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VDA-Präsident Matthias Wissman

Auto-Cheflobbyist Matthias Wissmann wird 60

Foto: Beate Jeske

Matthias Wissmann hat hervorragende Kontakte in die Politik - und das nutzt der Cheflobbyist der deutschen Automobilindustrie immer wieder aus. Als der Jurist und ehemalige Bundesminister Matthias Wissmann vor zwei Jahren vom Bundestag an die Spitze des Verbands der Automobilindustrie (VDA) wechselte, sollte er das Image der Autoindustrie aufpolieren und dabei seine Beziehungen nach Berlin und Brüssel nutzen.

14.04.2009

Jetzt ist die Branche in eine tiefe Krise gerast, und der bewährte Strippenzieher Matthias Wissmann versucht in einem Drahtseilakt, gute Stimmung zu verbreiten, ohne dabei den Ernst der Lage unter den Teppich zu kehren. An diesem Mittwoch (15. 4.) wird Wissmann 60 Jahre alt.

Wissmann geht mit geht mit gutem Beispiel voran

In der Konjunkturkrise, die vor allem dem Autoexport schwer zusetzt, hebt Wissmann immer wieder die Stärken der deutschen Hersteller hervor. "Die deutsche Automobilindustrie bleibt auch in konjunkturell äußerst schwierigen Zeiten Vorreiter beim Klimaschutz", betonte Wissmann erst kürzlich in Wolfsburg. Ein enger Vertrauter bezeichnet es als eine der wichtigsten aktuellen Aufgaben Wissmanns, diese Vorzüge der deutschen Autobauern gegenüber der internationalen Konkurrenz in der Öffentlichkeit zu vermitteln. Der VDA-Präsident fährt als "gutes Beispiel voran" und nutzt dienstlich innovative Modelle aller deutschen Hersteller im Wechsel, derzeit einen Mercedes S 400 Hybrid. Privat fährt der Wahl-Berliner einen VW Golf, im Regierungsviertel ist er aber meist mit dem Fahrrad unterwegs. Im November 2008 hatte der VDA Wissmann für weitere zwei Jahre einstimmig zum Verbandspräsidenten gewählt.

Der mächtige Autoverband setzt auf die guten Beziehungen des ehemaligen CDU-Verkehrsministers und wirtschaftspolitischen Sprechers der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, der Bundeskanzlerin Angela Merkel seit langem kennt. In der Regierung Kohl saßen Merkel und Wissmann gemeinsam im Kabinett. "Sein Verhältnis zur Bundeskanzlerin ist sehr sachorientiert und auf persönlicher Ebene sehr gut", sagt ein Vertrauter Wissmanns.

Automobilexperte Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen beschreibt Wissmann als "guten Lobbyisten": "Er zeichnet sich durch seinen direkten Kontakt zu Angela Merkel aus, die auf ihn hört." Dies sei jedoch nicht immer ein Vorteil für die ganze Branche, sagt Dudenhöffer mit Blick auf den Streit um geringere Emissionswerte bei Neuwagen in Europa. Vor allem durch den Widerstand Berlins sei der Plan der Europäischen Kommission, den CO2-Ausstoß für Neuwagen von 2012 an zu senken, um drei Jahre verschoben worden. Das habe der Branche zwar kurzfristig geholfen, behindere mittelfristig aber die Innovationsfreude.

VDA-Präsident wollte Wirtschaftsminister werden
 
Wissmann ist ein erfahrener Politiker und redegewandter Öffentlichkeitsarbeiter, dem Gespür für neue Themen nachgesagt wird. Er gilt als guter Verhandler, der den Kern eines Problems schnell erfasst und sein Ziel nie aus den Augen verliert. Gegenüber seinen Mitarbeitern ist er fordernd und anspruchsvoll, aber auch loyal, heißt es beim VDA. Eigentlich wollte der leidenschaftliche Hobby-Golfer, der einst in der Feldhockey-Bundesliga spielte, immer Wirtschaftsminister werden. Dem CDU-Mann blieb aber letztlich nur das Verkehrsressort (1993-1998), nachdem er Anfang 1993 wenige Monate Forschungsminister war. Schon als Verkehrsminister hatte er sich für die Interessen der Autobranche eingesetzt und sich gegen ein Tempolimit auf deutschen Autobahnen gewandt. Nach dem Verkehrsministerium leitete Matthias Wissmann vier Jahre lang den Ausschuss für Wirtschaft und Technologie im Bundestag. In beiden Ämtern hatte der ledige Schwabe aus Ludwigsburg mit Wohnsitz Berlin-Mitte immer auch die Interessen der Autoindustrie im Blick.

Wissmann tourte in einer Ente zu den Wahlkampfveranstaltungen

Wissmann studierte Rechtswissenschaften, Volkswirtschaft und Politik in Tübingen und Bonn. Von 1973 bis 1983 war er Bundesvorsitzender der CDU-Nachwuchsorganisation Junge Union. Damals tourte der heutige Cheflobbyist der Autoindustrie mit seinem ersten Auto, einem Citroën 2CV ("Ente") von einer Wahlkampfveranstaltung zur nächsten. 1976 zog er in den Bundestag ein. Sein Mandat legte er nieder, bevor er im Juni 2007 sein Amt beim VDA antrat.

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