kombi, aber nicht zu sperrig, mit viel Platz und allerlei Komfort: Das schien das optimale Familienfahrzeug zu sein. "Was bitte ist das, und wo kann ich es kaufen?", wollte die Frau von den Insassen wissen. Die Chrysler-Manager, die mit dem frisch ausgelieferten Minivan zum Mittagessen unterwegs waren, grinsten über beide Ohren – und ahnten, was für einen Riesenerfolg der Wagen haben würde. Chryslers Minivan traf den Nerv der Baby-Boomer-Generation, die gerade fleißig dabei war, selbst Familien zu gründen. Ein Van war 1983 nichts Neues. Vorläufer wie der VW Bulli oder Ford Club Wagon waren im Prinzip Nutzfahrzeuge mit Fenstern.

Willys Jeep als Urahn der Geländewagen
 
Auch die Geländewagen haben ihren kriegerischen Ursprung in den USA. Der Willys Jeep galt im Zweiten Weltkrieg als unverwüstlich. Der Willys MB war noch lange nach dem Zweiten Weltkrieg so typisch für amerikanische GIs wie Kaugummi und Rock-and-Roll-Rhythmen. Dabei hatte das Militärfahrzeug keinerlei Komfortmerkmale. Die Sitze erinnerten an unbequeme Campingstühle, Türen oder Fenster fehlten gänzlich. Vor Regen schützte leidlich ein notdürftiges Zeltdach. Die Soldaten liebten den Willys Jeep trotz seiner harten Schale heiß und innig. Mit seinem zuschaltbaren Allradantrieb kam der 3,30 Meter kurze und 63 PS starke Klettermaxe überall durch und überwand Steigungen von 60 Prozent.

Der SUV wird geboren

Nicht weniger imposant war der Erfolg der Sport-Utility-Vehicle, kurz SUV. Geländewagen stammen aus Armee- und Nutzfahrzeugzeiten und wurden in den 60er Jahren eine Mischung aus komfortabler Reiselimousine, Kombi und Geländewagen. Den Anfang machte in den frühen 60ern zunächst der Jeep Wagoneer. Kurz danach folgen Ford Bronco und Chevrolet Blazer. Doch der echte SUV-Trend wurde in den 80ern und frühen 90er Jahren weltweit vom Jeep Grand Wagoneer und seinem Nachfolger Grand Cherokee begründet. Er war der erste Edel-Offorader mit großen Fähigkeiten im Gelände, Leistung satt und allem erdenklichen Komfort. Als man in Europa noch auf Limousinen und müde Kombis setzte, sorgten die modischen Allradler mit ihren V6- und V8-Triebwerken mit 3,7 bis 6,7 Litern Hubraum bereits für viel Aufsehen.

Der Ford Mustang als Vorbild für sportliche Coupés
 
Wenn es um sportliche Coupés geht, führt um den Ford Mustang kein Weg herum. 1964 vorgestellt war der der Inbegriff eines bezahlbaren Sportcoupés mit grandiosen Fahrleistungen. In den USA war der Mustang das erste Pony Car, dem später europäische Coupés wie der Opel Manta oder der Ford Capri hinterher eilten. Doch Ford brachte nicht nur dem Mustang das Traben bei, sondern hatte die Automobilwelt bereits in den 50er Jahren mit dem sportlich-eleganten Thunderbird in Verzückung versetzt. Bis in die 70er Jahre galt der T-Bird weltweit als das schönste Cabriolet überhaupt.

Die Corvette ist er amerikanische Ur-Sportwagen
 
Was den Deutschen ihr Porsche 911 oder den Italienern ein Ferrari, ist den Amerikanern ihre "Vette". Erstmals Mitte der 50er Jahre vorgestellt, ist die Corvette seit mehr als einem halben Jahrhundert eine der größten Sportwagenikonen der Welt. Ungemein sportlich, ungemein schnell und im Vergleich zu europäischen Konkurrenz stets bezahlbar. Ging es im Jahre 1953 bei gerade einmal 150 PS los, so leistet das aktuelle Topmodell Corvette ZR-1 620 PS und schafft mehr als 330 km/h Spitze. Kaum weniger sportlich ist die Geschichte des Dodge Charger, der bei uns durch eine Fernsehserie "ein Duke kommt selten allein" auch bei uns Ruhm und Ehren erlangte. Die beiden Dukes geben mit ihrem orangefarbenen Dodge Charger mächtig Gas und Boss J.D. Hogg schaut zusammen mit seinen dümmlichen Sheriffs wieder einmal dumm aus der Wäsche. Die US-Serie war weltweit ein Publikumsrenner. Hauptdarsteller war General Lee, ein 350 PS starker Dodge Charger.

USA als Pick-Up-Eldorado

Die USA sind der größte Pick-Up-Markt der Welt. Jahrelang waren Modelle wie der Ford F-150 oder der Chevrolet Silverado von den ersten Plätzen der Zulassungsstatistik nicht wegzubekommen. Was in den 40er Jahren als reines Nutzfahrzeug für Farmer und Gewerbetreibende begann, wurde im Laufe der Jahrzehnte zum praktischen Trendmobil. Komfortable Kabinen, kräftige V8-Triebwerke sowie üppige Trag- und Anhängelasten sorgen dafür, dass die Pick-Ups von Chrysler, General Motors und Ford zu absoluten Bestsellern wurden – längst nicht nur auf dem Land.

Autolegenden und Hybrid-Antrieb
 
Der amerikanische Automarkt ist reich an Autolegenden: Von dem schwarzen Ford T-Modell über den unvergessenen Cadillac Eldorado, weich gezeichnete  Thunderbirds bis zu Sportwagen wie der Corvette oder der Ford Mustang. Dodge gilt als eine der Marken mit dem größten Einfluss auf den US-Markt. Doch auch wenn ein Challenger durch die sensationelle Verfolgungsjagd mit einem Ford Mustang in dem Streifen "Bullit" Filmgeschichte geschrieben hat: Eines der schärfsten US-Autos aller Zeiten ist der Dodge Charger. Und die Historie der amerikanischen Fahrzeugtrends setzt sich fort. Auch wenn Hybridfahrzeuge zunächst von asiatischen Herstellern in den Markt gebracht wurden. Der Trend wurde ebenfalls in den USA geboren. Bleibt abzuwarten, wohin die Zukunft der großen drei US-Automobile führt.

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