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V12-Kosten

Wartungsstau?

V12, Verscheidene Modelle Foto: FACT, Archiv 8 Bilder

Der Freude über den Kauf eines günstigen Klassikers mit V12-Motor folgt manchmal die Ernüchterung. Oft werden die Kosten für eine regelmäßige Wartung oder mit der Zeit erforderliche Reparaturen kräftig unterschätzt.

26.10.2013 Bernd Woytal Powered by

Selbst wenn sich die Karosserie in Top-Zustand befindet und die Technik funktioniert, ein für kleines Geld ergatterter, einst teurer Luxuswagens mit Zwölfzylindermotor birgt immer ein finanzielles Risiko.

KFZ-Steuer und Umweltzonen beachten

Immerhin, dank spezieller Tarife lässt sich so ein exklusiver Klassiker relativ günstig versichern, und den Posten für Kraftstoffkosten kann jeder ein Stück weit selbst beeinflussen. Die Kraftfahrzeugsteuer liegt mit 192 Euro auf einem sehr erträglichen Niveau, aber nur, wenn das Auto mindestens 30 Jahre alt ist. Weniger angenehm schaut es aus, wenn der Wagen jünger ist und keinen Kat besitzt, wie das bei einigen Jaguar XJ 12 Serie 3 und Ferrari 412 der Fall ist. Der Jaguar kostet dann 1.369 Euro Steuer pro Jahr, der Ferrari 1.268 Euro, und für beide sind Umweltzonen tabu.

Besonders viel Geld fließt unter Umständen in die Wartung und in Reparaturen. Bleiben wir zunächst beim Jaguar XJ 12, der schon allein wegen diverser Schmiernippel an Fahrwerk und Antriebsstrang regelmäßige Pflegedienste benötigt. "Bei einem perfekten Exemplar ohne Wartungsstau kann man allerdings mit 600 bis 700 Euro pro Jahr auskommen", sagt Fredy Schuller, der die Werkstatt von Reinhard Schürer in München weiterführt (www.schuller-muenchen.de). Doch sobald bestimmte Reparaturen fällig sind, wird es teuer. In diesem Zusammenhang weist Schuller auf den Wechsel der hinteren, beim Differenzial angeordneten Bremsscheiben hin - eine konstruktive Lösung, die zwar die ungefederten Massen reduziert, aber die Reparaturkosten erhöht. So zahlt man für das Erneuern der hinteren Bremsscheiben sowie der Brems- und Handbremsbeläge weit mehr als 1.000 Euro.

Ventilspielkontrolle für 1.500 Euro

Arbeiten am Motor kosten ebenfalls Zeit und damit Geld. Für einen Wechsel aller vier Keilriemen muss man 1,5 Stunden rechnen, für den Zündkerzenwechsel mehr als zwei. Der hohe Arbeitsaufwand sorgt auch dafür, dass nur für das Einstellen des Ventilspiels 1.500 Euro auf der Rechnung stehen.

Allerdings gibt Jaguar sehr großzügige Intervalle an (erstmals bei Kilometer 96.000), so dass sich der auf der nächsten Seite in der Tabelle genannte Preis für eine Inspektion meist um das Ventilspieleinstellen verringert. "Für den Jaguar sprechen die leicht verfügbaren und relativ günstigen Ersatzteile", so Schuller und ergänzt: "Wer für gut 10.000 Euro einen brauchbaren XJ 12 Serie 3 erwischt, wird in der Regel noch mal 3.000 Euro reinstecken müssen, um ein zuverlässiges Auto zu haben."

Ferrari verlangt nach Zuschlägen

Um wesentlich größere Summen geht es bei einem Ferrari 412. "Bei einem nur mittelmäßigen oder mäßigen Exemplar ist hier das Risiko relativ groß, ein finanzielles Desaster zu erleben", stellt Schuller fest, der diese Autos ebenfalls repariert. Schon die Ersatzteile sind extrem teuer. Wer an seinem 412 neue Reifen, Stoßdämpfer und einen Auspuff montieren lässt, ist 10.000 Euro los. Manches ist sehr schwierig und manches, wie die TRX-Reifen, nur sporadisch verfügbar, für andere Teile wechseln täglich die Preise.

