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Triumph TR6 Neuaufbau

Roadster-Projekt mit Überraschungen

Triumph TR6, Roland Gerich Foto: Fact 12 Bilder

Roland Gerich aus Oberbayern ist ein begeisterter Schrauber. 2011 machte er sich auf die Suche nach einem restaurierungsbedürftigen britischen Roadster. Er stieß auf einen zerlegten 73er Triumph TR6, an dem sich bereits der Vorbesitzer versucht hatte, ohne aber das Projekt zu Ende zu führen. Gerich legte los.

08.10.2015 Bernd Woytal Powered by

Am späten Abend schlüpfe ich manchmal noch in die Garage, um in meinem TR6 zu sitzen", gesteht Roland Gerich aus Altötting. Oft denkt er dann mit einem Gefühl der Zufriedenheit an die unzähligen Arbeitsstunden, die er in die Restaurierung des britischen Roadsters gesteckt hat. Dabei hätte alles so einfach sein können.

Der gelernte Kraftfahrzeugmeister aus Oberbayern und Chef zweier Autohäuser liebt auch nach Feierabend technische Herausforderungen. So kam es, dass er sich nach der Restaurierung diverser Zweiräder, darunter ein BMW R50-Gespann, auch einmal einem vierrädrigen Oldtimer widmen wollte.

Der sollte offen, zweisitzig, alltagstauglich und gut motorisiert sein – und wenn möglich aus England stammen. Ein in Bad Rappenau angebotener TR6 schien das Passende zu sein, zumal der geforderte Preis nicht das vorhandene, eher schlanke Budget sprengte.

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Restaurierung Triumph TR6
Motor Klassik 08/2015
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Ein Triumph TR6 in Teilen

Beim Besichtigungstermin kam in einer Garage ein Roadster-Puzzle zum Vorschein - einzelne restaurierte Komponenten, darunter eine in ungewöhnlicher Farbe lackierte Karosse - und angeblich war der Triumph TR6 nur noch zusammenzubauen. "Ein schrecklicher violetter Teilehaufen. Wir räumten erst einmal alles auf die Straße, um einen Überblick zu erhalten", erinnert sich Gerich.

Trotzdem ließ sich nicht genau erkennen, wie komplett der Triumph TR6 tatsächlich war, wie genau die Karosserie auf den Rahmen passte und ob sie mangels Stabilisierung in den Türausschnitten womöglich verzogen war. Mit gemischten Gefühlen lud Gerich alles auf den mitgebrachten Hänger sowie in seinen Transporter und schaffte den TR6 in seine Garage. Diese hatte er über die Jahre hinweg mit zahlreichem Spezialwerkzeug ausgestattet, um alles Mögliche prüfen, bearbeiten oder anfertigen zu können.

Zunächst einmal ließ er die schon vor Jahren abgebrochene Restaurierung noch einige zusätzliche Wochen ruhen. Aber eines Tages wischte er die Bedenken vom Tisch, vielleicht doch etwas falsch gemacht zu haben, und legte los. Wie erwartet, wurde schon beim Aufsetzen der Karosse auf den Rahmen des Triumph TR6 klar, dass seine Vorstellungen von einer perfekten Arbeit nicht erfüllt waren.

Viel Arbeit mit dem Rahmen

An der Rohkarosse des Triumph TR6 mussten einige Partien nachgearbeitet, neue Schweißnähte gezogen und fehlende Verstärkungen eingesetzt werden. Die Außenbleche waren okay, nur die Farbe gefiel Gerich nicht. So kam die Karosse, natürlich längst mit stabilisierenden Streben in den Türausschnitten versehen, zum Sandstrahlen. Dann folgte eine korrosionshemmende Beschichtung mit Interzinc 52, ein zinkstaubhaltiges Epoxidharz, und später die Lackierung im originalen British Racing Green. Gegen Ende der Restaurierung folgte dann noch die Konservierung der Hohlräume mit Mike-Sanders-Fett.

