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Verheugen

2012 werden Autos 2.000 Euro teurer

Foto: dpa

EU-Industriekommissar Günter Verheugen rechnet damit, dass Autos aufgrund der geplanten Auflagen wie der Pflicht, Autos serienmäßig mit ESP auszustatten, rollwiderstandsoptimierten Reifen, elektronischer Reifendruckkontrolle und den schärferen CO2-Grenzen in vier Jahren mindestens 2.000 Euro teurer werden.

31.05.2008 Jens Katemann

Allerdings sollen sich diese Mehrkosten durch niedrigere Verbräuche wieder auszahlen. "Wir müssen davon ausgehen, dass nach 2012 die Preise für Neuwagen im Schnitt um mindestens 2.000 Euro steigen werden", sagte Verheugen im Gespräch mit auto motor und sport. "Ich halte das dann für vertretbar, wenn sich diese höheren Anschaffungskosten über die Lebensdauer des Fahrzeugs durch höhere Kraftstoffeffizienz und ein geringeres Unfallrisiko rentieren."

Auch Reifen werden sowohl für Neu-, als auch für Gebrauchtwagen teurer: "Ein Satz rollwiderstandsoptimierter Reifen kostet etwa 50 Euro mehr", sagte Verheugen. Der EU-Industriekommissar zweifelt nicht daran, dass sich die EU auf die Einführung von ESP im Jahr 2012 einigen wird. "Es gibt eine breite Zustimmung sowohl im Europäischen Parlament als auch im Rat. Selbst die Industrie ist dafür. Die ESP-Pflicht wird Gesetz werden."

Verheugen stellt sich auf die Seite der Deutschen

Zum aktuellen Streit zwischen Frankreich und Deutschland, inwieweit Kleinwagen-Produzenten in Zukunft ebenfalls weiter ihren CO2-Flottenverbrauch senken müssen, sagte Verheugen: "Die Idee, man könne seine Automobilproduktion dadurch schützen, dass man sie vor Innovationen bewahrt, ist falsch. Das Gegenteil ist richtig." Der EU-Industriekommissar stellt sich damit auf die Seite der Deutschen. "Kleinere Autos, wie sie etwa von den Franzosen gebaut werden, sind schärfster internationaler Konkurrenz ausgesetzt. Sie kann man deshalb nicht von den Klimaschutzzielen ausnehmen."

Die Einhaltung der umstrittenen CO2-Grenzen hält Verheugen spätestens 2015 für möglich. Es gehe nicht mehr darum, ob die Grenzen eingehalten werden können, sondern nur noch, ab welchem Zeitpunkt. "Die Diskussion konzentriert sich auf den richtigen Zeitpunkt, also ab wann sollen die Flottenverbrauchsziele für alle Neuwagen gelten, und auf die Technologie-Neutralität. Wenn es hier einen vernünftigen Kompromiss gibt, ist auch die Höhe der Kompensationszahlungen kein so großes Problem mehr, denn es werden idealerweise ja gar keine fällig. Uns kann es ja nicht darum gehen, üppige Gelder für die öffentlichen Kassen einzunehmen. Die Frage ist, was ist für die Hersteller technisch und ökonomisch möglich und ab wann. Ich meine, dass alle europäischen Hersteller spätestens ab 2015 das Ziel von 130 g/km ohne Probleme erreichen können."

Entscheidung bis Frühjahr 2009

Der von EU-Umweltkommissar Stavros Dimas favorisierte Starttermin 2012 ist aus Verheugens Sicht nur noch dann überhaupt realistisch, wenn sich die EU noch bis zum Sommer auf verbindliche Obergrenzen einigt. "Damit die Industrie genügend Zeit zur Erreichung der Vorgaben hat, müsste aus meiner Sicht bis spätestens Frühjahr 2009 eine Entscheidung her. Wenn es vor den Neuwahlen zum Europäischen Parlament im April 2009 nicht klappt, wird es im gesamten Jahr 2009 nichts mehr, und damit wäre der Start im Jahr 2012 aus meiner Sicht nicht mehr zu halten."

Starke Kritik äußerte Verheugen an der Verkehrspolitik der Mitgliedstaaten: "Wir haben generell das Problem, dass die Investitionen in Verkehrsinfrastruktur in Europa zurückgehen - und das angesichts der enormen Steigerung des Verkehrsaufkommens. Ich sehe die Gefahr, dass dies mittelfristig die Wettbewerbsfähigkeit Europas schwächen kann. Die Staaten sollten sich nicht nur auf technische Hersteller oder auf CO2-basierte Steuersysteme konzentrieren. Mit Verkehrsleitsystemen und bessere Infrastruktur lässt sich für die Umwelt sehr viel erreichen."

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