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Tuning Extrem

Zeus föhnt Haare mit 2.000 Watt

Essen Motor Show 2011, Elia-Dacia-Darkster Foto: Markus Stier 44 Bilder

Ob 2.000 PS oder 2.000 Watt, Essen ist mal wieder die Messe der Extreme. Gerade in Zeiten, wo der Euro auf der Kippe steht gilt es, das Geld vor der Abschaffung noch Spaß steigernd anzulegen.

28.11.2011 Markus Stier Powered by

Es ist doch schön, wenn es im Leben noch ein paar verlässliche Größen gibt. Nirgendwo ist das Gedränge größer als in der schmalen Halle acht. Die Rücklichter gehen weg wie Schnitzel bei Bauer Ewald, Gewindefahrwerke stapeln sich auf fetten Paletten und Endschalldämpfer gibt es auf dem Wühltisch ab 49 Euro. Ein kreativer Hersteller hat zwecks Aufmerksamkeitssteigerung seine Töpfe mit orangefarbenen Kunstfellbändern ummantelt. "Das ist aber jetzt ein Scherz, oder", fragt eine der Besucherinnen ihren Freund scharfsinnig.

Ob Spaß oder Ernst ist nicht ganz klar, jedenfalls bietet in Halle elf Renault-Tuner Elia den im Gelände jeden Preis brechenden Dacia Duster in der Vampirjäger-Variante für 27.000 Euro. Der mattschwarz lackierte "Darkster" ist die dunkle Antwort auf die Lara Croft-Edition von Land Rover und lässt den Vollmond dank Dachscheinwerfer-Kit wie eine fahle Funzel aussehen. Praktischerweise trägt er zudem eine schwarze Dachbox, mit der sich der erlegte Untote gleich artgerecht abtransportieren lässt.

Der Trend geht zur Zweit-Batterie

So richtig martialisch mag es die Motorrad-Fraktion, und so sorgt in Halle vier nicht nur das Red Baron-Bike für Aufsehen, sondern eine echte Bombe auf zwei Rädern. Noch schwerere Geschosse  bietet die Car-Hifi-Abteilung. Der Crunch Maxxblaster mit 250 Watt im Bombenlook liefert immerhin schon 250 Watt, aber das ist nur der Anfang.

Der Verkaufsschlager hört auf den Namen Brutus, stammt aus dem Hause Hifonics, deren schlichter Wahlspruch bescheiden: "Die Kraft der Götter" lautet. Das Prunkstück im Programm ist Das Boxen-Ensemble "Zeus". Der Göttervater kommt im Doppelpack daher und fönt Frisuren mit 2.000 Watt. André Stockemer am Stand von Internet-Hifi-Anbieter eho2003 empfiehlt dazu unbedingt noch die passende Endstufe , Hifonics X3 in den Dimensionen eines Campingtisches für den Schnäppchenpreis von 299 Euro. Desweiteren weist der Fachverkäufer darauf hin, dass bei so viel Bumms das Bordnetz arg strapaziert wird. Es empfiehlt sich also eine zweite Gel-Batterie.

In Punkto Leistung dürfte wenig über den Rolls Royce Dragster gehen, der 2.000 PS entwickelt und Tempo 200 in sieben Sekunden erreicht. Nur sein Hubraum von 9,5 Litern ist noch ein bisschen mickrig gegen die Macht der Streitkräfte. Die Bundeswehr versucht neue Rekruten zu akquirieren, in dem sie die Messebesucher in einem Fuchs-Spürpanzer Platz nehmen lässt. 12,7 Liter hat der Panzer-V8 zu bieten, allerdings müssen wir übers Leistungsgewicht noch reden: 16,6 Tonnen bei rund 440 PS? Kein Wunder, dass das Ding nur 105 Sachen schafft.

325 km/h an jeder Ecke

Wenn sie wirklich wollen, holen schon die Golf-Tuner mit einem entsprechend großen Garrett-Lader 440 PS aus einem Zweiliter-TFSI. Das Turbo-Zentrum Berlin wirbt jedenfalls schon mit 397 PS – total standfest natürlich. Um bei der Königsklasse der Acht- bis Zwölfzylinder-Fraktion Staat zu machen, sollten schon 700 PS aufgeboten werden. Topspeed-Versprechen von 325 km/h findet man an jeder Ecke, die schafft sogar das skurrile Hemi-Trike aus der US-Dragster-Szene mit seinen 1.200 PS.

Wir müssen noch über Beschleunigung reden. Er ist zwar schon ein Methusalem, und so richtig erfolgreich war er auch nie, aber auch ein Vierteljahrhundert nach der Abschaffung der Gruppe-B in der Rallye-Weltmeisterschaft wirkt das Flügelmonster Audi Quattro E2 noch Ehrfurcht gebietend. Mit seinen 600 PS und PDK-Doppelkupplungsgetriebe schoss er schon den noch voll im Saft stehenden Walter Röhrl in 2,8 Sekunden von null auf 100 - auf Schotter wohlgemerkt.

In der Drehmoment-Disziplin haben allerdings alle Benzinvernichter das Nachsehen gegen ein Elektroauto: Der Brabus High Performance 4WD Full Electric kommt zwar im biederen Gewand einer E-Klasse-Limousine daher, liefert aber mit vier Radnabenmotoren unfassbare 2.400 Newtonmeter.

Hummer H2 mit 24-Zöllern

Apropos unfassbar: So ein Techart-Panamera mit 22-Zoll-Rädern ist ja schon ganz nett, aber der Hummer H2 in Halle 3 steht auf 24-Zöllern. Damit dürfte er der klare Punkt-Sieger sein, aber nur, weil man bei der Wheels Company nicht wirklich Ernst gemacht hat. "Wir haben Größen bis 22 Zoll dabei", sagt der Verkäufer, schwört aber, man habe im Programm durchaus 32-Zöller für den Gangster-Rapper von Welt zu bieten. Bei einem Audi A6 habe man schon 24 Zoll untergebracht. "Da war aber am Fahrwerk schon ein ziemlicher Umbau nötig und die Reifen haben wir aufgeklebt, damit die überhaupt die Luft halten" sagt der Verkäufer stolz.

In Halle 1A praktiziert man eine Null-Toleranz-Politik. Maximale Radgröße bei minimaler Bodenfreiheit heißt die Devise. Den Tieferlegern ist tragischerweise auch ein historischer Audi 100 zum Opfer gefallen. Wer seinen Polo oder Corsa nicht zu Boden bringt, der lackiert ihn mit mysthischen Motiven. Die Bandbreite geht vom Husky bis zum Antlitz der Medusa, deren Blick einst jeden in Stein verwandelte. Der wahre Essen-Fan mag sich da fragen: Hätte es nicht auch Karbon sein können?

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