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Uhren-Seminare

Von der Leidenschaft für Uhren und Autos

Uhren-Seminar Unitas-Taschenuhrwerk 2009 Foto: Beate Jeske 7 Bilder

Was tickt da eigentlich in einem Zeitmesser - und warum? Uhren-Seminare geben spannende Einblicke in den mechanischen Mikrokosmos.

26.03.2009 Hans-Jörg Götzl

Gruppendynamische Selbsterfahrungs-Workshops wie Batiken oder Töpfern für den Frieden sind mittlerweile ein wenig aus der Mode gekommen. Steigender Beliebtheit erfreuen sich dagegen ein- oder zweitägige Seminare, in denen die Teilnehmer in die Geheimnisse der Uhrmacherkunst eingeweiht werden - und dann die Räumlichkeiten in der Regel mit einer selbst gebauten Uhr am Handgelenk verlassen.

Gespanntes Lauschen

Bis es so weit ist, bildet sich indes im Verlaufe eines Wochenendes mancher Schweißtropfen auf mehr oder weniger hohen Stirnen. Und ohne Theorie geht auch nichts, jedenfalls nicht bei Bernd Eckel, der seit vier Jahren im schwäbischen Kirchheim/Teck Einsteiger-Seminare abhält: Geschichte der Zeitmessung, Funktionsweise der Uhr, einzelne Baugruppen - alles wird von dem 45-jährigen Uhrmachermeister akribisch erläutert. Die maximal fünf Teilnehmer lauschen gespannt, stellen Zwischenfragen und diskutieren - etwa darüber, ob ein Chronometerzeugnis nun sinnvoll ist oder nicht. "Die meisten Teilnehmer sind einfach Uhrenfans, sie haben Freude an der Mechanik und besitzen häufig auch alte Uhren -  in ihrer Art erinnern sie oft an Oldtimerfahrer", sagt Bernd Eckel und ergänzt: "Die Bandbreite reicht vom Arbeiter bis zum Unternehmer; viele bekommen das Seminar von ihren Ehefrauen geschenkt."

Nach der Theorie folgt die Praxis

Zuerst geht es einem robusten, großen Taschenuhrwerk namens Unitas 6497 an den Kragen, wie es auch Panerai für einige Modelle verwendet. Jeder Teilnehmer hat einen kleinen Arbeitsplatz und sieht mit der umgeschnallten Uhrmacherlupe höchst professionell aus. Die meisten haben allerdings noch nie mit so kleinen Schraubendrehern gearbeitet, wie sie jetzt zum Einsatz kommen.

Das Unitas-Kaliber wird Schritt für Schritt zerlegt und anschließend wieder zusammengesetzt; währenddessen spart Bernd Eckel nicht mit Tipps und Tricks - beispielsweise dem, die Aufzugfeder vor der Demontage zu entspannen: Weil sich sonst die gesamte Energie auf einmal entlädt, alle Teile durch den Raum fliegen und man mindestens die Hälfte nie wieder findet. Bis das Unitas wieder tickt, ist es Abend. Es beginnt der gesellschaftliche Teil, man redet über Uhren, über Autos, über Uhren und wieder Autos.

Die Uhr in der Waschmaschine

Am nächsten Morgen wartet dann die eigentliche Herausforderung: ein Automatik-Kaliber ETA 2834-2, deutlich filigraner und weitaus komplizierter als das Taschenuhrwerk. Wieder wird das Werk komplett zerlegt, anschließend kommen alle Teile in eine spezielle Waschmaschine. Beim Zusammenbau müssen die Teilnehmer diesmal Schmierstoffe mittels winziger Öler an den entsprechenden Stellen anbringen; im Zweifel greift Bernd Eckel ein und achtet auch darauf, dass keine Teile übrig bleiben.

Endlich wieder einsatzbereit, erhalten die Uhrwerke Zifferblatt und Zeiger und werden behutsam in die bereitliegenden Gehäuse eingeschalt. Rückdeckel aufschrauben, aufziehen, dann kommt der Moment der Wahrheit - auf der Zeitwaage müssen alle Uhren zeigen, wie genau sie laufen. Eckel beruhigt: "Üblicherweise sind ETA-Werke von Haus aus äußerst exakt einreguliert." In der Tat - auch diesmal ticken alle Seminaruhren weit innerhalb der Chronometernorm.

Am Ende tickt die eigene Uhr

625 Euro kostet das Einsteiger-Seminar bei Bernd Eckel, für Fortgeschrittene bietet der gebürtige Bayer zudem ein Chronographen-Seminar an. Andere Uhrmacher haben neben Einsteigerkursen auch Workshops über Veredelungen oder spezielle Taucheruhren samt Dichtigkeitsprüfung im Programm. Allen Kursen gleich ist, dass der Teilnehmer am Ende seine Uhr mitnehmen und auf Nachfrage stolz versichern kann: "Die habe ich selbst gebaut."

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