Dank des wenig schrauberfreundlichen Motorraums gibt man Arbeitszeiten besser in Tagen als in Stunden an: Für den Wechsel aller Keilriemen braucht man gut einen, für das aufwendige Ventilspieleinstellen etwa drei Tage. Erwähnt sei in diesem Kontext, dass Ferrari damals nur um dem Trend der Zeit zu folgen das Intervall zum Einstellen der Ventile von 20.000 Kilometern beim 400i auf 30.000 beim 412 erhöht hat. Daher sollte man sich eher am kürzeren Intervall orientieren. Immerhin halten gut gewartete Motoren über 100.000 Kilometer, bevor man 40.000 Euro oder mehr in eine Revision stecken muss.

Vier Unterbrecher kosten 350 Euro und halten 2 Jahre

Dies trifft ebenfalls auf das hochkarätige Triebwerk des Lamborghini Jarama zu, dessen Wartung ähnlich teuer ist. So kostet beispielsweise nur ein Zündkerzenwechsel bei Verwendung der Bosch Platin Kerzen W5DPO rund 300 Euro. Für Verdruss sorgt häufig der Zündverteiler mit vier Unterbrecherkontakten, für dessen korrekte Einstellung eine Prüfbank unerlässlich ist.

"Doch allein die vier Unterbrecher kosten mittlerweile etwa 350 Euro und halten wegen der mäßigen Qualität vielleicht zwei Jahre", warnt Lambo-Spezialist Stefan Cuntz (www.ricambi-toro.de) aus Nürnberg, der daher zu einer elektronischen Zündung rät.

Wie beim Ferrari ist das Ventilspieleinstellen sehr zeitaufwendig, und die Ersatzteile sind ebenfalls nicht billig. Allerdings ist die Verfügbarkeit besser als behauptet, zumindest aus der Sicht von Cuntz: "Wir haben auch die Ersatzteilnummern von nicht im Jarama-Katalog aufgeführten Teilen, und nur so lassen diese sich bei Lamborghini beschaffen." Das größte Manko des Jarama ist sein einst geringes Preisniveau, wodurch er oft in die Hände von ahnungslosen Schraubern geriet. Wer ein solches Exemplar für vielleicht 25.000 Euro erwischt, ist im Besitz einer sehr teuren Baustelle.

Günstige Gebrauchtteile

Natürlich können sich auch bei einem BMW 850 CSi "viele kleinere Defekte zu einem großen Posten addieren, so dass die Kosten für eine Inspektion höher ausfallen", so Sascha Würfel vom BMW Autohaus Cuntz in Speyer (www.autohaus-cuntz.de). Trotzdem lässt sich das 8er-Coupé günstiger genießen als ein italienischer Exote. Nicht zuletzt dank des großen Engagements des E31-Clubs unter Vorsitz von Ralf Pusch, der auch mit manchem erschwinglichen Ersatzteil aushelfen kann (www.pusches.de).Dennoch rät Pusch: "Beim Kauf eines 850 CSi für 5.000 bis 10.000 Euro sollte man 5.000 Euro für Reparaturen zur Seite legen." Denn an manchen Dingen kommt man nicht vorbei, so etwa an einer Vorderachsüberholung, mit der ab Laufleistungen von 180.000 Kilometern zu rechnen ist.

Die hohen Kosten bei einem kapitalen Motorschaden, der sehr selten ist, weil die Motoren 300.000 Kilometer halten, vermeidet man durch Übernahme eines Gebrauchtmotors aus einem 750er BMW. Auch Defekte oder Lieferengpässe im Bereich der Elektronik beziehungsweise der aufwendigen Technik wie zur Zeit im Falle des GM2-Moduls (über das zum Beispiel Fensterheber und Schiebedach laufen), oder der Tandempumpe für die Hydraulik der Lenkung und Hinterachse löst man mit Gebrauchtmaterial.

