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Tuner GP High Performance Days 2013

Tuner-Kräftemessen auf dem Ring

High Performance Days, Teilnehmer Foto: Rossen Gargolov 28 Bilder

Ungewöhnlich frisch war es beim sport auto Tuner GP am Hockenheimring nur des Wetters wegen. 31 Tuner hatten über 60 Fahrzeuge gemeldet. Nicht in jeder der 16 Klassen schaffte es schließlich der heißeste Favorit ganz nach vorn.

08.08.2013 Michael Orth Powered by

Morgens um sieben liegt über der Boxengasse in Hockenheim eine laute Stille. Noch sind die meisten Rolltore geschlossen, und unter einer nass geregneten Plane steht Johnny Cecottos alter BMW M3 neben Ellen Lohrs blauem DTM-Mercedes. Die beiden fallen nicht weiter auf. Der 935er-Martini-Porsche von Jochen Mass und Jacky Ickx stiehlt ihnen die Schau. „Schon schön“ findet einer der frühen Gäste das weiße Mercedes SLS AMG Coupé Black Series, das in der sport auto-Sportwagenausstellung mit 50 Exoten die Flügel spreizt, daneben gibt sich ein schwarzer Carrera GT geschlossener. Doch der Star der Veranstaltung wird auch dieser Porsche beim sport auto Tuner GP 2013 nicht werden. Parkend gewinnt keiner was.

Das erste freie Training läuft seit 10 Minuten, da steht ein erster Sieger schon fest. Gäbe es eine Sonderwertung für die akustische Performance, sie ginge an die Corvette C5 XXR, in deren Motor das Feuer wild weiter prasselt, wenn die Drosselklappen zugehen und der Fahrer auf die Bremse steigt. Als brülle der Achtzylinder sich den Ärger raus, darüber dass man ihn nicht weiter unter Volllast rennen lässt, so hört sich das an.
 
„Schnell ist sie auch“, sagt Cölestin Frei, als er aus der Corvette geklettert ist. „Aber das Fahrwerk funktioniert mit den Straßenreifen noch nicht optimal. Vorn fehlt uns der Grip. Tja, was machen wir?“

Das Leitmotiv des Tuner Grand Prix

Die Frage ist ein bisschen sowas wie das Leitmotiv des Tuner Grand Prix. Was machen wir? Nämlich, um den anderen auf dem Kleinen Kurs davonzufahren. Kurze Antwort: Sie machen alle eine ganze Menge.
 
Ein bisschen mehr Leistung und ab die Post – das hilft längst nicht mehr, um gegen die Konkurrenz zu bestehen. Als der Audi TT RS vor die Box des Rothe-Teams rollt, stehen sie schon mit Kühlgebläsen bereit und zielen auf die heißen vorderen Scheiben, die mit ihren Sechskolbenzangen gerade so in die 18-Zoll-Räder passen. Ein anderer Kollege springt mit einem Thermometer von einem zum anderen Reifen, misst und ruft: „64 Grad, 62, 62“. Es wird hier geprüft, dort gedreht, wieder woanders justiert. Mit Erfolg, denn Rothe weiß, was beim Tuner GP zählt. Die Truppe gehört hier längst zum Inventar.

Und während sich im Laufe der beiden Freien Trainings so allmählich eine Hackordnung in den sechs Klassen etabliert, geht es bei der technischen Abnahme oft enger zu als auf der Strecke. „Der Tuner GP ist keine reine Rennveranstaltung, die sich in einem simplen Reglement fassen lässt. Das macht die Abnahme schwierig, aber umso nötiger“, sagt Dekra-Ingenieur Frank Fricke.

Technische Abnahme der Fahrzeuge erforderlich

Den Fahrzeugschein des Porsche 997 GT3, den Karl-Heinz Wendland kurz darauf bei Fricke vorstellt, sollte er später auf keinen Fall im Auto vergessen. Das Ding würde drei Zehntel pro Runde kosten. „Und der hat eine Freigabe für die Straße?“, fragt Fricke. „Es ist alles eingetragen“, sagt Wendland. Ist das die Antwort auf die Frage?
 
Kaum hat sich im Prüfhäuschen der Camaro ZL1 von Geiger in Position gebracht, kommt es von hinten: „Alles illegal. Das geht überhaupt nicht, Mattgrau, der darf hier gar nicht starten.“ Befindet, aus dem Seitenfenster seines Mitsubishi Evo 9 gelehnt, Alexander Wutzke von Importracing. Frank Fricke lacht und meint: „Dann zeigen Sie mir doch bitte erst mal Ihre Rückstrahler.“ So, und nur so geht es weiter bei der Abnahme, mit einer Mischung aus Humor und Fachkenntnis.
 
