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Veterama 2009

Das Kuriositäten-Kabinett von Mannheim

Veterama 2009 - Impressionen Foto: Hardy Mutschler 64 Bilder

Ein Veterama-Besuch beginnt mit dem langen Marsch vom Parkplatz zum Haupteingang. Doch schon der nächste Schritt auf das Maimarkt-Gelände führt dann in eine andere Welt. Das Oktoberfest der Automobilisten ist ein einzigartiges Erlebnis für alle Sinne.

04.12.2009 Kai Klauder Powered by

Zum Frühstück gibt's Bier, mittags eine Hax'n und abends dann die rechte Sause - man könnte glauben, das Oktoberfest sei nach Mannheim verlegt worden. Doch unter den Geruch von Würstchen und Pommes mischt sich der verdächtige Duft von halb verbranntem Zweitaktgemisch, Männerschweiß und Maschinenöl.

Tretauto von Max Schmeling, Bobby-Cars mit Verbrenner-Motoren

Denn direkt hinter den Toren zum Maimarkt-Gelände taucht der Besucher ein in ein wohl geordnetes Chaos aus Teilehändlern, Fahrzeuganbietern, skurrilen Gestalten und verlockenden Angeboten. Die Grenzen von gutem Geschmack und gesundem Menschenverstand werden hier bisweilen überschritten - das sollte dem Besucher von vornherein klar sein. Doch hinein ins Getümmel.

Mitten auf dem Platz wartet am Stand von Marc Wegner ein besonderes Tretauto. Der Berliner will mit bestechenden Argumenten ein Fahrschulauto aus den Fünfzigern verkaufen: "Das ist doch ein Porsche 356 in klein, und außerdem hat da schon Max Schmeling dringesessen." Daher trage das ehemals in den Shell-Farben Rot und Gelb lackierte schnittige Gefährt auch das bekannte Rot-Weiß des größten Limonaden-Herstellers der Welt. Die Geschichte könnte sogar stimmen, schließlich betrieb Schmeling in Hamburg die Coca-Cola-Generalvertretung für ganz Norddeutschland. Verkäufer Wegner geht selbstbewusst mit 2.000 Euro in die Preisverhandlungen.

Ein paar Meter weiter ist ein Vertreter der Gattung "sympathisch, witzig und ein wenig schräg" anzutreffen. Detlef Schmahl aus dem Koblenzer Raum baut Bobby-Cars von Strampelantrieb auf Minibike-Motoren um. "Mein erstes Exemplar habe ich an einen Zehnjährigen verkauft, der mit seinem Kommunionsgeld auf die Veterama kam. Der Vater des Jungen hatte das gleiche Funkeln in den Augen wie sein Sohnemann." Für die vor allem bei Downhillrennen eingesetzten Bobby-Cars empfiehlt der Koblenzer die Vorderräder von Krankenfahrstühlen - "die haben hochwertige Kugellager und gehen ab wie Schmitz' Katze." Ab 150 Euro kann man mit den kleinen Flitzern Gas geben, eine Testfahrt auf dem Maimarkt-Gelände ist immer drin.

Stammplatzregelung sorgt für Wiederkehrerquote von mehr als 90 Prozent

Ein Blick in die Messehalle offenbart wie jedes Jahr: eigentlich nichts Neues. Kein Wunder, gibt es auf der Veterama doch die Stammplatzregelung. "Wer hier einmal einen Stand hatte, kann sich bis Mai entscheiden, ob er wiederkommen möchte", erklärt Winfried Seidel, Erfinder und Organisator der Veterama-Märkte. "Die Wiederkehrerquote liegt bei über 90 Prozent." Seidel erkennt in den letzten Jahren einen Trend zur Internationalisierung: "Vor allem Osteuropa entdeckt die Veterama. Sogar aus Lettland sind Anbieter zu uns gekommen."

Warum von ausländischen Händlern so ein großes Interesse an dem Mannheimer Oldtimermarkt besteht, weiß Paula von der Sman aus Nootdorp/Holland, die sich mit ihrem Mann auf Beleuchtung und elektrische Bauteile spezialisiert hat: "Wir reisen durch ganz Europa von einem Oldtimermarkt zum nächsten. Seit zirka 20 Jahren haben wir hier in der Halle unseren Stammplatz - und das Wiederkommen lohnt sich immer. Wir verkaufen, treffen alte Bekannte wieder und finden Teile, die gut in unser Sortiment passen."

"Die Veterama ist wie Urlaub"

Die Melange der Veterama ist einzigartig, hierin sind sich alle Akteure einig. Und auch bei der 38. Ausgabe im viel beschworenen Krisenjahr 2009 ändert sich daran nichts. Vom düsteren Nebel der angekündigten Depression ist nichts zu spüren, "obwohl seit Jahren das Wetter immer schlechter wird", wie Tanksäulen-Händler Arno Sager feststellt. "Trotzdem: Wer einmal kommt, kommt wieder".

Florian Schäfer aus Neustadt an der Weinstraße gehört ebenfalls zu den Stammgästen. "Seit 16 oder 17 Jahren komme ich immer von Freitag bis Sonntag zur Veterama, das ist für mich wie Urlaub. Das Flair ist großartig, und wer das Beben einmal erlebt hat, will es nicht mehr missen", sagt der Besitzer von Citroën 11 CV, VW Variant und BMW R25. Angereist ist Schäfer mit seinem T3-Bus, dessen Windschutzscheibe statt eines Grünkeils 22 Aufkleber vergangener Veterama-Märkte trägt. "Schön ist das familiäre Ambiente hier. Den meisten geht es nicht um den Gewinn, den sie erzielen, sondern auch darum, Gleichgesinnte zu treffen, Benzin zu reden und das eine oder andere Ersatzteil mitzunehmen."

Wenn man sich nach Stunden durch die meisten der verwinkelten Gassen gearbeitet hat, steht einer der Höhepunkte an - der Marktplatz. Die von privaten und professionellen Verkäufern angebotenen Fahrzeuge geben einen Überblick über den Oldtimermarkt. Das Spektrum reicht vom toprestaurierten Mercedes-Benz 300 SL Roadster bis zum Peugeot 202 Pick-up, der knatternd seine Runden über den Platz bollert.

Fahrbereite Autos mit ausgeprägtem Wartungsstau und Durchrostungen gibt es für unter 1.000 Euro, lauschige Winterabende in der Garage sind bereits inklusive. Großer Vorteil: Spätestens im kommenden Jahr heißt es wieder - auf nach Mannheim, Teile besorgen.

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