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Triumph Roadster 2000 Restaurierung

Auferstehung eines Teilepuzzles

Triumph Roadster 2000, Frontansicht, Georg Ebner Foto: FACT 19 Bilder

Georg Ebner aus Österreich fackelt nicht lange, wenn er einen restaurierungsbedürftigen Oldtimer sieht, der ihm gefällt. Er kauft das Auto und macht sich an die Arbeit - mit Akribie, wie sein Triumph Roadster beweist.

29.05.2013 Bernd Woytal Powered by

Halbe Sachen mag er nicht, der Georg Ebner aus Mondsee in Österreich. Wenn er etwas anpackt, erledigt er es mit Sorgfalt und normalerweise ruckzuck. So gesehen ist es recht ungewöhnlich, wenn er sechs Jahre benötigt, um ein Restaurierungsobjekt wieder in ein fahrfertiges Auto zu verwandeln. So geschehen bei einem Triumph Roadster. Doch er hat eine akzeptable Entschuldigung: "Nach dem Kauf des Wagens baute ich mir zuerst mal eine Werkstatt."

Spontankauf der Katze im Sack

Doch wie kam Ebner überhaupt an dieses Auto, wo er doch weder übermäßig für die Marke Triumph noch für britische Automobile schwärmt? "Es war so eine Art Blitzaktion", erzählt der Österreicher schmunzelnd. Als ehemaliger Maschinenbaumeister in einer international agierenden Baumaschinenfirma musste er schon an den verschiedensten Arbeitsgeräten schrauben, was ihm einen reichen Erfahrungsschatz bescherte. Und weil er sich in seiner Freizeit auch schon ein wenig mit dem Reparieren beziehungsweise Restaurieren von alten Autos beschäftigt hat, wird er von manchem aus seinem Bekanntenkreis gern als Berater hinzugezogen, wenn technische Kenntnisse gefragt sind.

So kam es nicht überraschend, dass er einen Freund der Familie nach England begleiten sollte, wo sich dieser einen Oldtimer kaufen wollte. Doch irgendwie fand sich nichts Passendes. Letztlich kristallisierte sich aus den diversen vor Ort geführten Gesprächen nur eine Information als interessant heraus: In der Stadt Leicester sollte jemand mit der Restaurierung eines Roadsters angefangen haben, die er aus gesundheitlichen Gründen abbrechen musste. Und dieses Auto stünde zum Verkauf.

Kurz entschlossen machten sich die beiden Männer noch am gleichen Abend auf den Weg. "Wir fanden ein zerlegtes Auto vor, die demontierten Teile waren alle in Kisten und Schachteln verpackt", erinnert sich Ebner. Sein Bekannter winkte resigniert ab, doch ihn faszinierte dieses Schrauber-Puzzle sofort, weshalb er spontan den Triumph Roadster kaufte.

"Ich wusste noch nicht mal, wie das Ding aussieht."

"Laut Verkäufer handelte es sich um einen Triumph Roadster von 1949, doch eigentlich sagte mir das nichts", erinnert sich Ebner und fügt lachend hinzu: "Ich wusste noch nicht mal, wie das Ding aussieht." Der Fahrzeugbesitzer versprach, alle Teile des Triumph Roadster zusammenzusuchen, doch jeder Insider würde warnend den Finger heben: Ein unbekanntes, zerlegtes Auto kaufen und darauf vertrauen, dass es komplett ist - da scheint der Ärger programmiert zu sein. Doch es ging gut.

Wieder zurück in der Heimat überlegte Ebner zunächst, wie er den Triumph Roadster nach Hause bekäme. Er nutzte seine vielen Kontakte, darunter fand sich ein Arbeitskollege, der Traktoren von England nach Österreich überführte. Bei einem dieser Transporte fand der zerlegte Triumph Platz auf der Ladepritsche - schon knapp fünf Wochen nach dem Kauf konnte Ebner die eingetroffenen Teile sortieren. "Es war tatsächlich alles dabei, lediglich der Auspuff fehlte, aber den habe ich dann selbst angefertigt", sagt er gleichgültig. Für andere wäre das ein Grund zur Reklamation gewesen, für den passionierten Schrauber nicht.

Die nötigen Zollwerkzeuge zum Bewältigen der bevorstehenden Aufgabe am Triumph Roadster besaß der engagierte Hobby-Restaurierer übrigens schon. Denn während seiner Arbeit musste er oft amerikanische Maschinen reparieren. Was ihm aber fehlte, war der passende Ort zum Schrauben. Daher plante und baute er zuerst einmal eine kleine Werkstatt.

Informationen vom Triumph-Club und Fotos helfen weiter

Parallel dazu sammelte er Informationen über seine Neuerwerbung. Er beschaffte sich Fotos, um zu sehen, wie solch ein Triumph Roadster in komplettem Zustand aussieht, und über den Triumph-Club kam er an technische Informationen wie zum Beispiel ein Werkstatthandbuch.

