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Unterwegs mit dem Mobilkran Tadano Faun ATF 160G-5

530 PS gegen 60.000 Kilogramm

Tadano Faun ATF 160G-5, Frontansicht Foto: Beate Jeske 23 Bilder

Die Sache hat einen Haken. Den braucht sie. Denn die Sache ist ein Kran, ein Fahrzeugkran: Erst fährt er, dann hebt er Lasten, die fast drei Mal so schwer sind wie er selbst. Aber ganz so einfach ist die Sache dann doch nicht.

22.11.2012 Michael Orth

Ein leises Zischeln begleitet ihr Tun. Im Halbsekundentakt sortiert die Automatik einen Gang nach dem anderen, als Hermann Borst seinen Kran in Bewegung setzt. Vor dem Cockpit schaukelt minimal die an einer Stahlschlinge befestigte Kranflasche, die allein 600 Kilogramm wiegt. Darüber ragen Rollenkopf, Kranarm und Auslegerverlängerung ins Bild, und mit unschöner Regelmäßigkeit flackert einem das orangefarbene Licht der Warnleuchten in die Augen, während auf der Straße allmählich der frühe Berufsverkehr zu seiner Unordnung findet. Die erste Geduldsprobe für Hermann Borst.

"Fährt sich wie ein Auto"

Er strahlt aus, was es als Kranfahrer braucht: Gelassenheit. "Es sind immer welche dabei, die nicht verstehen, dass und auch warum wir Kolonne fahren müssen." Dem Kran folgt ein Tieflader mit Ballastgewichten, vorneweg oder die Kolonne nach hinten sichernd fährt ein Begleitfahrzeug, ohne das der Kran gar nicht erst auf die Straße dürfte. "Fährt sich wie ein Auto", sagt Borst lapidar. "Alles eben ein bisschen größer, ein bisschen schwerer, ein bisschen lauter."

Der Mann untertreibt. Zwar ist auf den luftgefederten Sitzen von der Masse dieses Monstrums nichts zu spüren, während der Mobilkran der Marke Faun sanft brummelnd auf der Autobahn rollt. Kaum aber steigt die Straße, schwindet das Tempo, während der Lärm zunimmt. 530 PS gegen 60.000 Kilo. "An manchen Hängen sind wir langsamer als 30, über manche Brücken müssen wir alleine fahren und nicht schneller als mit zehn km/h – der Vibrationen wegen."

Mobiler Kran darf vorgeschriebene Route nicht verlassen

Runter von der Autobahn und nach zwei, drei Abzweigen in ein Wohngebiet. Dort wirken die drei Meter Breite des Kranwagens wie fünf. "Kann schon auf Hauptstraßen eng werden", sagt Borst, während er den nach vorn ragenden Teleskopausleger an einem Spielstraßenschild vorbei zirkelt. "Wenn alles nichts hilft, muss halt die Polizei her und ein Hindernis beiseite räumen lassen. Wir dürfen unsere vorgeschriebene Route ja nicht verlassen."

Auf der kommt kurz vor dem Ziel so einiges zusammen. Und verkeilt sich: Der Tieflader mit den Laststücken, einem Edelstahlkamin für ein Heizkraftwerk, wartet am Straßenrand, ein Bus kommt nicht vorbei. Der Kran weicht zur Seite aus,einer  von links kommenden Kombilenkerin steigt die Angst in die Augen: wohin? Borst setzt zurück, zirkelt den Kran vor eine Ausfahrt.

Der Busfahrer schimpft unterdessen auf der Straße stehend wild gestikulierend. In der Ausfahrt ein Auto, darin ein Mann im grauen Anzug mit empörtem Gesicht. Borst behält die Nerven. Er weiß, er braucht sie noch. "Der Kranfahrer muss der ruhende Pol sein. Immer." Viele Lasten sind nicht nur Tonnen, sondern auch Millionen schwer, und ein Fehler an den Steuerknüppeln des Krans kann lebensgefährliche Folgen haben. Zum Beispiel für Borsts Kollegen auf dem Lkw.

Erfahrung, Konzentration und das richtige Gespür

Stephan Ludwig fixiert gerade Baggermatratzen am Haken – Stahlplatten, die unter den Kranstützen liegend die Last verteilen. Anschließend kettet er die je zwölf Tonnen schweren Ballastgewichte an. "Wenn ich die nicht ganz gerade hochziehe, fangen sie an zu schwingen ..." Borst redet nicht zu Ende, er deutet nur auf seinen Kollegen, aber es ist klar, was er meint: Dann ist der da drüben platt.

Eine Dreiviertelstunde dauert es, bis der mobile Kran sicher abgestützt steht und Borst sich daran macht, die zwei langen Edelstahlröhren des Kamins an den Haken zu nehmen. Eine Art Gyrometer zeigt ihm, wie stark die Kranbasis sich bewegt – mehr als ein Grad, und es wird kritisch –, ein weiteres Display informiert über Ausfahrhöhe, Mastneigung, aktuelle Last und Druckverteilung am Boden. Nützliche Informationen, doch was wirklich zählt, ist in keiner Anzeige zu sehen. Nur in Hermann Borsts Gesicht steht es: Erfahrung, Konzentration und das richtige Gespür.

Klappernd straffen sich die Ketten, dann, langsam, richtet sich die Kaminröhre auf, Borsts Kollege kreiselt mit dem Zeigefinger und stößt ihn ein paar Mal nach oben. Das ist das Zeichen. Nicht ein bisschen schwingt die Röhre, als Borst sie anhebt. Nach links dreht sie über ein Haus hinweg, als wiege sie nichts und schwebe von alleine. Und das ist wohl der eigentliche Haken an der ganzen Sache: Es sieht so leicht aus.

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