Doch zunächst schaute sich Gerich den Rahmen seines Triumph TR6 genauer an. Obwohl dieser restauriert und mit einer dicken Schutzschicht versehen war, ließ er ihn sandstrahlen. Das Ergebnis war schockierend: Sichtbar wurde eine Pfuschreparatur. Rostlöcher im Rahmen, von Blechflicken mit kalten Schweißpunkten überdeckt, setzte der 51-Jährige fachmännisch instand, das Heckteil des Rahmens erneuerte er komplett.

Zahlreiche Verbesserungen für Haltbar- und Fahrbarkeit

Zwischenzeitlich hatte er sich auch den Motor des Triumph TR6 genauer angesehen. "Kurbelzapfen unrund, Zylinder bauchig, Nockenwelle eingelaufen und Ventile überholbedürftig, da entschied ich mich für einen Austauschmotor", erzählt Gerich. Er wählte dann gleich einen der CP-Serie, die 143 PS leisten, während in seinem TR6 ein CR-Motor mit 124 PS montiert war. Auf seiner Prüfbank stimmte er den Zündverteiler auf den stärkeren Motor ab, die Daten dazu entnahm er den Handbüchern. Den Kraftstoff-Dosierverteiler der PI-Anlage ließ er beim Spezialisten TR-Nord justieren.

Die Bestückung des inzwischen fertigen Rahmens zählte zu den schönsten Arbeiten der Restaurierung. In seinen Söhnen Simon und Maxi fand er wissbegierige und begeisterte Helfer. Die Überholung der Achsen durch den Vorbesitzer unter Verwendung steifer PU-Buchsen konnte Gerich beibehalten. Aus Sicherheitsgründen und um die Alltagstauglichkeit zu optimieren ließ er in die Technik etliche Verbesserungen einfließen.

Dazu zählten homokinetische Antriebswellen, verstärkte Radlager und eine optimierte Motorkühlung, aber auch Dinge wie ein Geber, der auf Undichtigkeiten im System der Bremshydraulik reagiert und warnt. Auch die Elektrik des Triumph TR6, Gerichs Lieblingsgebiet, wurde verfeinert. Auf einer großen Holzplatte ließ er sich den Schaltplan aufziehen und zeichnete dort alle Kabelfarben und Verbesserungen ein, darunter einen wesentlich effektiveren Schutz mit etlichen zusätzlichen Sicherungen.

Weitere Änderungen seines Triumph TR6 betrafen die aufwendiger als gedachte Umrüstung von Rechts- auf Linkslenkung unter Verwendung eines gebrauchten Armaturenträgers sowie den Einbau zeitgenössischer Sportsitze mit Kopfstützen.

Falsche Nockenwelle im Tauschmotor

Doch noch mal zurück zur Technik des Triumph TR6. Getriebe, Overdrive, Bremsanlage: Vieles wurde revidiert, was hier aus Platzgründen nicht im Detail beschrieben werden kann. Den größten Ärger hatte Gerich aber mit dem AT-Motor, denn erst am Ende der Arbeiten stellte sich heraus, dass die zahme Nockenwelle des CR-Motors eingebaut war. Dies ließ sich zwar anhand des zu hohen Saugrohrunterdrucks im Leerlauf nachweisen, was auf die im Vergleich zur CP-Nockenwelle geringere Überschneidung der Steuerzeiten zurückzuführen war, doch es kostete Mühe, den Verkäufer des Motors zu überzeugen. Schließlich sah dieser es ein und lieferte die passende Nockenwelle.

Doch was nun? Gerich entschied sich, nur das Nötigste wieder zu demontieren, darunter die Haube und den Kühler. Ohne Demontage des Zylinderkopfs baute er dann die Nockenwelle nach vorne aus, "und durch spezielle Aludrähte, eingedrückt in den Spalt der Stößelführung, hielt ich die Stößel in Position", erinnert er sich an den heiklen Umbau an seinem Triumph TR6. Aber alles ging gut.

"Kaputte Sachen wieder zum Leben zu erwecken war schon immer meine Stärke, auch wenn anfangs die Erfolgsquote nicht so toll war", gesteht Gerich. Mittlerweile hat er's drauf: Der Triumph TR6 läuft prima.

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Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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