Jetzt auch für: iPhone, iPad, Android und Windows
Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

US-Autobauer

Erfolglos auf Betteltour

Foto: dpa

Die mächtigen Konzernchefs aus den glitzernden Autobauer-Türmen Detroits wirkten plötzlich ganz klein und matt. Wie Schuljungen, nach einem bösen Streich zum Direktor einbestellt, saßen die Lenker von General Motors (GM), Ford und Chrysler vor dem Bankenausschuss des US-Senats, und in der Tat hatten sie einiges zu erklären.

19.11.2008

Weshalb die drei taumelnden amerikanischen Autogiganten noch einmal 25 Milliarden Dollar (20 Mrd. Euro) an Darlehen benötigen, ob es denn die letzte Betteltour sein würde - und ob Autos made in USA endlich in eine konkurrenzfähige Zukunft steuern. Doch am Ende schien es, als hätten Rick Wagoner, Alan Mulally und Robert Nardelli nicht allzu sehr überzeugt.

Wagoner mit Drohszenario

Das Trio malte das Schicksal des Landes in den düstersten Farben, sollten die einstigen "Big Three" zum Untergang verdammt sein. Ein Bankrott, so GM-Chef Wagoner, "würde auf die Wirtschaft durchschlagen wie ein bislang ungekannter Tsunami". Das Darlehen zu verweigern wäre ein "gewaltiges Glücksspiel", fügte der Boss des Opel-Mutterkonzerns am Dienstag (18.11.) fast drohend hinzu. Millionen Jobs stünden auf dem Spiel, warnten alle drei unisono. Bis zu 4,5 Millionen Menschen hingen im weitesten Sinn von der Branche ab - rund drei Prozent aller US-Beschäftigten. So knüpften die Manager taktisch geschickt an ihren populärsten Kronzeugen an: Der künftige US-Präsident Barack Obama hatte die Autoindustrie kürzlich das "Rückgrat der US-Wirtschaft" genannt.

Und alle drei rückten die knappen Verbraucherkredite als Übel in den Vordergrund, nicht unbedingt ihre Managementfehler. Immerhin: Als Symbol erklärte sich das Trio bereit, für ein Jahresgehalt von einem Dollar zu arbeiten wie der einstige Chrysler-Chef Lee Iacocca, der dem Unternehmen 1979 damit schon einmal einen Staatskredit sicherte.

Senatoren zeigen sich unbeeindruckt

Aber die Senatoren, Republikaner wie auch viele Demokraten, zeigten sich eher unbeeindruckt. "Sie wollen für Wunden behandelt werden, die Sie sich nach meiner Auffassung selbst zugefügt haben", sagte Ausschussvorsitzender Chris Dodd, der sich aber zuvor für weitere Hilfen ausgesprochen hatte. Die Industrie habe versäumt, sich anzupassen, "und nun zahlen wir alle den Preis". Republikaner Jim Bunning warnte vor einem "Blankoscheck". Erst müsse die Produktivität stimmen. Parteifreund Richard Shelby fragte mit Blick auf den geforderten Kredit nur: "Ist dies das Ende oder erst der Anfang?"

Auch viele Experten warnen angesichts miserabler Erfahrungen mit staatlichen Rettungsversuchen in der Branche eindringlich vor einer unendlichen Geschichte: "Investitionen in die großen Autobauer würden derzeit nur bedeuten, schlechtem Geld noch gutes hinterherzuwerfen", sagte der New Yorker Finanzprofessor David Yermack.

Obama-Amtszeit kommt vielleicht zu spät

Der US-Absatz von GM etwa stürzte zuletzt um 45 Prozent ab, pro Monat verbrennt der Opel-Mutterkonzern mehr als zwei Milliarden Dollar. Ohne neue Staatsgelder sei GM in wenigen Monaten oder gar Wochen pleite, warnte Wagoner. Doch manche Fachleute merken kritisch an, auch mit öffentlichen Milliarden drohe wegen der aussichtslosen Lage die Insolvenz - der Tod komme dann eben auf Raten.

Ohnehin gibt es wenig Hoffnung, dass die Autobauer schnell an das Geld kommen, wenn überhaupt. Am Ende der vierstündigen Anhörung im Senat gab Vorsitzender Dodd zu Protokoll, der Vorschlag der Demokraten, die Summe vom 700-Milliarden-Rettungspaket abzuzweigen, finde nicht genügend Unterstützung im Kongress. Anders könnte es im Januar aussehen, wenn der neue Kongress seine Arbeit aufnimmt: Dann können sich die Demokraten auf eine größere Mehrheit stützen - vielleicht zu spät für die "Big Three".

Kommentar schreiben

Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie und Ihre Meinung.

Neues Heft
Empfehlungen aus dem Netzwerk
Whatsapp
Immer auf dem neuesten Stand mit unserem WhatsApp-NewsletterJetzt kostenlos anmelden