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USA-Reise

Mit dem Ford Edge durch Colorado

Foto: Reinhard Schmid 24 Bilder

Atemberaubende Ausblicke beschert die Ringstraße über den Ausläufern des Grand Canyon. Mit einem allradgetriebenen Ford Edge unterwegs zwischen dem Colorado Monument Canyon und Denver.

20.11.2008 Eberhard Kittler

Die unwirklich zerklüftete Gegend sieht aus, als hätten sich ein paar vorwitzige Zuckerbäcker-Lehrlinge einen Spaß gemacht und die schmale Ringstraße mit riesenhaften Leckerlis gesäumt. Dahinter tut sich ein 300 Meter tiefer Canyon auf, auf dessen Grund der Colorado River gurgelt. Begrenzt wird die Schlucht von malerisch aufgetürmten Gesteinsformationen, die an den Grand Canyon im Bundesstaat Arizona erinnern. Kein Wunder: Der Colorado Monument Canyon ist seine Fortsetzung Richtung Nordosten.

Kein anderes Fahrzeug taucht binnen 30 Minuten auf

Zwischen den beiden Naturwundern liegt Utah - vom bekannten Offroad-Paradies bei Moab sind es nur wenige Meilen bis ins Zuckerbäcker-Paradies. Das strahlt rötlich im frühen Sonnenlicht, eingepackt in eine allumfassende Stille. Einziges Geräusch ist das sekundenlange Herabkullern eines Kiesels in den Canyon. Es lockt nur ein paar der majestätisch am Himmel kreisenden Raubvögel an. Kein anderes Fahrzeug taucht binnen der folgenden halben Stunde auf, wir haben den 37 Kilometer langen Rim Rock Drive im Colorado Monument National Park ganz für uns allein.

Die Einsamkeit dieser Landschaft ist typisch für den Bundesstaat Colorado, der fast so groß wie Deutschland ist, aber nur vier Millionen Einwohner hat. Kalifornien, Arizona oder Utah sind zweifelsohne populärer, doch genau das macht den Reiz der Reise aus: Zu entdecken und zu erleben gibt es im höchstgelegenen Staat der USA mehr als genug - zumindest wenn man Spaß an der Natur hat, sich zwischen stillen Bergseen und endlosen Sandsteinwüsten wohl fühlt. Am besten macht man so eine Tour natürlich in einem typisch amerikanischen Auto wie dem 4,70 Meter langen Ford Edge. Midsize-SUV heißen solche Fahrzeuge in den USA, der VW Touareg ist nur drei Zentimeter länger. 2006 präsentiert, ist der schicke Ford noch nicht lange auf der Straße und dürfte vor allem für Kunden interessant sein, die zu Zeiten freundlicherer Kraftstoffpreise lieber einen großen Geländewagen gewählt hätten.

Sein 3,5-Liter-V6 produziert 265 PS

Sein 3,5-Liter-V6 produziert 265 PS und 338 Newtonmeter. Die Kraft marschiert über eine müde Sechsstufenautomatik zu den Vorderrädern - nur im Bedarfsfall schaltet sich die Hinterachse zu. Das ab Werk fast komplett ausgestattete Limited-Topmodell kostet in den Staaten 32.000 Dollar (etwa 20.600 Euro), kommt aber nicht nach Europa. Übernommen haben wir das Auto in Denver, der Hauptstadt des Landes - wo sage und schreibe drei Millionen Menschen leben. Der am Fuß der Rocky Mountains gelegenen Metropole wird mittlerweile eine hohe Lebensqualität nachgesagt.

Nur wenige Meilen südlich liegt der Ort Colorado Springs, gleichermaßen Farmer-Hochburg wie Armee-Stützpunkt. Von hier aus gelangt man in den weltbekannten Garden of the Gods - eine markante Gesteinsansammlung der Superlative - und zum Pikes Peak, einem der höchsten Gipfel der USA, der Jahr für Jahr im Rahmen eines Bergrennens erklommen wird; unvergessen der Rekordritt von Walter Röhrl anno 1987. Weiter südlich, an der Bundestraße 50, trifft man auf eine der berühmtesten Hängebrücken des Landes - die Royal Gorge Bridge, die auf höchst hemdsärmlige Art vermarktet wird. Sie verläuft 320 Meter über der Schlucht des Arkansas River, durch die alle zwei Stunden ein Dampfzug tuckert.

