Typklassen: Wie man sich vor teuren Einstufungen schützt

Autounfall

Vor dem Autokauf ist ein Blick auf die Versicherungs-Typklassen nötig. Sind sie zu hoch, wird es teuer. Was kann man dagegen unternehmen?

In den bunten Autoprospekten der Hersteller gibt es eine Stelle, die sich Neuwagenkäufer genau anschauen sollten. Das Kapitel umfasst zwar nur drei Zahlen, doch diese Werte sind von großer Bedeutung. Wer ihnen wenig Aufmerksamkeit schenkt, riskiert am Ende hohe Unterhaltskosten. Die Rede ist von den Fahrzeug-Typklassen in der Kfz-Versicherung.

Schadenstatistik bildet die Basis für die Berechnung der Versicherungsbeiträge

Was für viele unter die Rubrik Fach-Chinesisch fällt, ist für die Assekuranzen die Basis, um Versicherungsbeiträge berechnen zu können. Grundlage des Systems ist die Schadenstatistik. Jährlich wird überprüft, wie oft ein Auto in Unfälle verwickelt war und welche Kosten entstanden sind. Das soll Beitragsgerechtigkeit bringen, da alle Schäden den jeweiligen Modellen zugeordnet werden. Weist einer der mehr als 20.000 Autotypen im Vergleich zum Vorjahr eine höhere oder geringere Schadenbilanz auf, steigt beziehungsweise fällt das Modell in den Typklassen. Das Fahrzeug wird dann je nach Schadensart neu eingeordnet in eine der 16 Haftpflicht-, 24 Teilkasko- oder 25 Vollkaskoklassen.

In der Vollkaskosparte fallen die Einstufungsunterschiede am größten aus

Vor dem Autokauf sollte man daher einen genauen Blick auf die Typklassen werfen. Denn wer ein Modell mit schlechter Einstufung wählt, zahlt am Ende bei der Versicherungsprämie kräftig drauf. Am Beispiel zweier Kompaktwagen lässt sich das belegen: Beim Kauf eines neuen Mercedes A 200 zahlt der Autofahrer in unserem Vergleich fast zwei Drittel mehr Prämie in der Vollkaskosparte als der Besitzer des fast gleich stark motorisierten Audi A3 1.4 TFSI.

Ähnlich ist es in der Teilkasko, wobei die Spanne hier gegenüber der Vollkasko geringer ist und sich somit die finanzielle Mehrbelastung in Grenzen hält. In der Haftpflicht fallen hingegen selbst größere Einstufungsunterschiede nicht so stark ins Gewicht, wie die Übersicht zeigt.

Viele Versicherungen bieten Rabatte an

Gegen die Typklassen-Einstufung lässt sich wenig unternehmen, aber bei der Prämie besteht Sparpotenzial. Zum einen gibt es die Möglichkeit, zu einer preiswerteren Versicherung zu wechseln. Zum anderen kann sich der Autofahrer bei seiner Assekuranz erkundigen, ob es noch günstigere Tarife gibt. Diese Billigtarife haben aber häufig den Nachteil, dass ihnen wichtige Versicherungsleistungen fehlen. Oft reicht es bereits, wenn Fahrzeugbesitzer die so genannten weichen Tarifmerkmale voll ausnutzen. Darunter sind nichts anderes als Rabatte zu verstehen. Da die Versicherer im harten Wettbewerb stehen, gibt es mittlerweile bei fast allen Assekuranzen einen bunten Strauß davon.

Bis zu 15 Prozent Nachlass für einzelne Berufsgruppen

Dazu ist es notwendig, alle Angaben im Vertrag zu überprüfen. Haben sich zum Beispiel die Lebensumstände geändert, kann das bereits eine Ersparnis bringen. Wie die Marktbeobachter von Aspect-Online herausfanden, belohnt die Branche einzelne Berufsgruppen mit bis zu 15 Prozent Nachlass. Wer sich ein Haus anschafft und nicht mehr zur Miete wohnt, darf bis zu fünf Prozent erwarten. Und wenn sich dadurch auch die jährliche Fahrleistung reduziert, sind zusätzlich noch einmal bis zu 29 Prozent für den Kunden drin.

Standardrabatte reduzieren die Prämie im Schnitt um mehr als 60 Prozent

Die Liste mit Nachlassbeispielen lässt sich beliebig weiterführen, was aber nicht nötig ist. Denn fest steht: Wer allein die Standardrabatte nutzt, reduziert seine Prämie im Schnitt um mehr als 60 Prozent, fanden die Experten von Aspect- Online heraus. Aber für weiche Tarifmerkmale sollten Autofahrer keine falschen Angaben machen, wie zum Beispiel zum Garagenbesitz. Fliegt der Schwindel auf, zieht das in der Regel ein Strafgeld in Höhe von bis zu einer Jahresprämie nach sich - die Sparbemühungen können Autofahrer dann vergessen.

