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Verschärfte Regelungen für Umweltzonen

Schmutziger Witz ohne Pointe?

Grafik Feinstaufverursacher 51 Bilder

Obwohl die meisten Städte Umweltzonen mit Fahrverboten für ältere Diesel eingerichtet haben, gibt es keine Entwarnung beim Feinstaub-Alarm. Ob jetzt die Verschärfung der Zufahrtbeschränkungen daran etwas ändert, ist fraglich.

21.02.2012 Brigitte Haschek

Ratlosigkeit macht sich breit. Allen Maßnahmen zum Trotz bekommen die Städte das Feinstaubproblem nicht in den Griff. Nach wie vor werden in zahlreichen Kommunen Deutschlands die Grenzwerte deutlich überschritten, wie ein aktueller Bericht des Umweltbundesamts (UBA) belegt. Demzufolge sind die Feinstaubwerte sogar wieder angestiegen.

Laut EU-Luftqualitätsrichtlinie gilt ein Grenzwert von 50 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft für die mittlere Feinstaubbelastung pro Tag. Dieser Wert darf an nicht mehr als 35 Tagen im Jahr überschritten werden.

Sieben Prozent weniger Feinstaub in Berlin

Soweit die Theorie - die Praxis sieht anders aus. Schmuddelkind Nummer eins ist nach wie vor Stuttgart mit seinem Neckartor. Dort wurde wie in mehr als einem halben Dutzend anderer Städte Anfang Januar die Stufe drei der Umweltzonen-Strategie in Kraft gesetzt – nur noch Fahrzeuge mit grüner Plakette haben freie Fahrt. Schätzungen zufolge sind aber 15 Prozent der Autos nicht auf Grün umzurüsten. Allein in Frankfurt am Main verfehlen etwa 28.000 Diesel-Pkw - neun Prozent der zugelassenen Autos - das Ziel und müssen jetzt draußen bleiben.

In Berlin, wo die dritte Umweltzonen-Stufe bereits seit dem 1. Januar 2010 greift, wurden bislang 60.000 Autos mit Partikelfilter nachgerüstet. Das hat was gebracht, wie eine Wirkungsuntersuchung zur Berliner Umweltzone dokumentiert: Die von Autos verursachten Rußpartikel-Emissionen gingen um mehr als die Hälfte zurück. Dürften heute noch Diesel ohne Filter in der Bundeshauptstadt fahren, wäre die Feinstaubbelastung um sieben Prozent höher. Trotzdem herrscht in der Silbersteinstraße im Stadtteil Neukölln weiterhin dicke Luft. Dort wurde der 50-Mikrogramm-Grenzwert 2011 an 89 Tagen überschritten.

Waldbrände, Saharasand und Abfallverbrennung nicht miteingerechnet

Ein Erfahrungsbericht mit der Umweltzone in München kommt zu dem ernüchternden Schluss: "Die Grenzwerte für Feinstaub lassen sich flächendeckend nur schwer einhalten." Das entsprechende Papier aus Nordrhein-Westfalen erklärt, warum es so schwierig ist, zu bewerten, ob und wie Umweltzonen das Stadtklima verändern: "Die Luftqualität ist auch bei vergleichbaren Emissionen von Tag zu Tag wegen unterschiedlicher meteorologischer Bedingungen sehr variabel." Winterliche Inversionswetterlagen oder Flauten verhageln die Feinstaub-Bilanz ebenso wie etwa Waldbrände in der Ukraine oder Saharasand, der zuweilen nach Deutschland weht. Nicht zu vergessen der Feinstaub, den Kraft- und Fernheizwerke, Abfallverbrennungsanlagen, Öfen und Heizungen in Häusern, aber auch Tierhaltung und Schüttgutumschlag sowie Brems- und Reifenabrieb produzieren.

Und auch wo gebaut wird, fällt jede Menge an. Da werden die Stuttgarter wahrscheinlich noch ihr blaues Feinstaub-Wunder erleben, wenn die Großbaustelle Bahnhof richtig aufgemacht ist. Betrachtet man lediglich, was aus dem Auspuff kommt, so zeigen Umweltzonen nach Berechnungen des UBA durchaus ihre Wirkung: In der dritten Stufe fällt zehn bis zwölf Prozent weniger Feinstaub an. Aber diese Rechnung ist ohne die vielen anderen Störfaktoren gemacht.

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