So gerüstet machte er sich nach Fertigstellung der neuen Werkstatt an die Arbeit. Den Eschenholzrahmen des Triumph Roadster hatte bereits der Vorbesitzer gerichtet. Als Kunsttischler verfügte dieser über die nötigen Kenntnisse und das Talent. Lediglich die hölzerne Bodenplatte fertigte Ebner selbst an. Nicht so recht gefallen wollte ihm das aus Sperrholz bestehende Instrumentenbrett.

Wieder halfen ihm seine Kontakte. Über die auf Holzfurniere spezialisierte Firma Danzer, für die er einmal in Afrika gearbeitet hatte, kam er an Wurzelholz, das er entsprechend zurechtschnitt und fräste. Nach dem Schleifen gab er es in die Hände eines Bekannten, der Bademöbel mit wasserfesten Lacken überzog. Dieser lackierte und schliff das Holz mehrmals. Nach dieser aufwendigen Prozedur präsentierte sich das Instrumentenbrett des Triumph Roadster schließlich spiegelblank und außerordentlich edel.

Leichte Abweichungen vom Original

Die zweite Abweichung vom Original bilden die für die Zulassung des Autos obligatorische Warnblinkanlage und die Umrüstung der revidierten Elektrik auf Minus an Masse, wie es außerhalb Englands üblich ist. Ansonsten wurde der Triumph Roadster originalgetreu aufgebaut.

Der Rahmen des Triumph Roadster war vom Vorbesitzer ebenfalls schon weitestgehend aufgearbeitet worden. Ebner restaurierte die Radaufhängungen, die Bremsen sowie das Getriebe und den Zweiliter-Vierzylindermotor. Bei letzterem drückte im Bereich der Zylinderlaufbuchsen Kühlwasser durch. Aber das alles war für Ebner kein Problem. Lediglich bei der Instandsetzung der vorderen Stahlkotflügel nahm er die Hilfe eines Spenglers in Anspruch.

Der zweite Triumph Roadster ist mittlerweile in Arbeit

Auch die Lackierung des Triumph Roadster in British Racinggreen gab er in Auftrag sowie das Aufarbeiten und Beziehen der Sitze. Diese gab er in die Obhut eines Polen, der das Gestühl in seiner Heimat für einen günstigen Preis restaurieren lassen wollte. "Die Sitze und das Geld siehst du nie wieder", warnten Ebners Bekannte. Sie täuschten sich.

Ach ja, der Auspuff. Den fertigte Ebner aus Teilen von Anlagen anderer Autos. Über einen seiner nützlichen Kontakte bekam er Zugang zum Lager eines Ersatzteilhändler, wo er Rohre und Dämpfer vermessen durfte, bis er die passenden Teile gefunden hatte und diese dann an seinem Triumph Roadster anpassen konnte.

Endlich war der Triumph Roadster fertig, Ebner zeigte sich zufrieden. Aber jetzt schraubt er schon wieder am nächsten Auto. Durch Zufall war er in den Besitz eines weiteren Triumph Roadster gekommen. Gut, er mag keine halben Sachen, aber dafür offenbar alles doppelt.

Restaurierung Triumph Roadster 2000

Kaufort/Jahr: 1995 in Leicester, England 
Kaufzustand:
Der Wagen war nicht fahrbereit, sondern weitestgehend zerlegt, wobei die Teile in Kisten und Schachteln aufbewahrt wurden. Es handelte sich um eine abgebrochene Restaurierung, der Holzrahmen war schon revidiert worden, ebenso der Rahmen.
Vorgeschichte: Der Triumph ist 1949 in England zugelassen worden, über seine Vorgeschichte ist nichts Genaueres bekannt. Der Verkäufer trennte sich aus  gesundheitlichen Gründen von seinem Wagen.
Restaurierungsumfang: Nach der Überführung von England nach Österreich mussten zunächst alle Teile sortiert und zugeordnet werden. Dann wurden Radaufhängungen, Bremsen und der Antriebsstrang mit Getriebe und Motor überholt, alle Verschleiß- und Gummiteile wurden dabei erneuert. Der bereits restaurierte Holzrahmen konnte übernommen werden, die maroden Bleche ersetzte beziehungsweise richtete ein Spengler. Neu angefertigt wurde die Bodenplatte und das Instrumentenbrett in Wurzelholz, die Elektrik wurde revidiert, auf Minus an Masse umgebaut und um eine Warnblinkanlage ergänzt. Neu kamen auch das Verdeck und das Interieur.
Restaurierungsdauer: 1995 bis 2001
Fachkundige Unterstützung und Ersatzteillieferanten: Bernhofer Carosserie, A-5020 Salzburg, Tel. 00 43/66 2/87 24 45 (Blecharbeiten), Firma Ofner in Salzburg, mittlerweile nicht mehr existent (Lackierung), Sattlerei in Polen sowie diverse Bekannte
Kosten: Etwa 13.000 Euro
Wert: Laut Gutachten 35.000
Euro

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Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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