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Tuner-GP 2007

Sieger-Land

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Dem olympischen Gedanken folgend waren alle 56 gewerteten Starter des diesjährigen sport auto-Yokohama Tuner GP absolute Siegertypen. Ganz oben kann es jedoch nur einen geben - und das war wie bereits im Vorjahr Cargraphic-Pilot Marc Basseng.

04.07.2007 Jochen Übler Powered by

Ein Ausspruch wie aus der Endlosschleife einer Tonbandansage oder als hätte die aufgelegte Schallplatte einen Sprung: „Das Paket hat heute einfach gestimmt.“ Ein Satz, mit motorsportlichem Nostalgiecharakter, der den Siegern heutzutage immer noch so sicher über die Lippen kommt wie dem Pfarrer das Amen in der Kirche. Ob inhaltsleer oder abgehalftert, dieser Spruch hat Tradition und fällt mit dem Fallen der Zielflagge – mit hundertprozentiger Sicherheit. So griff auch Thomas Schnarr am Ende des diesjährigen sport auto-Yokohama Tuner Grand Prix auf das gängige Bonmot zurück, welches die weitreichenden Mühen bei der Vorbereitung zwar andeutet, aber bei Weitem nicht offenlegt. Der Chef der Cargraphic-Mannschaft lobte also im Formel 1-Stil die Seinen, den angeheuerten Profi -Pilot Marc Basseng und insgesamt eben jenes viel zitierte, perfekt geschnürte Paket. Anhand der drückenden und überzeugenden Überlegenheit tat er das mit dem Brustton der Überzeugung.

Dabei hatten die diesjährigen Gesamtsieger die wichtigsten Parameter für ihr siegreiches Päckchen bereits im Vorjahr sorgsam zurechtgerückt. Schon 2006 setzten sich die Pfälzer in Hockenheim die Krone der Tuner-Gilde auf. Damals zwar noch mit einem Porsche GT3 der Modellreihe 996, aber mit dem gleichen Rezept, wie sie es auch 2007 mit dem aktuellen GT3 RS 997 anrührten. Der Schlüssel zum Erfolg war also hinlänglich bekannt: Nicht eine exorbitant hohe Motorleistung führt zum Sieg, sondern ein möglichst geringes Gewicht.

1.345 Kilogramm attestierte die Waage dem Cargraphic-GT3 RSC 4.0 bei der Technischen Abnahme – immerhin rund 80 kg weniger als ein Serienwagen. Es hatte fast den Anschein, als wögen die vorgelegten Ordner mit den nötigen TÜV-Gutachten zur Einhaltung des Reglements deutlich schwerer. In den Unterlagen war – wie vom Veranstalter gefordert – piekfein dokumentiert, aus welchen technischen Parametern sich das Paket zusammensetzt: Aus einem vier Liter großen Boxermotor beispielsweise, dem eine Leistung von 465 PS attestiert wird. Und aus erlesenen Karosserie-Komponenten aus Kohlefaser, um die streng verordnete Diät auch optimal einhalten zu können. Weniger Gewicht brachte an diesem Pfi ngstsamstag nur ein Porsche auf die Waage. Und das war der für den Straßenverkehr umgebaute, ansonsten aber reinrassige Cup-Renner von AP Car Design.

In direktem Konkurrenzkampf standen jene beiden Leichtbau-Elfer jedoch nie. Der 400 PS starke AP Car-GT3 Cup wurde auf Grund der eingeschweißten Sicherheitszelle und der aufgezogenen Sportreifen in der Offenen Klasse geführt. Und diese zählt bekanntlich, bedingt durch ein großzügigeres Regelwerk, nicht zum Gesamtsieg. Cargraphic nahm dagegen – mit einer lückenlosen Gutachten-Dokumentation der Modifi kationen und dem Einsatz herkömmlicher Dunlop Sport Maxx GT-Reifen –, die GT-Klasse und somit auch den Gesamtsieg ins Visier.

