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Oldtimer-Reise Piemont

Foto: Matthias Runar 15 Bilder

Die Oldtimer-Trips des Messe-Meisters Karl-Ulrich Herrmann sind Entspannungsbäder für die Autofahrer-Seele: Zwischen klassischer Kultur und urgemütlicher Kulinarik geht es zum Beispiel durchs Piemont.

18.04.2008 Malte Jürgens Powered by

Die Oldtimer-Trips des Messe-Meisters Karl-Ulrich Herrmann sind Entspannungsbäder für die Autofahrer-Seele: Zwischen klassischer Kultur und urgemütlicher Kulinarik geht es zum Beispiel durchs Piemont.

Das Wichtigste steht auf Seite drei des kleinen Oldtimer-Prospekts mit der Überschrift "Genuss auf klassische Art": "Sie brauchen weder Stoppuhr noch Tripmaster, lediglich gute Laune und ein wenig Appetit. Alles andere regeln wir."

Na ja, noch so ’ne Wine-and-dine-Tour, mag sich der von mannigfaltigen Oldtimer-Reisen gezeichnete Insider denken. Keine Stoppuhren heißt auch keine Pokale, und dann wahrscheinlich ein paar von diesen bizarr überteuerten Fünf-Sterne-Essen, bei denen schneeweiße Porzellanteller auf Damastdeckchen Portionen anbieten, die in jedem Labor des Wirtschaftskontrolldienstes bestenfalls als Spurenelemente menschlicher Nahrung bestimmt würden.

Unkompliziert: Mal Tour-Teilnehmer, mal Reiseleiter

Bei Karl-Ulrich Herrmanns Oldtimer- Reisen kommt es jedoch völlig anders. Kleine Gruppen von zehn bis 15 Teams halten die Tour übersichtlich, es geht über eine volle Woche. Und dann ist da ein wirklich hohes Maß an Flexibilität zwischen den Fixpunkten der Tagestouren: Wer schon einmal im Piemont war und die eine oder andere Sehenswürdigkeit am Wege kennt, darf sich freundlich aufgefordert fühlen, die Tour dorthin umzuleiten. Damit ändert sich öfters die Rolle der Piemontfahrer - mal Tour-Teilnehmer, mal Reiseleiter.

Ein schönes Beispiel für dieses Wechselspiel bietet bereits der erste Tag. Abfahrt nicht vor neun im deutschsprachigen Park-Hotel in Mondovi, eine bequeme Oldtimer-Stunde südlich von Turin. Nach vielleicht zehn Kilometern sind Kühlwasser und Öl manierlich warmgefahren, da schwenkt der grüne TR 6 mit Wolfgang Ostberg am Volant plötzlich hinein in den Flecken Vicoforte.

In dieser Kleinstadt und nicht etwa in Turin, Mailand oder Florenz steht die Santuario di Vicoforte - Italiens Kathedrale mit der größten Kuppeldecke nach dem Petersdom in Rom. Triumphator Ostberg bittet zur Besichtigung, und mit einem geschmeidigen, zehnminütigen Vortrag sorgt er für ein bisschen Kulturwissen mehr: "Mit fast dreihundertjähriger Baugeschichte seit 1596 und somit vielen schön ablesbaren Elementen der Baukunst von Renaissance und Barock entstand hier die größte elliptische Kuppel der Welt." Ostbergs Feinwissen ist kein Wunder. Er leitet im täglichen Leben das Kulturamt der Stadt Stuttgart und schätzt Oldtimer-Fahren als Gesamterlebnis: "Dazu gehören die Farben und der südliche Himmel. Und natürlich die Bildende Kunst und die Architektur wie in der Toskana oder der Lombardei."

Zeit für spontane Stopps

Auf der in Richtung Turin führenden Saluzzo-Rundfahrt kommt es zur Mittagsrast in der Abbazia di Staffarda. Ostberg ist begeistert: "Das 1135 gegründete Zisterzienserkloster bietet ein Musterbeispiel mittelalterlicher Baukunst." Die übrige Entourage ist ebenfalls begeistert; allerdings mehr über die Kochkünste der beiden älteren Damen, die in einem Nebengebäude der uralten Abtei eine Küche unterhalten. Auf grob gescheuerten Holztischen wird ein Risotto serviert, das Ivrea zur höchsten Ehre dient: In dieser Stadt wurde einst die piemontesische Reis-Spezialität erfunden.

Am dritten Tag geht es über den Col de Tende, Richtung Ligurische Küste. Vor Ventimiglia erinnert sich ein Fahrteilnehmer an das legendäre botanische Juwel von Mortola inferiore: den Hanbury-Garten. Abstecher, fünf Minuten Einführung, eine Stunde spontanes Genießen. Aber es ist ja noch Zeit, die Trattoria in San Remo hat Telefon; kommen wir eben eine Stunde später.

Im Zentrum der Slow-Food-Bewegung

Die Alba-Rundfahrt führt ins Herz des magischen kulinarischen Dreiecks im Piemont - zwischen Bra, Asti und Aqui Terme. In Bra hat sich die Anti-Fastfood- Bewegung "Slow food" etabliert, inzwischen auch in Deutschland aktiv, hier geführt vom unvergleichlichen Küchen- und Keller-Dirigenten Otto Geisel, Patron des Hotels Viktoria in Bad Mergentheim. Doch zurück nach Diano d’Alba, ins Locanda San Battista. Der kleine Mittagsimbiss dehnt sich hier wie von selbst über volle drei Stunden.

Pro Auto und Team, jeweils mit zwei Personen, verlangt Herrmanns Unternehmen Retro Promotion (www.retropromotion.de) für die Piemont-Woche weniger als 1.000 Euro, vorausgesetzt, man reist im eigenen Oldie an. Auf Wunsch stellt der Veranstalter auch Autos aus seinem historischen Fuhrpark oder er transportiert Teilnehmerfahrzeuge von Deutschland aus per Sattelschlepper nach Italien. Dafür wird dann allerdings ein Aufpreis fällig. In der Pauschale eingeschlossen sind alle Übernachtungen sowie Vollpension und alle Eintrittsgebühren der angesteuerten Sehenswürdigkeiten.

"Waren Sie eigentlich schon in Cherasco, mit dem Triumphbogen aus dem 18. Jahrhundert?" Triumph-Bogen, verehrter Herr Dr. Ostberg, klingt gut. Wir werden wiederkommen, mit dem TR.

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