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Trabant nT

Der Retro-Trabi ist ein echter Stromer

Trabant nT Foto: Beate Jeske 19 Bilder

Knapp 20 Jahre nach Produktionsende soll der Trabant als Elektroauto wieder auferstehen. Zwar fehlt noch ein Investor, an Begeisterung mangelt es den Initiatoren jedoch nicht.

20.12.2009 Dirk Gulde Powered by

Margot Herrmann hat sich soeben verliebt: "Ist der süß! Unserer war auch hellblau mit weißem Dach." Wie viele andere Passanten tätschelt die Zwickauerin dem am Dom geparkten Trabi Kotflügel und Lichter. Nur einordnen kann sie ihn nicht so recht: "Wer baut die alten Wagen denn jetzt so schön um?"  Niemand - der Trabant nT ist nicht nur ganz neu, sondern auch rund 40 Zentimeter län­ger als das berühmte Vorbild. Seine Passagiere müssen also nicht mehr so eng zusammen­rücken wie früher.

Der neue Trabi ist 40 Zentimeter größer

Den größten Unterschied zur millionenfach gebauten Ur-Pappe gibt er jedoch erst beim Losfahren preis: Ohne würzig-blaue Zweitakt-Fahne und vor allem völlig lautlos setzt er sich in Bewegung, worauf seine Macher besonders stolz sind. "Vom Stinker zum Öko-Trend­setter", fasst Klaus Schindler das Konzept des Elektro-Tra­bant zusammen. Die Vorge­schichte: 2007 präsentiert sei­ne Modellauto-Firma Herpa auf der IAA den 1:10-Entwurf für einen möglichen Trabant-Nachfolger. Die Resonanz ist so überwältigend, dass zwei Jahre später ein Exemplar in Lebensgröße folgt. Mit einem Fragebogen soll geklärt werden, was Messebesucher von Design und einem möglichen Elektroantrieb halten.

Trabant nT noch ohne Investor

"Die Leu­te haben uns die Bude einge­rannt. Manche dachten, der Fragebogen sei ein Kaufvertrag und hätten am liebsten gleich unterschrieben", lacht Schind­ler. Kein Wunder, denn von 7.000 Befragten loben über 80 Prozent das Design.  Auch hier in der Zwickauer Fußgängerzone sorgt die Neu­interpretation der Ost-Ikone für Begeisterung. "Die Form passt hundertprozentig. Nicht nur wegen der Historie.

Der Tra­bant muss sich hinter einem Mini nicht verstecken" - Ford-Fahrer Helmut Lange würde seinen Ford Focus am liebsten gleich eintauschen. Doch Inte­ressenten müssen sich noch gedulden. Denn zunächst muss ein Geldgeber gefunden werden, der in den Aufbau ei­ner Serienfertigung investiert. Kein einfaches Unterfangen, da die Mehrheit der IAA-Befragten den Elektroantrieb an sich zwar befürwortete, gleichzeitig je­doch 20.000 Euro als absolute Preisobergrenze festlegte. So viel kostet allein die geplante Lithium-Ionen-Batterie des Zweitürers, die mit 22 kWh für 160 Kilometer Reichweite gut sein soll. Daher denken die Trabant-Macher an ein Lea­sing-Modell, bei dem nur das Auto gekauft, für den Akku je­doch nach gefahrenen Kilome­tern abgerechnet werden soll.

Der Trabant soll nur mit Elektromotor gebaut werden

Kein Problem stellt hingegen dessen Unterbringung dar: Für eine ausgewogene Gewichts­verteilung soll der Stromspen­der in den Mitteltunnel wan­dern.  Beim bedingt fahrbereiten Pro­totyp befindet sich noch eine kleine Vier-kWh-Batterie im Kofferraum. Als Alternative ist auch eine Version mit kleinerem und damit günstigerem Akku im Gespräch, den ein zusätzlicher Benziner als Not­stromaggregat auf längeren Strecken auflädt. Der von einigen, meist osteuropäischen Interessenten geäußerte Wunsch nach einer reinen Ver­brenner-Variante soll hingegen nicht realisiert werden.

USB- und Zwölf-Volt- Buchsen statt Aschenbecher und Radio

Schind­ler sieht darin den Trendauto-Nimbus gefährdet. Kerstin Hübner ist noch aus einem anderen Grund froh über den Elektroantrieb, denn dadurch entfällt das Getriebe. "Mit der alten Schaltung bin ich ja nie so richtig klar gekommen." Die zweifache Mut­ter registriert daher erleichtert, dass der Hebel nur optisch dem Griff der alten Krück­stockschaltung nachempfun­den wurde. Auch sonst finden sich viele Anleihen an das Ur-Trabant-In­terieur, wie die kleine Tacho-Hutze und offene Ablagen un­ter dem Armaturenbrett, die viel mehr Utensilien schlucken als Handschuhfächer moder­ner Kleinwagen. Im Mittelteil, wo einst Aschenbecher und Radio steckten, befinden sich heute USB- und Zwölf-Volt- Buchsen für portable Navigati­onsgeräte und MP3-Player.

Der Trabant hat Solarzellen auf dem Dach

Um den kostbaren Batterie-Strom nicht für Komfortfunkti­onen zu verplempern, speist eine Solarzelle auf dem Dach bei Sonnenschein bis zu 120 Watt zusätzlich ein. Damit lässt sich schon Radio hören oder im Stand das Gebläse betrei­ben, damit sich der Zweitürer nicht zu sehr aufheizt.  Wenn sich ein Investor für die Elektro-Pläne begeistert, könnten schon in zwei Jahren die ersten Modelle vom Band laufen. Für Margot Herrmann wäre das kein Problem: Ihr letzter hellblauer Trabi mit weißem Dach ließ schließlich über 13 Jahre lang auf sich warten.

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