Anders sollte man sich dem Thema Tuning ohnehin nicht widmen. Als vor der Box von VOS der Nissan GT-R R35 ausrollt, an dessen Seitenfenster das Etikett mit dem Fahrernamen „Siggi Sorglos“ klebt, macht der ob der folgenden Ansage ein überraschend fröhliches Gesicht: „Ich stehe voll auf der Bremse, aber es geht nichts mehr runter. In der Mitte der Geraden fange ich schon an zu pumpen. Das Pedal fällt durch.“ Neue Beläge, neue Flüssigkeit, Bremse entlüften.

Honda Civic fährt den Seriensportlern davon

Derweil stellt René Köchli in aller Ruhe ein Laptop auf das Karbondach seines nicht mehr ganz so neuen Honda Civic. Weder dem Mercedes C 63 AMG Black Series von TIKT noch dem BMW M 135i von Versus oder dem Audi RS4 Avant der Turbo-Kings hatte sich der Wagen beugen müssen. Dabei sah er doch so brav aus, wie er die Gerade heruntereilte.
 
Köchli grinst. „Das ist schön, wenn man einem McLaren am Arsch kleben kann. Mit diesem Civic geht das.“ Käfig, Sitz, Pedale, Cockpit, mehr ist nicht im Innenraum des R-Performance-Honda. Turbo? „Nein, ein K24-Sauger mit 330 bis 350 PS. Geht gut“, meint Köchli, der nur gern größer dimensionierte Straßenreifen unterbrächte, um noch bessere Zeiten fahren zu können.
 
Bei Dunlop bringen sich derweil reifere und weniger reife Herren in Positur zwischen Reifenmädchen, deren Garderobe dem Zweck ihres Auftritts angemessener ist als dem Wetter. Es bleibt frisch an diesem Wochenende, was der Leistung zugute kommt und die Zuschauer nicht abhält. „Alter!“, entfährt es einem Jungen vor dem hellblauen Milltek-GTR. „Kann man sich den mieten?“ „Wenn du eine gute Versicherung hast“, meint sein Kumpel, um im Nachsatz das in England aufgebaute Biest in weite Ferne zu rücken: „Dann brauchst du aber immer noch einen, der dir den Sprit zahlt.“ Dennoch: Näher als bei den sport auto High Performance Days kommt man Autos und Fahrern nirgends sonst.

Fan-Kontakt mit den Tunern

Gilt anders herum für die Tuner ebenso, die direkt mit Fans und Kunden in Kontakt kommen und mit dem schnellsten Mittel aus fünf Rundenzeiten die beste Empfehlung überhaupt für sich abgeben können. Und während es für Bestzeiten am Ende einen Pokal gibt, sind es die Anstrengungen und das Engagement der Tuner, die eine Auszeichnung ebenso verdient hätten. „Der GTI Edition 35 läuft gerade ganz gut. Aber der TT RS macht noch ein paar Probleme“, meinte Rüdiger Völkner von Oettinger am frühen Freitagnachmittag noch. Am Samstagvormittag ist seinen Augen anzusehen, dass es wohl ein paar mehr geworden sind. „Wir hatten einen Laderschaden“, sagt Völkner und zieht die Brauen hoch.
 
Man hätte den Grill anwerfen und die Sache abhaken können. Oder aber nach München fahren und einen neuen Turbo besorgen, nach Ingolstadt weiter, um einen speziellen Dichtungssatz einzusammeln. Demontage in Friedrichsdorf bei Frankfurt ab 23 Uhr, Vorderachse raus, Motor kippen, Reparatur bis morgens um sechs. Kein Schlaf, aber Kaffee und Red Bull. „Um sieben stand der Audi auf dem Hänger, um acht war er hier.“

Die ganze Nacht schrauben

Da war es gerade mal vier Stunden her, dass sie bei GeigerCars in Box Nummer 15 das Werkzeug eingepackt und das Licht ausgemacht hatten. Bis mitten in die Nacht hatten sie an der Corvette ZR1 geschraubt und sich jedes Detail vorgenommen, schließlich das Getriebe nochmal getauscht. Und als die so umsorgte Corvette zum Warm-up rausrollte, sah alles danach aus, als wäre sie bei den aufgeladenen GT ein ganz heißer Anwärter auf den Sieg. Bis Patrick Simon in der Querspange merkt, dass etwas nicht stimmt – komischer Geruch im Cockpit. Langsam rettet er sich bis vors Boxentor, wo sie den Schmorbrand am Heck sofort löschen.
 
„Wir wissen noch nicht, woran es liegt, ob vielleicht ein Kabel an den Auspuff kam. Wenn´s halt blöd läuft, läuft´s blöd“, sagt Karl Geiger, was zu sagen ist. Das vom Schaum weiß beflockte Auto steht inmitten einer Menge von Zuschauern und ist – wenn auch ganz anders, als sie sich das bei Geiger wohl vorgenommen hatten –, zu einer der größten Attraktionen des Tuner GP 2013 geworden.

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Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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