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Unfallstatistik 1. Halbjahr 2011

Wieder mehr Verkehrstote

Versicherung Foto: Hersteller

1.809 Tote und 182.800 Verletzte gab es im ersten Halbjahr auf den Straßen in Deutschland. Deutlich mehr als im Vorjahr. Eine Trendwende sehen Fachleute darin aber nicht. Sie geben vor allem dem Wetter die Schuld - allerdings nicht nur ihm allein.

23.08.2011 dpa

Rasen und die Vorfahrt missachten - so kommt es zu den meisten schweren Unfällen auf deutschen Straßen. Dabei verleite schönes Wetter stärker zum Leichtsinn als schlechtes, wissen die Fachleute. Außerdem ziehen Wärme und Sonnenschein mehr Radler, Motorradfahrer und Fußgänger - also schlecht geschützte Verkehrsteilnehmer - auf die Straßen.

Trend zu weniger Verkehrstoten dennoch ungebrochen

Im ersten Halbjahr 2011 sind - erstmals seit 2007 - wieder mehr Menschen bei Unfällen gestorben und verletzt worden. Als Hauptursache nennen Fachleute unisono das völlig unterschiedliche Wetter beider Halbjahre. "Der Trend zu immer weniger Verkehrstoten ist nicht gebrochen", betont Wolfgang Steichele vom ADAC in München. "Das gute Wetter macht es aber leider schlechter." Es gibt jedoch auch noch andere Gründe.
 
So häuften sich wieder Unfälle, bei denen Autofahrer nicht angeschnallt waren, berichtet der Generalsekretär des Autoclubs AvD, Matthias Braun. "Das ist sehr erschreckend." Die Budgets für Verkehrserziehung seien mancherorts runtergefahren worden, nennt er einen möglichen Grund dafür. Die Landstraßen müssen noch sicherer werden, sagt Steichele.
 
Mit dem technischen Fortschritt steigt nach Einschätzung des Frankfurter Verkehrssoziologen Alfred Fuhr die Risikobereitschaft der Fahrer. "Wenn man Leute in große Sicherheit bringt, verhalten sie sich wieder riskanter." Dies könne eine unbeabsichtigte negative Folge der vielen Assistenzsysteme im Auto sein.
 
Die steigenden Unfallzahlen bei Motorradfahrern führen Braun und Fuhr auch darauf zurück, dass sich viele Männer zwischen 40 und 60 Jahren neue Maschinen kauften und deren PS-Stärke unterschätzten. "Mit 50 wollen sich manche noch mal die Harley leisten und glauben, dass sie es noch können", sagt Fuhr. Bei Jugendlichen in Deutschland seien Motorräder nicht so beliebt wie bei Gleichaltrigen etwa in Spanien oder Italien, ergänzt Braun.
 
Im Osten ist das Risiko, tödlich zu verunglücken, noch immer höher als im Westen. "Es kann nicht sein, dass 20 Jahre nach der Wiedervereinigung das Risiko in Mecklenburg-Vorpommern noch immer fast dreimal so hoch ist wie in Schleswig-Holstein", sagt Braun und fordert mehr Aufklärung in den neuen Ländern. Dagegen sagt Siegfried Brockmann von der Unfallforschung der Versicherer: "Die Zahlen täuschen, weil der Osten sehr großräumig ist mit wenig Städten und vielen Straßen dazwischen."
 
Baumunfälle allerdings seien in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern noch immer "mit Riesenabstand die Ursache Nummer 1". "Die vielen schönen Alleen erweisen sich hier als Fluch", sagt Brockmann. Er fordert Leitplanken für die gefährlichen Stellen.
 
Die Verkehrsführung in den neuen Ländern sei mancherorts noch so wie in den 1960er Jahren in der Bundesrepublik, erklärt Fuhr den Ost-West-Unterschied. "Das ist eine Verkehrslage, die Fahrfehler von 17 bis 19-Jährigen nicht verzeiht."
 
Viele jugendliche Beifahrer, insbesondere Mädchen, reagierten hilflos, wenn der etwa gleichaltrige Bekannte am Steuer Rennfahrer spiele, erklärt der Verkehrspsychologe Gründe für die Verkehrstoten in dieser Altersgruppe, in der es erstmals seit Jahren wieder einen Anstieg gab. Bei Discounfällen säßen oft Jugendliche oder junge Erwachsene am Steuer, die bis zu 13 Stunden nicht geschlafen hätten. "Sie gehen an ihre Grenzen und merken es nicht."

Gutes Wetter treibt Unfallzahlen hoch

Als Hauptursache für den breiten Anstieg der Verkehrstoten in der Statistik nennen die Fachleute aber durch die Bank das Wetter. Die ersten sechs Monate 2011 waren - gemessen am Durchschnitt vieler Jahre - alle zu warm, heißt es beim Deutschen Wetterdienst.
 
Der Winter Anfang 2010 hingegen war hart und lang. "bei schlechtem Wetter wird einfach weniger gefahren und man ist vorsichtiger", sagt Braun vom AvD. "Es war dieses Jahr schon im April sehr heiß, und damit hat die Motorrad- und Fahrradsaison früher begonnen", beschreibt Andreas Schepers von der Bundesanstalt für Straßenwesen die höheren Unfallgefahren im ersten Halbjahr 2011. Und Steichele vom ADAC berichtet: "Der Winter war kurz, wir hatten früh gutes Wetter und eine höhere Reisetätigkeit."

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