Urban Challenge 2007: Wenn Roboter fahren

"Was unseren Autos noch fehlt", so VW- Forschungschef Leohold, "ist ein Button am Instrumententräger mit der Aufschrift: ’Bring me home’." Eigentlich eine gute Idee: Wenn man müde oder etwas angesäuselt ist, kutschiert einen das Auto ohne eigenes Zutun nach Hause.

Das Ganze könnte schon in ein paar Jahren Wirklichkeit werden. Denn einen ersten Schritt dorthin machten die Forschungsfahrzeuge, die bei der DARPA Urban Challenge im kalifornischen Victorville am Wochenende dabei waren.

Schutz im Schlachtfeld

Veranstaltet von der militärischen Forschungsbehörde der USA, sollten die Teilnehmerautos beweisen, dass sie völlig autonom von A nach B gelangen - und dabei noch verschiedene "Missionen" - etwa das Auffinden einer bestimmten Adresse, das Umfahren von Hindernissen, Einparken, Wenden - erfüllen. Binnen sechs Stunden waren dabei 60 Meilen zurückzulegen. Während die teilnehmenden Teams Themen wie Fahrerassistenz und Unfallsicherheit im Fokus hatten, sprach DARPA-Direktor Norman Whitaker unumwunden über die militärische Nutzung dieser Technik: "to protect people in the battle field" (übersetzt: "um Menschen auf dem Schlachtfeld zu beschützen").

"Annie Way" gegen "CARolo"

167 Mannschaften bewarben sich um die Teilnahme, schließlich waren zwei Millionen Dollar Preisgeld ausgeschrieben. Im Rahmen mehrerer Ausscheidungsläufe blieben elf Finalisten für den Wettbewerb am Samstag (3.11.) übrig, darunter allein drei VW Passat. Sie wurden Reglements-konform von amerikanischen Forschungseinrichtungen gemeldet, sind aber in punkto Hardware größtenteils in Deutschland entwickelt worden.

Als Favorit ging der "Junior" der Stanford University ins Rennen - jenes Team hatte bereits 2005 beim damaligen Wüstenrennen spektakulär mit einem VW Touareg ("Stanley") den martialischen US-SUV den Sieg weggeschnappt. Auch die Universitäten Braunschweig ("CarOLO") und Karlsruhe ("AnnieWay") setzten Passat Variant ein und wurden dabei von VW unterstützt. Ein vierter Passat schied bereits im Viertelfinale aus, er wurde vom Hamburger Software-Spezialisten Ibeo-Sick ausgerüstet. Die mit extrem viel Technik ausgestatteten Autos boten erstaunlicherweise mindestens vier Sitzplätze und einen annehmbaren Kofferraum.

Stunt-Driver als Verkehr-Simulanten

Bei den anderen Finalisten handelte es sich überwiegend um große SUV beziehungsweise Pickups vom Schlage eines Chevrolet Tahoe oder Ford F 250, selbst ein riesiger Oshkosh-Truck (wie er als US-Militärfahrzeug im Irak unterwegs ist) quälte sich durch die Straßen der Geisterstadt Victorville nahe Los Angeles. Hier musste völlig regelkonform gefahren werden, mehr als 50 Ford Taurus (bewegt von Helm-bewehrten Stunt-Drivern) simulierten den fließenden Verkehr. Anhalten an einer Kreuzung, Abbiegen nach links (selbstverständlich ordentlich blinkend), Überholen - die Autos bewegten sich so, wie man es gewöhnt ist. Aber eben ganz ohne Fahrer. "Die größte Herausforderung", so Stanford-Projektleiter Sebastian Thrun, dessen Team die Software des "Junior" entwickelt hatte, "sind Kreuzungs-Situationen, wenn gleichrangige Straßen aufeinander stoßen." Vollgestopft mit Hightech-Computern und sündhaft teurer Sensorik und Aktuatorik mussten die unbemannten Fahrzeuge je nach Situation selbst entscheiden.

Unheimlich, fast schon gespenstisch, wie zuverlässig zumindest diese elf Autos dies taten. Noch im Viertelfinale war ein Porsche Cayenne ohne zu bremsen in eine Mauer gekracht, und ein elektronisch überfrachteter Lotus Elise versuchte eine Wand hochzufahren. Selbst zu Zusammenstößen kam es, und beim ersten Probestart standen alle still - weil sich die Elektronik gegenseitig eliminiert hatte.

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Eberhard Kittler

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