Club hilft weiter

Beim Mercedes 600 SL ist es das adaptive Federungssystem (ADS), das gelegentlich für Probleme sorgt. Aber statt der Montage eines neuen Druckspeichers, was bei festgerosteten Leitungen leicht 1000 Euro kostet, "kann ein geschickter Hobbyschrauber die meist defekte Membrane selbst anfertigen", rät Karl Kübler, Technik-Vorstand im R129 Club (www.r129sl-club.de). Der Club bietet übrigens eine informative Kaufberatung als Download an.

Das Problem brechender Gleitschienen der Steuerkette hält Kübler für ein Gespenst, "das überbewertet wird". Allerdings sollte man bei mehr als 200.000 Kilometern gelaufenen Motoren sicherheitshalber eine Erneuerung der Gleitschienen und der Steuerkette ins Auge fassen, und dann muss man sich auf Kosten von um 6.000 Euro gefasst machen.

Mit dem von Mercedes offerierten Economy Service, eine Inspektion gekürzt um einfache Arbeiten, die der Kunde selbst usführen kann, lassen sich Wartungskosten verringern, doch ganz so günstig, wie die Preise in der Tabelle (unten) suggerieren, fährt sich ein SL trotz hoher Zuverlässigkeit nicht zwangsläufig.

"Die große Hitze im Motorraum kann für poröse Elektrikleitungen, poröse und undichte Ventildeckeldichtungen oder Schläuche sorgen", erklärt Holger Kilb von Leseberg Automobile in Hamburg (www.leseberg.de).Und da es unter der Haube recht eng zu geht, erhöht die schlechte Zugänglichkeit die Reparaturkosten. So schlägt etwa das Erneuern der Schläuche für die Kurbelgehäuseentlüftung mit 2.500 Euro zu Buche.

Gut für Überraschungen

Letztlich ist jeder der erwähnten Wagen für eine teure Überraschung gut, auch wenn eine geringe Laufleistung und eine regelmäßige Wartung das Risiko minimieren. Daher sollte man stets auf eine gewisse finanzielle Reserve zurückgreifen können - obwohl natürlich jeder hofft, trotz kleinem Etat über die Runden zu kommen.

BMW 850 CSiFerrari 412Jaguar XJ12Lamborghini JaramaMercedes 600 SL
Jahresdurchsicht mit Öl- und Filterwechselab 300 Euroab 850 Euroab 700 Euroab 500 Euroab 350 Euro
Große Inspektion nach Herstellervorgabeab 850 Euroab 4.400 Euroab 3.300 Euroab 2.700 Euro700 bis 1.400 Euro
Ventilspielkontrolle und Einstellenentfälltca. 2.400 Euroca. 1.800 Euroca. 1.600 Euroentfällt
Kupplungswechselca. 1.300 Euroca. 1.900 Euroentfälltca. 2.400 Euroentfällt
Wechsel Bremsbeläge vornca. 310 Euroca. 400 Euroca. 260 Euroca. 300 Euroca. 220 Euro
Frontscheibe (ohne Montage)ca.550 Euroca. 1.800 Euroca. 250 Euroca. 1.200 Euroca. 600 Euro
Kotflügel vorne links (ohne Montage)ca 280 Euroca. 1.500 Euroca. 800 Euroca. 3.200 Euroca. 350 Euro
ein Satz Reifen (ohne Montage)ca. 1.100 Euroca. 1.700 Euroca. 1.000 Euroca. 1.500 Euroab 1.000 Euro
Auspuffanlage komplett ab Krümmer - ohne/mit Kat (ohne Montage)2.400/5.700ca. 4.500 Euroca. 1.300 Euroca. 4.200 Euro1.100/3.500 Euro
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