Der zu erwartende spannende Schlagabtausch in der lediglich mit einer Corvette Z06 durchsetzten Porsche-Klasse blieb jedoch aus. Marc Basseng machte den Sack bereits in seiner allerersten gezeiteten Runde zu. Die fantastischen 1.08,882 Minuten für den Kleinen Kurs bedeuteten nicht nur eine Verbesserung der Rundenzeit vom Vorjahr um eine gute halbe Sekunde, sondern sorgten bei der Konkurrenz auch für die Erkenntnis, dass bei Temperaturen von Schweiß treibenden 30 Grad Celsius das Reiten weiterer Attacken zur Sinnlosigkeit schmilzt. „Du kannst nur einmal schießen, dann muss es passen“, brachte Techart-Pilot Frank Schmickler die Taktik auf den Punkt. Will heißen: Nach der ersten schnellen Runde haben die Reifen ihren Zenit meist überschritten. Auf Grund der vorherrschenden Temperaturen wurden auch die Motoren kurzatmiger. Vor allem die vergleichsweise schweren Porsche Turbo hatten unter den äußeren Bedingungen zu leiden. Den Ladeluftkühlern mit Pressluft die Hitze zu nehmen und Frischwasser auf die Wasserkühler zu kippen war bei den nach jeder schnellen Runde eingelegten Boxenstopps nur ein kleiner Tropfen auf den sprichwörtlich heißen Stein.

Die Turbofraktion von Techart, Enco und Speedart kam nie in Reichweite von Platz eins und gab sich damit auch relativ schnell ohne sonderliches Murren dem Schicksal hin. „Bei den Tests im Vorfeld des Tuner-GP hat sich bereits abgezeichnet, dass wir gegen das leichtere Saugmotorkonzept wenig Chancen haben. Dennoch sind wir zufrieden und haben den von uns geladenen 150 Gästen eine gute Show geboten“, zog Techart-Chef Thomas Behringer am Ende des Tages – mit immerhin zwei Pokalen im Gepäck – Resümee. Eine Einstellung, die bei dem Großteil der angetretenen Tunern zu finden war. Und die bei einigen namhaften Veredlern der Szene, die dem Branchentreff bislang fernblieben, auch Einzug halten sollte.

Es kommt eben darauf an, was man daraus macht. Denn eine vergleichbare Plattform – mit hitzigen Rundengefechten in neun unterschiedlichen Klassen, einer großzügigen Ausstellungsfläche im Fahrerlager und das alles vor einer Kulisse von rund 25 000 Zuschauern –, ist sonst nirgendwo zu finden.Renault-Tuner Elia sah die Möglichkeiten dieser einzigartigen Marketingplattform jedenfalls auch nicht nur aus sportlicher Sicht. Zwar legte der in der Kompaktklasse eingesetzte Mégane ein überaus respektables Zeugnis bezüglich der Rundenzeit ab.

Die eigentlichen Schmankerl bei Elia waren jedoch, dass der knapp 250 PS starke Turbomotor mit umweltfreundlichem Bio Ethanol betrieben und von der Renn-Amazone Catharina Felser äußerst engagiert pilotiert wurde. Die Aufmerksamkeit eines großen Teils der über 30 akkreditierten, meist ausländischen Medienvertreter war der Elia-Truppe demnach in mehrerlei Hinsicht sicher.

