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Urban Future Award

Die Metropole von morgen

Urban Future Award, Zukunftsvision Foto: Hersteller 7 Bilder

Mit einem vielschichtigen Urbanitätskonzept für die 53-Millionen-Einwohner-Region Boston/Washington gewinnen die US-Architekten Höweler + Yoon den Audi Urban Future Award. Aus diesem Entwurf will Audi-Chef Rupert Stadler das Lastenheft für eine Stadt der Zukunft entwickeln.

01.03.2013 Martin Häußermann

Mobilität in der Stadt soll auch in Zukunft Spaß machen“, sagt Rupert Stadler. „Wer permanent nach Fortschritt sucht, muss auch den Mut haben, umzudenken und Bestehendes in Frage zu stellen. Das ist der Kern unserer Unternehmenskultur“, ergänzt der Audi-Chef. Deshalb müsse ein Autohersteller über den Tellerrand der eigenen Produktwelt blicken. Diesen Blick über den Horizont der Modellpalette hinaus pflegt Audi nicht zuletzt mit seiner Urban Future Initiative, deren Ziel es ist, Visionen für die Stadt und die urbane Mobilität der Zukunft zu erarbeiten.

Städte spielen für Unternehmen, die mit Mobilität Geld verdienen, eine immer wichtigere Rolle. Schließlich leben seit 2010 global erstmals mehr Menschen in der Stadt als auf dem Land, mit steigender Tendenz. Experten erwarten, dass im Jahr 2030 weltweit fünf Milliarden Menschen in Ballungsräumen leben werden und nur 3,5 Milliarden auf dem Land. Die massive Verdichtung der Ballungsräume wird deren Verkehrsprobleme noch weiter verschärfen

Von sechs auf 53 Millionen

Diese Zukunft ist in Boswash, einem US-Ballungsgebiet an der Ostküste, das sich von Boston bis Washington D.C. erstreckt, bereits Realität – und deshalb für die dort lebenden Architekten Eric Höweler und J. Meejin Yoon ein ideales Anschauungsobjekt für die Vision einer ebenso menschen- wie mobilitätsfreundlichen Stadt. „Diese Megacity-Region, geprägt durch ein wucherndes Netz von Randgebieten, Außenbezirken und dicht besiedelten Innenstadtbereichen, explodierte von sechs auf 53 Millionen Einwohner, Jahrzehnte bevor ihre Existenz wahrgenommen wurde“, beschreibt Eric Höweler den Status Quo.

Ein neuer amerikanischer Traum

Dahinter stecke der alte amerikanische Traum: Leben im Einfamilienhaus mit Doppelgarage und Vorgarten in einem idyllischen Vorort, kombiniert mit einem guten Job in der City. Die Wege von und zum Arbeitsplatz werden mit dem Auto zurückgelegt, und für etwas längere Strecken steigen die Amerikaner ins Flugzeug. „Kurzstreckenflüge sind zu einem amerikanischen Verkaufsschlager geworden“, stellt der Architekt fest und sieht als Ursache die praktisch ständig verstopften Straßen und die Ineffizienz des Schienenverkehrs. Sein Fazit: „Ganz Amerika scheint durch ein Mobilitätsmodell strukturiert worden zu sein, das wir uns finanziell, ökologisch und sozial nicht mehr leisten können.“ Ein Modell übrigens, das weltweit exportiert wurde.

Dagegen stellen die Architekten ihr Projekt Boswash, das auf gebündelte Infrastrukturen setzt. Eine zentrale Rolle spielt darin der bisherige Highway Interstate 95, dessen modifizierte Trasse im Architektenplan zur Mobilitäts-Hauptschlagader der Region wird, indem sie öffentliche wie individuelle Verkehrsträger bündelt. So könnten auf einer solchen Trasse auch Hochgeschwindigkeitszüge mit 320 km/h verkehren und damit die Kurzstreckenflüge ausstechen.

