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Unfallsicherheitsforschung

50 Jahre Crash-Tests bei Mercedes

Mercedes: 50 Jahre Crash Test Foto: Am 10. September 1959 führte Mercedes zum ersten Mal einen Crashtest durch. 16 Bilder

Vor 50 Jahren setzen Versuchsingenieure Oskar in eine Mercedes Heckflosse der Baureihe W111 und lassen ihn gegen ein Hindernis donnern - der erste Crashtest bei den Schwaben, die zu den Vorreitern der Fahrzeugsicherheit gehören.

10.09.2009 Powered by

Oskar ist ein Crash-Test-Dummie, der aus den USA eingeflogen wurde, um mit neuartigen Tests die Sicherheit weiter zu verbessern. Seit dem 10. September 1959 ist der Crash-Test mit Dummies zum festen Bestandteil der Sicherheitsforschung bei Mercedes geworden.

USA leisten die Pionierarbeit - bis Béla Barenyi kommt

Die Einführung der Crashtests ist ein Paradigmenwechsel in der Unfall- und Sicherheitsforschung. Zwar gibt es schon seit den 1930er-Jahren bei Mercedes Fahrzeugversuche, doch dienen diese vornehmlich der Beseitigung der Karosserieschwingungen.
 
1939 beginnt mit der Einstellung des Ingenieurs Béla Barenyi die systematische Erforschung und Verbesserung der (passiven) Fahrzeugsicherheit. Mehr als 2.500 Erfindungen gehen auf sein Konto, darunter die Sicherheitskarosserie mit gestaltfester Fahrgastzelle und definierten Knautschzonen an Front und Heck, die Barenyi mit seinem Team in den 1950er-Jahren entwickelt. Mit den neuartigen Crashtests können nun aussagekräftige Daten gesammelt werden, deren Auswertung maßgeblich zur Fahrzeugsicherheit beiträgt. Neu und messbar war unter anderem die Erkenntnis, dass die kinetische Energie, die bei einer Kollision auftritt als Bewegungsenergie an die Fahrzeuginsassen weitergeben wird.
 
Die Vereinigten Staaten sind in den 1950er-Jahren in der Fahrzeugsicherheitsforschung  mittels Crashtests die Vorreiter. Die Mercedes-Experten, die 1955 das Versuchsgelände von Ford in Dearborn besuchen, erkennen die große Bedeutung der Unfallforschung. Nach ihrer Rückkehr werden zunächst einzelne Komponenten der Karosserie und Innenausstattung auf ihre Crashsicherheit getestet, später wird ein Versuchsschlitten entwickelt, der zunächst eine Versuchspuppe - den Oskar getauften Dummie aus den USA - gegen ein festes Hindernis beschleunigt und damit eine Unfallsituation simuliert.
 
Beim ersten Crashtest 1959 wird der Versuchswagen der Baureihe W111 gegen eine Barriere aus alten Presswerkzeugen beschleunigt. Die Versuchsingenieure nehmen sich nach diesem ersten Test rund sechs Monate Zeit, um die Ergebnisse auszuwerten. Im März/April 1960 folgen drei weitere Crashtests, weitaus komplexer in ihrem Aufbau. So wird bereits ein Seitenaufprallcrash zweier W111-Limousinen simuliert und mit Hilfe einer Rampe können auch die Karosseriereaktion auf Überschlagunfälle untersucht werden.
 
Bei den ersten Versuchen werden die Fahrzeuge mittels eines Schlittens oder einer Schleppleine angetrieben, Ernst Fiala entwickelt 1962 eine Heißwasserrakete, die die Fahrzeuge bis auf 100 km/h beschleunigt.
 
Oskar, erster Held der Sicherheitsforschung, schuftet 30 Jahre lang
 
Oskar, der Dummy vom Typ VIP des Herstellers Alderson Research, wird bei Mercedes 30 Jahre lang bei Versuchen eingesetzt. In seinen ersten Jahren werden die weiteren Fahrzeuginsassen von Sandsäcken und Schaufensterpuppen imitiert. Ab 1972 sind acht Crash-Test-Dummies im Einsatz - der Stellenwert der Unfallsicherheitsforschung steigt. Von 1971 bis 1973 baut Mercedes in Sindelfingen ein neues Unfallversuchszentrum, nun können komplexe Szenarien wie Zusammenstöße mit anderen Fahrzeugen in verschiedenen Aufprallwinkeln, Überschläge und Seitenkollisionen untersucht werden. Ein Antriebsmotor mit einer Schubkraft von 53.000 Newton beschleunigt den Versuchswagen auf der 65 Meter langen Versuchsbahn auf die Zielgeschwindigkeit. Am einen Ende der Versuchsbahn prallen die Wagen auf ein 1.000 Tonnen schweres Hindernis, das auf einer Kraftmessplatte ruht, am anderen Ende können die Überschlagversuche durchgeführt werden.
 
Neue Erkenntnisse dank Offset-Frontalaufprall
 
1992 führen die Versuchingenieure von Mercedes zum ersten mal einen Offset-Frontalzusammenstoß durch. Damit bekommt die Fahrzeugsicherheitsforschung erneut eine neue Dimension, da nun die realen Unfallsituationen deutlich besser simuliert werden können. Bei diesem neuartigen Versuchaufbau wird ein Fahrzeug gegen eine deformierbare Barriere beschleunigt. Als neuer Mercedes-Standard wird ein Offset-Crash gegen eine verformbare Barriere aus Metallwaben bei 60 km/h und einer Überdeckung von 50 Prozent eingeführt.
 
Mit dem Neuen Mercedes-Benz Technologie-Center wird 1998 der nächste Schritt getan. Die Teststrecke wächst auf 95 Meter Länge, sodass nun sämtliche Versuchsszenarien in der Halle durchgeführt werden können. Neun Jahre später, 2007, wird die neuerliche Erweiterung begonnen - ein 100 Millionen Euro teures Projekt. Neben der Unfallsicherheitsforschung sollen auch Großprüfstände wie Klimakanäle und Fahrsimulator, die 2010 in Betrieb genommen werden, wichtige Daten für die Entwicklungen der Autos von morgen liefern.

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