Um bei den Kompakten zu bleiben: Rein sportlich betrachtet war der turbogeladene VW Golf R 32 von Mike Rothe das Maß der Dinge. Auch wenn der Allradler mit 1540 Kilogramm das Schwergewicht der Klasse darstellte, so machten die 460 PS das Übergewicht wieder wett. Obwohl die deutlich leichtere, frontgetriebene Konkurrenz aus der Schweiz, namentlich Edi Kamm und Ruedi Jost, eine schnelle Runde nach der anderen abspulte, um den Platzhirsch eventuell doch noch vom Thron zu stoßen. Am Ende jedoch vergebens. Dem ebenfalls von Rothe Motorsport eingesetzten VW Caddy genügten zum Klassensieg bei den Kleinwagen hingegen magere drei Runden. Eigentlich hätte auch ein einziger gezeiteter Umlauf auf dem Kleinen Kurs genügt. Mangels jeglicher Konkurrenz war Fahrer Jens Breitfeld der oberste Podestplatz schließlich schon von vornherein sicher. Bei den dicken SUV gestaltete sich die Siegerehrung ähnlich vorausschaubar: Drei Pokale waren zu vergeben, drei Starter hatten genannt, ganz vorn der an diesem Tag viel beschäftigte schweizer Profi Fredy Barth im Porsche Cayenne Turbo von Speedart.

Nach seinem Einsatz im schweren SUV blieb zumindest dem fahrenden Eidgenossen eine kurze Pause, um sich auf seinen nächsten Einsatz in der Limousinenklasse vorzubereiten: im Mitsubishi EVO IX von Digit Power.

Die Mannschaft der schweizer Turbo-Spezialisten hatte hingegen alle Hände voll zu tun, um den Digit Power-EVO in letzter Sekunde noch reglementskonform zu machen. Mitbewerber stellten den Alpenland-Lancer an den Pranger: Die montierten starren Domlager bringen einen unzulässigen Wettbewerbsvorteil, hieß es. Irgendwann, so ist zu vermuten, kommt wohl auch beim Tuner-GP die Zeit, wo Boxen abgeschirmt und Autos vor den gierigen Blicken der Konkurrenz abgedeckt werden. Schon jetzt hüten diverse Teams zumindest Federraten und Sturzwerte wie die Briten ihre Kronjuwelen.

Wie dem auch sei: In der Digit Power-Box glühten die Schlagschrauber und wirbelten die Hände. Just in time: 11.10 Uhr, Boxenampel auf Grün, 30 Minuten, um auf Zeitenhatz zu gehen. Fredy Barth fuhr mit dem Digit Power-EVO als einer der Ersten auf die Strecke und mit einer Zeit von 1.13,470 Minuten am Ende auch überzeugend den Klassensieg bei den Limousinen ein – Domlager hin oder her.

Zweiter in dieser Klasse wurde ein Kombi. Auch ein Mitsubishi Evo, allerdings rechts gesteuert von Alexander Wutzke und ausgerüstet mit einer relativ eigenartigen technischen Raffi nesse. Um dem tendenziellen Untersteuern des Allradlers entgegenzuwirken, stand der Importracing-Lancer vorn auf 255, hinten auf 225 Millimeter breiten Pirelli-Reifen. Also eine wohl eher seltene als schöne, aber auf jeden Fall absolut legitime und wirkungsvolle Lösung, gegen die auch die technischen Kommissare keine Einwände hatten.

Ebenso wenig wie gegen die technischen Gegebenheiten des größten Schmuckstücks in der Youngtimer-Klasse – dem MTMAudi S1. Die Kommissare kamen mehr ins Schwärmen als zum Prüfen: „Das Auto sollte man sich eigentlich ins Wohnzimmer stellen“ – Geschmacksache. Jedenfalls griff auch bei den Oldies das freizügigere Reglement der Offenen Klasse, womit der beeindruckenden Show des MTM-Audi S1 nichts im Wege stand. Mit einer Rundenzeit von 1.12,435 Minuten hatte Fahrer Dieter Heubacher den Rest des etwas betagten Feldes schon nach einer Runde locker im Griff, was ihn jedoch nicht zügelte, noch einige Runden mehr aufs Parkett zu legen. Teamchef Roland Mayer: „Wir haben heute einen Menschen sehr glücklich gemacht. Ich habe den Dieter gar nicht mehr aus dem Auto rausbekommen. Der ist eine Runde nach der anderen gefahren – bis der Tank endlich leer war.“