Diese Idee hat einen konkreten Gegenwartsbezug, denn die Obama-Administration will Milliarden Dollar in die Entwicklung von Hochgeschwindigkeitszügen und deren Infrastruktur stecken. In diesem Mobilitäts-Verbund findet jeder das passende Verkehrsmittel, die letzten Kilometer vom Bahnhof zum Wohnort können mit einem Elektrofahrzeug zurückgelegt werden. „Und dieses E-Auto muss man nicht selbst besitzen“, sagt Eric Höweler.

Shareway und Sharestay

Die Lösung sei ein Beteiligungsprogramm namens Shareway. „Hier geht es um Individualität und Bequemlichkeit, aber nicht unbedingt um Besitz“, erläutert der Architekt die Vision und erweitert den Gedanken aufs Wohnen.

Er hat die Idee, dass Menschen in Zukunft nicht unbedingt ein eigenes Haus kaufen, sondern nach Bedarf via Internet mal ein Apartment in New York, mal ein Landhaus in Connecticut mieten. Sharestay heißt hier das Zauberwort. Die Kombination aus Shareway und Sharestay schaffe Möglichkeiten, die Landschaft attraktiver zu gestalten: „Der Traum, den wir anbieten, ist nur eine kleine Weiterentwicklung des amerikanischen Traums. Keine Revolution, sondern Evolution. Wir nehmen nichts weg, wir verändern nur ein wenig.“

Eric Höweler wird das Boswash-Projekt auf dem auto motor und sport-Kongress am 11. April in Stuttgart im Detail präsentieren und mit dem Auditorium diskutieren.

Die Audi Urban Future Initiative

Audi gründete die Urban Future Initiative im Jahr 2010 und verlieh im selben Jahr auch den ersten Award. Anlass für das Engagement des Autoherstellers waren Forschungsergebnisse, welche die Stadt der Zukunft wegen Luftverschmutzung und Verkehrsinfarkts völlig autofrei sahen. Statt nur die Forschung anderer zu beobachten, mischt Audi seither aus eigenem Interesse selbst in diesem Denk- und Diskussionsprozess mit und regt einen interdisziplinären Dialog der Fachleute aus den Bereichen Mobilität, Architektur und Stadtentwicklung an.

Entsprechend interdisziplinär und hochkarätig ist die Jury des Award besetzt. Zu den Mitgliedern gehören Diana Barco, Architektin und Gründerin der Rogelio Salmona Foundation (Kolumbien); Christian Gärtner, Kurator und Vorstand der Stylepark AG (D); Adam Greenfield, Netzwerkdesigner und Gründer von Urbanscale (USA); Harish Hande, Vorstand und Gründer Selco Solar (Indien); Wang Lu, Architekt, Journalist und Gründer von Studio in+of architecture (China); Rupert Stadler, Vorstandsvorsitzender der Audi AG (D); John Thackara, Designtheoretiker und Direktor von Doors of Perception (GB); Yesim Ustaoglu, Filmemacherin (Türkei) sowie Jürgen Mayer H., Gründer von Jürgen Mayer H. Architects und Gewinner des Audi Urban Future Award 2010 (D).

Die Internationalität des Themas unterstreichen auch die weiteren Nominierten des Award 2012, die sich mit der Problematik ihres jeweiligen Standorts beschäftigten. Dies waren die Architekturbüros Superpool in Istanbul (Türkei), CRIT in Mumbai (Indien), Node im Pearl River Delta (China) und der Urban Think Tank in Sao Paolo (Brasilien). Im nächsten Schritt des Audi Urban Future Award wird die Vision des Gewinnerteams 2012 als City Dossier weitergeführt. Dieses City Dossier steht für einen Prozess von mehreren Workshops, in denen die siegreichen Architekten Höweler und Yoon zusammen mit Audi-Experten aus unterschiedlichen Bereichen konkrete Pilotprojekte für das Projekt Boswash definieren, die dann auf kommunaler Ebene diskutiert und angegangen werden sollen.

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