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US-Schrottplätze

Rust never sleeps

Foto: Schulz, Daute 22 Bilder

Halb versunken im Wüstensand und mumifiziert von einer sengenden Sonne, dämmern tausende Automobile im Süden der Vereinigten Staaten der Ewigkeit entgegen. Eine Entdeckungsreise auf den Schrottplätzen in den Wüstengegenden von Arizona, Texas und New Mexico.

12.11.2008 Frank R. Schulz Powered by

Der Kühlschrank in unserem Camper ist randvoll mit Dosenbier und T-Bone-Steaks. Im Radio läuft Musik von den Blues Brothers. Brabbelnd meldet sich der amerikanische Achtzylinder zu Wort, als mein Reisebegleiter John den Zündschlüssel dreht. Endlich: Die seit der Schulzeit verschobene Schrottplatzreise durch den Süden der USA geht los. Von Rhythm & Blues begleitet, steuern wir im Norden von Dallas/Texas unser erstes Szene-Ziel an, den Pate Swap Meet.

Vor Ort bieten professionelle und private Anbieter ein buntes Bild. Flohmarktbesucher und Hardcore-Schrauber flanieren zwischen großzügig dimensionierten Ausstellerreihen. Wir treffen Dwayne, einen alten Bekannten, der seit vielen Jahren mit Chevy-Teilen handelt. "Es läuft noch schleppend", gibt er nach einer herzlichen Begrüßung zu. Dann erzählt er mit einem Leuchten in den Augen von dem neuen Trend.

Insider-Tipp: Chevy Nova

"Der Nachwuchs steht auf Chevy-Kombis aus den späten Sechzigern und frühen Siebzigern." Er deutet auf einen 69er Bel Air Kombi, türkis-metallic lackiert. "Billig geduscht", raunzt John nach einem fachkundigen Blick auf die Verkaufslackierung. Stimmt. Trotzdem sieht der Wagen, mit den wuchtigen Chrom-Sportfelgen, der türkisfarbenen Original-Innenausstattung und der Grünkeilscheibe, wirklich gut aus.

Immer wieder bleiben Interessierte stehen und umkreisen die einst dröge Familienkutsche.
Ein weiterer Klassiker mit Entwicklungspotenzial: der Chevy Nova. Früher verlacht, wird er jetzt zum gesuchten Sammlerobjekt. Auch Ford Mustang aus den 60er Jahren sind auf dem Pate Swap Meet auffallend teuer. Das Macho-Image, geprägt durch den Film "Bullit" mit Steve McQueen, hat die Preise galoppieren lassen. Nur die zweitürige Stufenheckversion ist bezahlbar, zu haben ab 2.500 Dollar.

Am nächsten Tag geht es Richtung Süden, vorbei an New Braunfels, der größten deutschstämmigen Siedlung Amerikas. Auffallend viele Pick-up-Trucks prägen das Straßenbild im Heimatstaat des US-Präsidenten George W. Bush. Endlich, an der Kreuzung zum Big Bend National Park, entdecken wir neue Schönheiten: Auf einem verwilderten Gelände mit einem verlassen wirkenden, hölzernen Bahngebäude blinzelt uns ein 59er Chevy Impala an.

Verblühte Hippie-Mädchen und ebensolche Fahrzeug-Wracks

Neugierig betreten wir das Gelände. In meterhohem Gras verstecken sich ein 57er Ford Fairlane Coupé, mehrere Pick-ups aus den Fünfzigern, ein Mercedes Ponton und ein 66er Ford Mustang Cabriolet. Auf unser Rufen erklingen aus einem schäbigen Wohnwagen Geräusche. Ein Hund kläfft, dann öffnet sich knarzend die Tür. Das verblühte Hippie- Mädchen Marlene sieht uns fragend an und zeigt uns dann das Classic Car Gelände."Das gehört alles Ted", sagt sie und macht eine ausladende Handbewegung: "Er sammelt alles."

In Gedanken zerlege ich bereits den schrottreifen 66er Mustang, den uns Marlene zeigt, doch wir müssen weiter. Am Ortseingang von Fort Davis sehen wir rund 50 Oldtimer hübsch aufgereiht im Freien. Wir erfahren, dass das alte Blech Sammlern gehört, die ihre Schätze wegen der Gefährdungshaftung (vor allem gegenüber Kindern) nicht auf öffentlichen Straßen stehen lassen können. Zum Verkauf steht hier leider nichts.

Über Pecos, Red Bluff und Carlsbad fahren wir zum Brantley Staudamm und schließlich weiter in die UFO-Stadt Roswell. Außerhalb der Stadt besuchen wir die Classic Car Goldgrube "Diamond Auto Parts". Der Name ist hier Programm. Auf einem riesigen Freigelände stapeln sich so gut wie alle Autoraritäten der 50er bis 70er Jahre. Einheimische Händler berichten uns, dass der Eigentümer ein kauziger Kerl sei, der so gut wie nie anzutreffen ist. Schrauber der Region lecken sich alle Finger nach den Teilen, die man durch einen hohen Metallzaun zwar gut sehen kann, aber an die man eben leider nicht herankommt.

Michael Briggs, Inhaber von "Jim’s Auto Sales", weiß sich aber auch anders zu helfen: "In New Mexico sind die Teile ohnehin viel günstiger als in Texas", sagt er, nachdem wir eine Weile interessiert um seinen 64er Mercury Comet geschlichen sind.

Kompletter Schrottplatz für 180.000 Dollar

Westlich von Alamogordo stoßen wir auf "Continental Specialties". Der grantelnde Inhaber hat sich auf alte Volkswagen spezialisiert. Als er bemerkt, dass wir ehrliches Interesse zeigen, bietet er uns das komplette Gelände inklusive aller Fahrzeuge für 180.000 Dollar an. Der 70-jährige Witwer ist frustriert, weil seine einzige Tochter außerorts verheiratet ist und kein Interesse an dem Business hat. Er will sich aber zur Ruhe setzen. Ein Jammer, denn wir entdecken hübsche Bullis, Typ 4, VW-Porsche, Karmann und Käfer.

Doch wir wollen uns nicht niederlassen, also weiter Richtung Tucson. Es ist brüllend heiß, als wir außerhalb der Stadt kurz bei "Vintage Steel" halten, einem Classic Car-Veredler. Wir schießen Fotos von seinen jüngsten Projekten, einem VW Samba Bus und einem 59er Ford Country Station Wagon mit riesigen Chromrädern. Aber unser eigentliches Ziel heißt Hidden Valley, das versteckten Schrottauto-Tal rund 25 Minuten südwestlich von Phoenix.

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