Timo Kluck nahm im Wendland-Porsche Cayman ebenfalls reichlich Umläufe in Angriff. Den erhofften Sieg bei den Coupés und Cabrios brachte ihm der aufopferungsvolle Einsatz trotzdem nicht ein. „Das Auto lag perfekt, aber die fünf Zehntelsekunden Rückstand auf Marc im Cargraphic-Cabrio waren nicht zu knacken“, gestand Kluck, dem auch bei den Dieseln der Klassensieg verwehrt blieb. 15 Runden lang biss er ins Lenkrad des Wendland-VW Polo TDI, musste Manfred Wollgarten im AC Schnitzer-BMW 335 d dennoch den Vortritt lassen – wenn auch denkbar knapp.

Aber das Ergebnis der Diesel-Klasse steht exemplarisch dafür, dass keineswegs nur schweres Geschütz notwendig ist, um beim Tuner-GP einen Platz an der Sonne zu ergattern. Mit seinen 170 PS war der Wendland-Polo schließlich das vermeintlich schwächste, wenngleich auch das leichteste Auto seiner Klasse. Stimmige Paket gibt es eben viele. Man muss eben nur danach suchen.

Das beim Tuner-GP mittlerweile schon traditionell unschlagbare Konzept rollte einmal mehr Michael Düchting aus seinem Rennauflieger: 765 Kilogramm, wildes Flügelwerk vorn und hinten, dazwischen ein knapp 400 PS starker, zwei Liter großer Turbomotor. Der selbstredend in der Offenen Klasse genannte Donkervoort RS06 hatte auch 2007 wieder die Tagesbestzeit für sich gepachtet. Obwohl Michael Düchting nicht ganz zufrieden war: Mit einer Rundenzeit von 1.04,828 Minuten verfehlte der seit den Anfängen des Tuner-GP am Start stehende Donkervoort Deutschland-Chef seine Vorjahreszeit nämlich um genau sieben Hundertstelsekunden.

Es gab an diesem Pfi ngstnachmittag jedoch deutlich schlimmere Leiden, wie beispielsweise die von Opel Speedster Kompressor-Pilot Herbert Schürg. Zunächst verdonnerten die Technischen Kommissare den Zweisitzer auf Grund fehlender Gutachten-Unterlagen in die Offene Klasse. Dann rollte Schürg bereits nach seiner ersten gezeiteten Runde saft- und kraftlos aus. Beim auf dem Kleinen Kurs notwendigen Räubern über die Curbs witterte der Crashsensor des Opel einen bösen Unfall und kappte kurzerhand den Stromkreislauf. „So etwas ist mir ja noch nie passiert“, wunderte sich Tuner-GP-Veteran Schürg, „aber mit 1.12,679 Minuten bin ich recht zufrieden.“

Techart-Stammfahrer Frank Schmickler hätte sich hingegen gern selbst in den Allerwertesten gebissen. Am Ende fehlten ihm nämlich läppische acht Hunderstelsekunden auf Michael Raja im AP Car-Design-Cup-Porsche. „Hätte klappen können, Pech gehabt“, resümierte Schmickler, der mit Rang drei in der Offenen Klasse aber schließlich doch auf dem Treppchen stand. Wohingegen Marc Basseng seine wohlverdiente Trophäe für den zweiten Gesamtsieg in Folge nicht persönlich in Empfang nehmen konnte.

Auf den Porsche-Profi wartete direkt im Anschluss an seine getane Arbeit beim Tuner-GP ein Helikopter, der ihn auf dem schnellsten Weg zum Nürburgring hievte, wo er für das Team von Land Motorsport im Rahmen der Langstreckenmeisterschaft ins Lenkrad griff. Cargraphic zelebrierte die hohe Kunst des optimalen Pakets also nicht nur in Form von einer ausgezeichneten technischen Vorbereitung, sondern auch in puncto logistischer Perfektion. Oder sagen wir es einfach mit anderen viel zitierten Worten aus der Rennsportbranche: Das Team hat einen wirklich guten Job gemacht.

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