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Tschechien

Böhmerwald im Knaus C-Liner

Foto: Gerhard Eisenschink 13 Bilder

Fast 40 Jahre lang teilte der Eiserne Vorhang Europa. Das gab der Natur viel Zeit, sich ungehindert zu entfalten. Heute beginnt die Wildnis gleich an der deutsch-tschechischen Grenze. Unterwegs im Knaus C-Liner.

24.07.2008

Der Blick durch die Frontscheibe lässt zweifeln, ob das hier tatsächlich Tschechien ist. Links und rechts der Fahrbahn reihen sich Marktstände, an denen asiatische Händler rund um die Uhr Parfum, Zigaretten, Textilien und Schnaps anbieten. Einer der Händler („Souvenirs nonstop“) preist meterhohe rotwangige Gartenzwerge an, andere offerieren schrill lackierte Pilzhäuser, flankiert von Keramikschlümpfen – Straßenranderscheinungen des Kapitalismus.

Der Knaus C-Liner rollt im Schritttempo vorbei, die Besatzung möchte nicht shoppen, sondern weg an die Ufer des Lipno-Stausees. Hinter Volary verengt sich die Straße zwischen dunklen Fichten. Šumava nennen die Tschechen diesen Teil des Böhmerwaldes, was so viel wie „rauschender, brausender Wald“ bedeutet. Momentan ist es windstill, die Bäume zu beiden Seiten der Fahrbahn verharren in Regungslosigkeit. Holprig führt das Sträßchen am Hauptkamm des Böhmerwaldes entlang.

40 Jahre lang kein Waren- und Personenverkehr

Während die luftgefederten Loungesitze des C-Liner die Schläge der Asphaltlöcher und Bodenwellen abmildern, lichtet sich das Dickicht, und der Blick streift über das bewaldete Grenzgebirge. Dem nahezu lückenlosen Grün zum Trotz zogen bereits im Mittelalter Karawanen auf verschlungenen Saumpfaden über diese Berge. Erst zu Zeiten des Eisernen Vorhangs kam der Waren- und Personenverkehr 40 Jahre zum Erliegen.

Heute ist der Lipno-Stausee ein Paradies für Beobachter seltener Tiere. Wie ein 48 Kilometer langer Fjord schmiegt sich das Gewässer in das smaragdgrüne Landschaftsbild. 1959 fertiggestellt, lag die Hälfte des Sees samt südlichem Ufer drei Jahrzehnte im Sperrgebiet. Die Ost-West-Barriere war grausam für die Menschen, aber erholsam für die Natur: Braunkehlchen nutzten Grenzpfosten als Singwarte, Wildschweine rieben ihre Borsten an Zäunen, Fischotter paddelten in grenznahen Flüssen.

Šumava ist seit 1991 Nationalpark

Nach der Wende wurde das Sperrgebiet aufgelöst und in den 1991 gegründeten Nationalpark Šumava überführt. Das Schutzgebiet ist Teil des Grünen Bandes Europa, das zwischen Eismeer und Schwarzem Meer anstelle des Eisernen Vorhangs entstanden ist. Entlang des ehemaligen Todesstreifens tummeln sich Wanderfalke, Wolf und Luchs. Am südlichen Ufer hat man sogar schon eine Gruppe von rund 15 Elchen gesehen. Das nördliche Seeufer haben die Camper bereits erobert. Nach Horní Planá geht es rechts ab zum Campingplatz Jenišov.

Es dauert, bis das Reisemobil auf dem am Seeufer gelegenen Gelände an der richtigen Stelle steht. Schließlich soll der See durch Panorama-, Küchen- und Relax-Area-Fenster zu sehen sein, die Kuppen des Böhmerwalds in Bad-, rechten Seitenfenstern und dem Fenster der Aufbautür. Und tatsächlich dauert es nicht lange, bis sich Haubentaucher, Reiherente und Co. im Ausblick zeigen. Die südliche Böhmerwaldregion ist Natur- und Freizeitlandschaft zugleich. Man kann baden, schwimmen, segeln, mit Kanu und Kajak paddeln und auf vorbildlich beschilderten Wegen Rad fahren und wandern. Für Angler werden jährlich rund 60.000 Karpfen, 93.000 Hechte und 5.200 Regenbogenforellen im Lipno-Stausee ausgesetzt. Bei einem derart reichhaltigen Fischangebot in den umliegenden Restaurants bleibt die eigene Bordküche am Abend kalt.


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