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Abgasuntersuchung

Neue Prüfgeräte für moderne Diesel-Technik

Abgasuntersuchung Foto: Beate Jeske 6 Bilder

Die Diesel-Abgasuntersuchung gerät zur Farce: Moderne, emissionsarme Selbstzünder werden mit antiquierten Messmethoden auf überalterte Grenzwerte kontrolliert. Prüforganisationen und Umweltschützer laufen Sturm.

16.01.2010 Brigitte Haschek

Für Jürgen Resch, Geschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe (DUH), ist es ein paradoxer Fall: "Es kann nicht sein, dass wegen der hohen Feinstaubbelastung in den Großstädten mit erheblichem Aufwand Umweltzonen eingerichtet werden, in die nur partikelreduzierte und schadstoffarme Autos einfahren dürfen, und andererseits die Wirksamkeit der Abgasreinigung nur zum Schein überprüft wird", sagt er.

Abgasprüfgeräte sind nicht mehr auf dem neuesten Stand

Handfeste Schützenhilfe bekommt der Umweltaktivist dabei von den Prüforganisationen, dem Zentralverband des Deutschen Kraftfahrzeuggewerbes (ZDK) und dem Bundesverband Automobil-Service-Ausrüstungen (ASA): Sowohl das Messverfahren als auch die Grenzwerte haben nicht mit der Weiterentwicklung der Motoren- und Abgastechnik der Fahrzeuge Schritt gehalten, so die einhellige Auffassung. Denn eines sei klar: Umwelt und Gesundheit können nur geschützt werden, wenn bei modernen Dieseln mit Partikelfilter deren Wirksamkeit ebenfalls zuverlässig nachzuprüfen ist. Und das ist mit der heutigen Selbstzünder-Abgasuntersuchung (AU) schon lange nicht mehr möglich. Sie ist schlichtweg von gestern und somit für die Katz. "Seit Jahren wird mit Wissen aller Beteiligten eine offensichtlich wirkungslose Massenuntersuchung am Leben erhalten, die den Bürger Geld kostet und dafür sorgt, dass defekte Fahrzeuge ungehindert und unbemerkt auf unseren Straßen fahren", wettert Umweltexperte Axel Friedrich, früherer Abteilungsleiter im Umweltbundesamt.

Die Prüfwerte sind seit 1993 nahezu unverändert

Denn während die Schadstoff-Grenzwerte in den vergangenen Jahrzehnten schrittweise massiv verschärft wurden, blieben die Prüfwerte für Diesel seit 1993 nahezu unverändert. Die Folge: Die Kluft zwischen beiden Parametern ist mittlerweile so groß, dass selbst zehn Jahre alte Euro 3-Fahrzeuge mit defekter Abgasreinigung den Test bestehen. Stand der verwendeten Messtechnik per Opazimeter ist, anhand der Dieselrauchgastrübung Rückschlüsse auf die Einhaltung des Grenzwertes zu ziehen - dieser liegt bei einem Trübungsfaktor von 1,5. "Das ist gut zehn Mal so viel, wie bei modernen Dieseln registriert wird", sagt Hans-Jürgen Mäurer, Leiter der Dekra-Entwicklung Technik. Selbst Diesel ohne Partikelfilter schafften Trübungsfaktoren zwischen 0,5 und 0,8 - also weit unter dem gesetzlichen Grenzwert. "Das ist nicht mehr zu vermitteln", so Mäurer.

Messlatte für Autos ab Euro 2 soll angepasst werden

Er plädiert deshalb dafür, die Messlatte für Autos ab Euro 2 dem Stand der Fahrzeugtechnik anzupassen. Als Orientierung sollen dabei die auf dem Typenschild vermerkten so genannten Plakettenwerte dienen. "Diese Werte werden im Rahmen der Typzulassung ermittelt und dokumentiert", sagt der Dekra-Experte. In einem zweiten Schritt müssten dann genauere Messgeräte zum Einsatz kommen, die den Partikelausstoß in Gramm pro Kubikmeter ermitteln können. Diese sind bereits heute zu haben und nicht teurer als ihre veralteten Vorgänger. Sie haben zudem im Rahmen eines Feldversuchs der Arbeitsgruppe Emission 2010 an über 1.000 Dieselfahrzeugen die Feuerprobe bestanden. Mit von der Partie waren Dekra, Kfz-Gewerbe, ASA und die Technischen Überwachungsvereine. "In diesem gemeinsamen Vorhaben haben moderne Partikelmessgeräte bewiesen, dass sie einsatzfähig sind", sagt Günter Afflerbach vom TÜV Nord.

Autobauer verweisen auf On-Board-Diagnose

Die Autohersteller sind von der neuen Bewegung zur Reform der AU wenig angetan. Sie verweisen auf die so genannte On-Board-Diagnose (OBD), die seit einigen Jahren auch das Abgassystem überprüft. "Diese Methode ist nicht in der Lage, alle Defizite zu erkennen", sagt Hans-Jürgen Mäurer. Die Eingriffsschwelle, welche eine Fehlermeldung auslöse, sei etwa drei Mal so hoch wie der entsprechende Grenzwert. Antonio Multari, Projektleiter Partikelmessgeräte des Herstellers Maha im Allgäu, erläutert zudem: "Die OBD registriert lediglich den Druckunterschied vor und nach dem Rußfilter." Haarrisse, Alterungserscheinungen oder Defekte blieben dabei aber unentdeckt. "Die Endrohrprüfung ist auch deshalb wichtig, um zu schauen, was wirklich an Partikeln rauskommt", so Multari.

Neues Partikelmessgerät arbeitet nach Laserstreulicht-Verfahren

Für das Maha-Partikelmessgerät MPM 4, das nach dem Laserstreulicht-Verfahren arbeitet, ist eine Zulassung bei der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) beantragt. "Nach Einführung von Dieselpartikelfiltern und deren Nachrüstprogrammen muss die Politik nun eine zeitgerechte Kontrolle der Funktionsfähigkeit dieser Systeme über den Lebenszyklus gewährleisten", sagt ASA-Präsident Klaus Burger. Erst dann kann die Abgasuntersuchung wieder ihren ursprünglichen Zweck erfüllen.

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