Es zahlt sich aus, den Allradantrieb an Bord zu haben

In Rufweite ist ein Westernort nachgebaut worden, in dessen Straßen sich schießwütige Stuntmen so richtig wehtun. Hier wurden einst Szenen der Westernkomödie "Cat Ballou" gedreht. 180 Meilen weiter westlich, auf einer schier endlosen Straße an kaum gezähmten Gewässern - in denen immer mal wieder Raftingboote in irrwitziger Geschwindigkeit dahinschießen - gelangt man zum Black Canyon of the Gunnison National Park. Ein steiler, enger Schotterweg geht 800 Meter tief ins schattige Tal hinab. Auf der Rücktour, wenn plötzlich die Vorderräder des Ford Edge zu scharren beginnen, zahlt es sich aus, den Allradantrieb an Bord zu haben.

Weiter im Norden findet man sogar versteinerte Dinosaurier-Reste, erzählt die blonde Rangerin. Wir treffen sie in einer gemütlichen Straßenkneipe in Grand Junction, unmittelbar vor dem Colorado Monument Canyon gelegen. Wir folgen ihrem Beispiel und genehmigen uns ein großzügig gefülltes "Colo Omelet" im XXL-Format. Ein paar Schritte weiter hat ein blinder Musiker zur Gitarre gegriffen und rührt uns mit einem uralten Otis-Redding-Titel. Von hier aus führt der Highway 70 auf direktem Weg nach Denver, wir haben noch etwa 260 Meilen Fahrstrecke vor uns.

Selbst im Hochsommer sind die unaufhörlich vorbeirauschenden Gipfel der Rocky Mountains voller Schnee. Bis auf 4.000 Meter Höhe gibt es vorzügliche Skigebiete, vergleichbar mit den Alpen. Hollywood-Legenden und andere VIPs sind hier während der Saison zu Hause, einen Tross Paparazzi ständig im Nacken. Leicht vorzustellen also, was hier zwischen Dezember und Februar los sein dürfte - dafür genügt ein Abstecher ins noble Aspen. Glanz und Glamour, Reichtum und eine Prise Dekadenz prägen diesen Ort am Fuß der Maroon Bells, der wie ein zu Backstein gewordener Mix aus Kitzbühel und Sankt Moritz erscheint. Auch Vail, nur wenige Meilen entfernt, wirkt auf Durchreisende und Schaulustige ohne den festen Willen, die Urlaubskasse auf den Kopf zu hauen, alles andere als einladend.

Der Sheriff fordert zum Weiterfahren auf

"Sonnenalp Resort" oder "Swiss Chalet" heißen die besten Häuser am Platz, überall ist Polizei präsent. Gäste seien herzlich willkommen, sagt der Sheriff, der uns aber - sorry, Sir, Sie haben ja keine Reservierung - zum Weiterfahren auffordert. Freundlicher und ursprünglicher geht es im benachbarten Breckenridge zu, einem unverdorbenen kleinen Ort mit einer intakten Community. Auch hier beginnt die Saison erst im Winter, bis dahin findet man problemlos und preiswert Unterkunft. Im Cafe Alpine wird eine exzellente "unique American cuisine" gereicht - stilecht, aber zu durchaus bezahlbaren Preisen; dem Dollarkurs sei Dank.

Letzte Höhepunkte der Reise vor der Rückkehr nach Denver: das viktorianisch geprägte Georgetown mit einer Schmalspurbahn zu einer aufgelassenen Silbermine sowie die Universitätsstadt Boulder mit dem Chautauqua Park - beides kleine Orte, die wohl mehr als nur einen kurzen Zwischenstopp verdienen. Selbst hier, nahe der Hauptstadt, dominieren Western-Lifestyle und Outdoor-Mentalität: Wer kann, treibt Sport - dicke Menschen haben sich hier längst dünne gemacht.

Wir satteln den vierrädrigen Mustang

Im samstäglichen Denver selbst ist der Bär los, die japanische Gemeinde feiert ein Fest. Das Stadtviertel um die 16. Straße, unweit des Capitol-Gebäudes, ist voller ausgelassener Menschen. Eilig hat es hier niemand, genießen ist angesagt. Unser Ford Edge bleibt, obwohl wir nicht ganz legal parken, von amtlichen Maßnahmen unbehelligt. Spät am Abend, im milden Licht der untergehenden Sonne, satteln wir ein letztes Mal den vierrädrigen Mustang, um nochmals hoch in die benachbarten Berge zu galoppieren. Denn die endlosen Weiten Colorados lassen sich nur von oben so richtig ermessen.

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