Van-Kooperation Chrysler/VW: Raumschiff Surprise

Die nächste Generation des amerikanischen Vans kommt 2007. Sie hält nicht nur stilistische Überraschungen bereit, sondern eventuell auch einen Deal mit dem VW-Konzern. Denn Volkswagen braucht in den USA eine Großraum-Limousine.

VW führt zurzeit Gespräche mit Chrysler über eine mögliche Van-Kooperation ab 2007. Das hatte am Montag (22.8.) das "Handelsblatt" gemeldet. Aus VW-Kreisen wurde heute (23.8.) bestätigt, dass Verhandlungen zwischen beiden Häusern laufen.

Der Hintergrund: Volkswagen benötigt auf dem US-Markt einen großen Van, nicht zuletzt die gebeutelten US-Händler von VW machen Druck. Der Sharan wird in den Vereinigten Staaten nicht angeboten, ist außerdem zu alt (Debüt 1995) und für den US-Markt auch zu klein. Der Nachfolger auf Passat-Basis kommt frühestens 2007 und wird nur unwesentlich geräumiger sein.
VW-Chef Wolfgang Bernhard, früher zusammen mit dem designierten Daimler-Chrysler-Boss Dieter Zetsche an der Chrysler-Spitze, strebt deshalb eine Kooperation mit dem US-Hersteller an. Die nächste Voyager-Generation kennt Bernhard wie seine Westentasche, schließlich hat er sie selber mit entwickelt.

Wenn die Gespräche zügig zu einem Abschluss kommen, könnte die Kooperation schon auf der IAA verkündet werden.

Angestrebt werden 30.000 Einheiten jährlich zu Preisen um 30.000 Dollar. Der VW-Van soll ein eigenständiges Karosseriedesign erhalten und sich auch im Innenraum deutlich von der Chrysler-Variante unterscheiden.

Der Voyager ist das Mutterschiff unter den amerikanischen Raumfähren. Anfang der Achtziger kam er in den USA auf den Markt, um einige Jahre später zusammen mit dem Renault Espace als europäischem Vorreiter der Van-Welle auch in unseren Breiten den Weg für Großraum-Limousinen zu ebnen.

Auch Chrysler hat ein Problem: Vans gelten in den USA heute als uncool

Doch heute hat auch Chrysler ein Problem, zumindest auf dem Heimarktmarkt. Denn Vans gelten in den USA inzwischen als ausgesprochen uncool. Speziell junge Leute lehnen die Familienkutschen, in deren Fond sie einst von ihren Eltern chauffiert wurden, heute ab. So haftet dem Voyager das Stigma des Soccer-mom-cars an - ein Auto, mit dem Hausfrauen ihren Nachwuchs und deren Freunde zum Fußballspielen und wieder nach Hause fahren.

Nun gehört die Voyager-Familie mit jährlich weit mehr als 500.000 produzierten Einheiten nicht zu jenen Modellreihen, die man aus Imagegründen einfach fallen lässt. Die Kunst besteht für Chrysler darin, traditionelle Kunden zu halten und durch attraktive Styling-Attribute jene Menschen zu ködern, denen der Sinn für einen Van heute so fremd ist wie den Deutschen das Verständnis für Baseball.

Bei der auf 2007 terminierten Neuauflage des Voyager suchte das Team um Chefdesigner Trevor Creed deshalb nach Wegen, die Raum-Fähre nicht wie einen gewöhnlichen Van aussehen zu lassen. Stilistisch orientiert sich die nächste Voyager-Generation am Look des erfolgreichen Chrysler 300 C Touring/Dodge Magnum - mit sehr hoher Gürtellinie, schmalen Seitenscheiben und ebenfalls kleinem Heckfenster. Die nach hinten abfallende Dachlinie und die leicht ausgestellten Radhäuser sollen dem Voyager optisch einen sportlicheren Touch verleihen.

Neuer Vierzylinder-Benziner, neuer Turbodiesel

Konzeptionell wird wenig modifiziert. Denn wichtig ist in den USA vor allem, dass ein neues Auto auch neu aussieht, da muss sich an der Technik nicht viel ändern. Chrysler bleibt den zwei Radständen mit unterschiedlich langen Karosserien ebenso treu wie dem unlängst eingeführten Umklappmechanismus der Fondsitze, für den die komplette Bodengruppe geändert werden musste.

Bei den Motoren ist zu erwarten, dass der gemeinsam mit Hyundai und Mitsubishi entwickelte 2,4-Liter-Vierzylinder (Theta-Weltmotor) mit 170 PS und 225 Nm Drehmoment als neue Basismotorisierung kommt und den bisher eingesetzten schwächeren Benziner gleicher Hubraumgröße ersetzt . Bei den Dieseln dürfte der Sechszylinder-CDI von Mercedes mit drei Liter Hubraum und 218 PS Einzug halten, der in puncto Durchzugskraft, Laufkultur und Wirtschaftlichkeit jene adäquate Motorisierung darstellt, die dem Voyager bislang versagt blieb. Für Allradfans ist eine 4WD-Version in Vorbereitung.

Auf welche Versionen VW zurückgreifen wird und ob eigens VW-Motoren installiert werden, dürfte sich erst nach Abschluss der Kooperationsverhandlungen zeigen.

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fis

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