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24h-Rennen 2008 Nürburgring

Uni-Projekt: Turbo-Studium

Foto: Jürgen Gebhardt 4 Bilder

Dem Ingenieursmangel an den Kragen - das ist das Motto der RTWH Aachen. Mit einem 24h-Rennwagen-Projekt will die Hochschule junge Menschen für das Maschinenbau-Studium begeistern.

23.05.2008 Christian Gebhardt Powered by

"Als Hochschule haben wir die Aufgabe die Studenten für den Maschinenbau zu begeistern", erklärt Prof. Dr. Ing. Stefan Gies, Leiter des Instituts für Kraftfahrwesen (IKA) in Aachen. In siebenmonatiger Eigenarbeit entwickelte Gies gemeinsam mit einem Team aus 20 Studenten und Doktoranden ein Rennfahrzeug für das 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring. Als Basisfahrzeug wurde dabei die Rohkarosse eines Audi RS4 mit dem Motor und dem Antriebsstrang eines A4 3.0 TDI gekreuzt.

"Neben der praxisnahen Ausbildung der wissenschaftlichen Mitarbeiter und Studenten wollen wir mit diesem Projekt natürlich auch wissenschaftliche Erkenntnisse erlangen", beschreibt Gies einen weiteren Grundgedanken des Projekts. Besonders die hohen Fahrzeugbelastungen, die bei 150 Nordschleifen-Runden à 25 Kilometer über einen Zeitraum von 24 Stunden auftreten, liefern den angehenden Ingenieuren wichtige Erkenntnisse.

Sparsame Diesel-Technik

Nicht nur dem Material wird beim Höllen-Marathon alles abverlangt. "Das Reglement legt fest, dass jeder Fahrer maximal zwei Stunden ohne Zischenstopp fahren darf. Das wollten wir natürlich ausnutzen und haben daher auf Diesel-Technik gesetzt", sagt Gies als er die Motorhaube des Selbstzünders öffnet. Die Motorleistung des V6 und die Getriebeübersetzung wurden zudem von MTM optimiert und auf 300 PS (550 Nm) gesteigert.

Als ehemaliger Audi-Mitarbeiter im Bereich der Fahrwerksabstimmung überarbeitete Gies zusammen mit den rennsportbegeisterten Studenten auch das Fahrwerk. Durch ein spezielles Sportfahrwerk, einstellbare Stabilisatoren an Vorder- und Hinterachse sowie eine modifizierte ABS-Rennabstimmung wurde die Familien-Limousine zum Ausdauersportler getrimmt.

Studentischer Leichtbau

"Außerdem können wir technische Innovationen im Rahmen des Projektes ausprobieren", erzählt der Institutsleiter weiter, während er auf die Türen des RWTH-Rennwagens deutet. Für den Marathon-Einsatz auf der Nordschleife wurden extraleichte Türen und ein Heckdeckel aus kohlefaserverstärktem Kunststoff (CFK) entwickelt. Stabiler Leichtbau ist das Thema.

So kommen auch sogenannte Hybrid-Türen zum Einsatz, bei denen die Außenbleche der Serientüren aus Stahl durch CFK ersetzt wurden. Gegenüber normalen Türen von der Stange sind diese Türen über 20 Prozent leichter. "Der Schritt zu einer stabilen Tür komplett aus CFK-Strukturen wäre sehr interessant", erklärt Diplomingenieur Leif Ickert sein Doktor-Thema. Sein Professor im schwarzen Teamhemd gespickt mit zahlreichen Sponsor-Aufnähern nickt wohlwollend.

Teilespender aus der Industrie

Neben finanzieller Unterstützung aus Mitteln des Instituts sind für das Projekt die Sponsoren besonders entscheidend. Kein Wunder das kaum ein Zentimeter des mausgrauen Rennwagens nicht mit einem bunten Zuliefer-Aufkleber bepflastert ist. "Die Teile für unser Projekt haben wir glücklicherweise zum größten Teil umsonst bekommen. Da wir neue Technologien ausprobieren, unterstützen uns die Hersteller sehr", erklärt Projektleiter Gies.

Der Aufbau des Rennwagens erfolgte ausschließlich in der Freizeit der Studenten. Über mangelnde Mitarbeit konnte sich der Professor aber nicht beklagen. "Bisher arbeiten die Studenten nur am Aufbau des Autos mit, aber ich will in Zukunft auch Nachwuchskräfte hinter dem Steuer haben", sagt der schnelle Professor, der sein Projekt als Rennfahrer auf der Nordschleife hautnah am Steuer mitbetreut.

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