So wirken sich Typklassen auf die Beiträge aus
Hersteller/ Modell KH / Beitrag VK / Beitrag TK / Beitrag
Kleinwagen
Dacia Sandero 1.4 18 / 696 Euro (+) 16 / 942 Euro 18 / 324 Euro
Fiat Grande Punto 1.4 8V 17 / 651 Euro 18 / 1.141 Euro (+) 20 / 436 Euro (+)
Ford Fiesta 1.25 16 / 616 Euro 17 / 1.033 Euro 16 / 261 Euro
Opel Corsa 1.2 15 / 585 Euro 15 / 850 Euro 15 / 233 Euro (-)
Peugeot 207 75 15 / 585 Euro 17 / 1.033 Euro 17 / 287 Euro
Renault Clio 1.2 16V 16 / 616 Euro 17 / 1.033 Euro 17 / 287 Euro
Seat Ibiza 1.2 12V 18 / 696 Euro (+) 17 / 1.033 Euro 18 / 324 Euro
Skoda Fabia 1.2 HTP 16 / 616 Euro 13 / 737 Euro (-) 15 / 233 Euro (-)
Toyota Yaris 1.0 VVT-i 13 / 498 Euro (-) 16 / 942 Euro 15 / 233 Euro (-)
VW Polo 1.2 16 / 616 Euro 13 / 737 Euro (-) 15 / 233 Euro (-)
Kompaktwagen
Audi A3 1.4 TFSI 15 / 585 Euro 16 / 942 Euro (-) 18 / 324 Euro
BMW 116i 17 / 651 Euro (+) 19 / 1.272 Euro 21 / 485 Euro (+)
Ford Focus 1.8 16 / 616 Euro 18 / 1.141 Euro 18 / 324 Euro
Hyundai i30 1.6 17 / 651 Euro (+) 21 / 1.493 Euro (+) 17 / 287 Euro
Mazda 3 1.6 MZR 15 / 585 Euro 19 / 1.272 Euro 19 / 357 Euro
Mercedes A 200 16 / 616 Euro 21 / 1.493 Euro (+) 18 / 324 Euro
Peugeot 308 120 VTi 14 / 548 Euro (-) 20 / 1.377 Euro 17 / 287 Euro
Toyota Auris 1.6 Valvematic 14 / 548 Euro (-) 20 / 1.377 Euro 16 / 261 Euro (-)
VW Golf 1.4 TSI 15 / 585 Euro 17 / 1.033 Euro 18 / 324 Euro
Mittelklasse
Alfa Romeo 159 1.9 JTDM 8V 19 / 740 Euro 22 / 1.646 Euro 26 / 853 Euro (+)
Audi A4 2.0 TDI 16 / 616 Euro 20 / 1.377 Euro 25 / 755 Euro
BMW 318d 18 / 696 Euro 22 / 1.646 Euro 24 / 658 Euro
Citroën C5 HDi 140 FAP 19 / 740 Euro 23 / 1.748 Euro 22 / 536 Euro
Ford Mondeo 2.0 TDCi 18 / 696 Euro 22 / 1.646 Euro 21 / 485 Euro (-)
Mazda 6 2.2 MZR-CD 18 / 696 Euro 23 / 1.748 Euro 24 / 658 Euro
Mercedes C 200 CDI 20 / 789 Euro (+) 24 / 1.897 Euro (+) 24 / 658 Euro
Opel Insignia 2.0 CDTi 17 / 651 Euro 21 / 1.493 Euro 23 / 577 Euro
Skoda Octavia 2.0 TDI-PD 15 / 585 Euro (-) 19 / 1.272 Euro (-) 23 / 577 Euro
VW Passat 2.0 TDI 19 / 740 Euro 20 / 1.377 Euro 24 / 658 Euro
Obere Mittelklasse
Audi A6 3.0 TDI Quattro 21 / 835 Euro (-) 25 / 2.064 Euro (-) 27 / 961 Euro
BMW 530d 22 / 910 Euro (+) 28 / 3.112 Euro (+) 29 / 1.369 Euro (+)
Chrysler 300C 3.0 CRD 22 / 910 Euro (+) 25 / 2.064 Euro (-) 25 / 755 Euro
Jaguar XF 3.0 V6 Diesel 21 / 835 Euro (-) 28 / 3.112 Euro (+) 24 / 658 Euro
Mercedes E 350 CDI 21 / 835 Euro (-) 28 / 3.112 Euro (+) 28 / 1.120 Euro
Peugeot 607 V6 HDi FAP 205 22 / 985 Euro (+) 26 / 2.329 Euro 23 / 577 Euro (-)
SUV und Geländewagen
BMW X1 xDrive 18d 19 / 740 Euro 20 / 1.377 Euro 25 / 755 Euro
Ford Kuga 2.0 TDCi 4x4 18 / 696 Euro 20 / 1.377 Euro 22 / 536 Euro
Honda CR-V 2.2i-CTDi 18 / 696 Euro 22 / 1.646 Euro 21 / 485 Euro
Kia Sportage 2.0 CRDi 4WD 21 / 835 Euro (+) 19 / 1.272 Euro (-) 17 / 287 Euro (-)
Nissan Qashqai 2.0 dCi 4WD 16 / 616 Euro (-) 21 / 1.493 Euro 22 / 536 Euro
Renault Koleos 2.0 dCi FAP 4x4 21 / 835 Euro (+) 23 / 1.748 Euro (+) 23 / 577 Euro
Skoda Yeti 2.0 TDI CR 4x4 16 / 616 Euro (-) 19 / 1.272 Euro (-) 22 / 536 Euro
Suzuki Grand Vitara 1.9 DDiS 19 / 740 Euro 23 / 1.748 Euro (+) 23 / 577 Euro
Toyota RAV4 2.2 D-4D 4x4 19 / 740 Euro 22 / 1.377 Euro 21 / 485 Euro
VW Tiguan 2.0 TDI CR 4motion 18 / 696 Euro 19 / 1.272 Euro (-) 23 / 577 Euro
KH = Kfz-Haftpflicht, VK = Vollkasko, TK = Teilkasko; alle Beträge in Euro; Basis: 30-jähriger Angestellter aus Stuttgart, fünf Jahre unfallfrei (SF 5); Quelle: auto motor und sport; (+) = teuer; (-) = günstig
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Henning Busse

Autor:

auto motor und sport, Heft 23 / 2009

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