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Vernetzes Fahren im Alltag

Selbstversuch im 5er

Vernetzes Fahren im Alltag, Technik, Selbstversuch Foto: Wolfgang Groeger-Meier 10 Bilder

Echtzeit-Verkehrsinfos, Musik-Stream, navigationsdatenbasierte Fahrtipps, Online-Routenvorschläge und vieles mehr – alles keine Zukunftsmusik. Aber wie funktioniert dieses Angebot im Alltag? Ein zehntägiger Selbstversuch im BMW 535d.

19.02.2015 Jens Dralle

Hm, wohin nur? Die sechsstündige Tour durch die schönsten Kurven Oberbayerns? Oder von München nach Zürich mit einem ausgiebigen Schlenker entlang des Bodensees? Insgesamt 55 Genussrouten stellt BMW online zur Wahl, man kann sie sich zu Hause am PC oder Tablet in Ruhe ansehen, dann im Fahrzeug herunterladen und abfahren. Das funktioniert natürlich nur, wenn entsprechende Optionen geordert wurden, in erster Linie das 3.300 Euro teure Navigationssystem Professional.

BMW 535d mit Extras bis zu 8.020 Euro teurer

Dazu das Online-Entertainment, Internet, ein Abstandsregeltempomat mit Stau-Assistent, Spurverlassens- und Totwinkelwarnung, und schwupps, wird so ein BMW 535d um 8.020 Euro teurer. Dann muss sich der Besitzer noch auf der Connected-Drive-Internetseite registrieren und sein Fahrzeug anmelden, um alle Funktionen inklusive Apps nutzen zu können – los geht’s.

Auf die Tour mit den architektonisch bedeutendsten Gebäuden in München beispielsweise. Start und Ziel ist – Überraschung – die BMW Welt, doch Hersteller hin oder her, der gezwirbelte Palast macht schon etwas her. Villa Stuck, Haus der Kunst und Lenbachhaus sind zweifelsohne ebenso sehenswert, und weil’s gerade nicht pressiert, rollt der BMW im Eco-Drive-Modus die Route ab. Wählt auch die Navigation den effizientesten Weg, gibt das System auf Basis der Wegstrecke Anweisungen, wann ich vom Gas gehen und den BMW 535d rollen lassen kann – schließlich wechselt die Achtgangautomatik dabei in den sparsamen Leerlauf.

Stau-Assistent nur auf der Autobahn zu gebrauchen

Aus der Harman-Kardon-Audioanlage wüten derweil die Buben von Slipknot, einfach weil gute Musik entspannt. Ein USB-Stick? Pah. Eine CD? So was von 80er. Nein, die Musik rauscht direkt über die Datenautobahn vom Dienst rara.com. Auf der Karte im großen Bordmonitor, die selbst bei direkter Sonneneinstrahlung beste Kontraste darstellt, wechseln derweil die Farben entlang Hauptstraßen zwischen Grün, Gelb und Rot, je nach Frequentierung, dargestellt (fast) in Echtzeit.

Und da sich der eine oder andere Stau nicht umgehen lässt, wäre jetzt der Stau-Assistent super, doch der arbeitet nur auf Autobahnen. Und selbst dort erscheint er verzichtbar, denn die Hände müssen am Lenkrad bleiben. Dann kann ich auch gleich selbst lenken, oder?

BMW 535d mit Problemen bei der Internet-Verbindung

Schon besser: Der Abstandsregeltempomat, eine echte Erleichterung. Aber sich blind darauf verlassen? Bloß nicht! Speziell bei höheren Geschwindigkeiten ignoriert das Radar schon mal vorausfahrende Fahrzeuge – nur selten zwar, aber es kommt vor, also Vorsicht. Wo wir schon mal außerhalb der Innenstadt unterwegs sind: Hier bricht auch gerne mal die schöne neue Online-Welt zusammen, und zwar nach einigermaßen unerklärlichen Mustern.

Hatte die interne SIM-Karte (übrigens mit 3G-Übertragung, noch kein LTE-Standard) am Vortag auf einer Strecke noch besten Empfang, wies die Netzabdeckung keine zwölf Stunden später auf demselben Weg große Lücken auf. Jetzt stockt zuerst die Musik, dann haken die Echtzeit-Verkehrsdaten – die sich schnell als die größte Errungenschaft der Technik herausstellen.

Eines Morgens, auf dem Weg von München nach Stuttgart, kam sogar überhaupt keine Verbindung zustande, selbst nach einem Reset des gesamten Wagens (also aussteigen, abschließen, einige Minuten warten und wieder los) herrschte irgendwo Vollsperrung auf der Datenautobahn. Na, kein Problem, dann wird eben der Concierge Service konsultiert, der am Vorabend noch freundlich Auskunft über die Öffnungszeiten der Hallenbäder entlang der Route gab. Und jetzt? Keine Verbindung, weil für einen Kontakt die interne SIM-Karte Daten übertragen muss – was sie ja gerade nicht kann oder will. Dann eben die im Menü aufgeführte Hotline anwählen, das geht über das gekoppelte Smartphone.

Überzeugende Features

Nur ist die Hotline morgens um sieben Uhr ziemlich kalt, nicht einmal eine Bandansage läuft. Immerhin, der hinterlegte Service-Partner ist schon wach, in diesem Fall die BMW-Niederlassung München, aber ebenso freundlich wie hilflos ("Rufen Sie bitte die Hotline an"). Kurz bevor ich Schimpfwörter in Nullen und Einsen übersetzen kann, steht die Verbindung, alle Dienste arbeiten einwandfrei – zehn Kilometer vor dem Ziel der 230-Kilometer-Reise.

Jetzt könnte ich sogar vorgefertigte Facebook-Nachrichten absetzen, etwa "Cool! Fahre mit meinem BMW 535d bei 4° C durch Stuttgart" oder "Habe zuletzt mit Christian Gebhardt telefoniert". Alternativ würde mir das System auch die neuesten Tweets vorlesen – ganz ehrlich, selbst für einen Nutzer dieser Netzwerke erscheint das völlig entbehrlich. Aber die praktisch unendlich große Musiksammlung mag ich ebenso wenig missen wie den Echtzeit-Verkehrsinfodienst.

Und auch die routenbasierten Fahrtipps funktionieren und faszinieren – wenn, ja, wenn die Datenverbindung steht. Im Münchener Stadtgebiet passt alles, gerade rollt der BMW 535d am Museum Brandhorst vorbei. Selbst den darin vertretenen Künstlern der klassischen Avantgarde wäre bei der Ankündigung solcher Technologien wohl der Pinsel aus der Hand gefallen. An der Basisarbeit, sprich an einem lücken- und problemlosen Mobilfunknetz, fehlt es allerdings nach wie vor. Aber Roboter auf den Mars schicken, das klappt schon.

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Dieser Artikel stammt aus diesem Heft