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Youngtimer-Kauf auf dem Veterama-Marktplatz

Über 500 Angebote für Youngtimer und Klassiker

Mercedes-Benz-240-TD-Front Foto: Dino Eisele 40 Bilder

Der Veterama-Marktplatz ist mit rund 500 Angeboten von Alfa bis VW ein Ort der Versuchung und der einmaligen Chancen. Wer in diesem Auto-Kino für Klassiker und Youngtimer nicht kauft, ist selber schuld.

17.12.2016 Alf Cremers Powered by

Fantasiepreise für Mercedes-T-Modelle der Baureihe 123 sind keine Fiktion. Sehr gut erhaltene Exemplare in seltener Kult-Fehlfarbe und mit guter Ausstattung kosten schon mal 25.000 Euro, vorzugsweise als 300 TD (Turbodiesel) mit Becker Mexico Cassette. Davon ist der mimosengelbe 240 TD, der aufgrund seiner damals aufpreispflichtigen Sonderfarbe schon von ferne leuchtet, weit entfernt.

Mercedes-Benz-240-TD-Front Foto: Dino Eisele
Der Mercedes 240 TD macht einen äußerst soliden Eindruck. Seine hohe Laufleistung merkt man ihm absolut nicht an.

Die T-Modell-Mimose zum Sonderpreis

Schnäppchenverdächtige 5.900 Euro stehen auf dem Preisschild, der Diesel-Kombi macht beim ersten Umkreisen einen sehr passablen Eindruck, harmloser Kantenrost um Kotflügel und Radläufe trübt das Bild kaum. Das Angebot des überaus freundlich und zuvorkommend agierenden Armen Abdullah zieht den Betrachter in seinen Bann, zusätzlich locken Dachreling, Colorglas und ein nahezu makelloser Innen- und Laderaum. Kein Zweifel, die T-Limousine, wie sie offiziell im Daimler-Jargon heißt, lief 265.000 Kilometer im Schongang, das merkt man ihr in jedem Detail an.

Der 2,4-Liter-Vorkammer-Diesel mit 72 PS sorgt so gerade für das leistungsmäßige Auskommen im T-Wagen. Er springt spontan an und läuft gleich rund. Der 240 TD ist von Dezember 1979, lückenlos ist seine Wartungs- und Reparaturhistorie in einem dicken Ordner abgeheftet. Es gibt reichlich TÜV und obendrein ein gültiges H-Gutachten. Puristen stören die original Fuchs-Räder, sie hätten lieber schüchterne Radkappen. Aber die original Ochsenaugen, also die für den frühen W 123 so typischen Scheinwerfer, liegen verpackt im Laderaum. Fazit: T-Modell kaufen und mit dem angebrachten Kurzzeitkennzeichen abends nach Hause fahren.

Keine Spur von Rost im Talbot Solara GLS

Letzte Ausfahrt Exote: Das vor Klassiker-Lebensfreude nur so sprühende Saisonfinale Herbst-Veterama ist wie eine Wundertüte für verspielte Technikverliebte. Hier gibt es alles, was es sonst nicht gibt. Selbst längst totgeglaubte Spezies wie ein superoriginaler Ford 17M RS oder ein Talbot Solara GLS sonnen sich auf der illustren Marktwiese, der Franzose obendrein in der perfekten Tarnfarbe Kristallgrün-Metallic. Schon der erste prüfende Blick wird von nickender Zustimmung begleitet. Keine Frage, rostfreier Topzustand aus gepflegter Rentnerhand, selbst im Detail nichts zu mäkeln, straffe Polster, makellose Aluräder, dazu noch das Topmodell GLS und ein Preis, der mehr als passt.

Die Stufenheck-Limousine orientiert sich formal sehr am Audi 80 der zweiten Generation, technisch basiert sie auf dem Simca 1308 GT, der 1976 sogar wegen seiner Ausgewogenheit zum „Auto des Jahres“ gekürt wurde. In der Vorkriegszeit war Talbot Lago eine ruhmreiche Marke, die Autos oft exzentrisch karossierte, fast in einem Atemzug zu nennen mit Delahaye und Bugatti. Solch glamouröse Ausstrahlung kann der Solara nicht bieten, etwas traurig schaut er aus seinen großen Rechteckaugen, die Welt hat seine Qualitäten nicht verstanden, das Stigma des gnadenlosen Schnellrosters ist er immer noch nicht los.

Talbot-Solara-GLS-Interieur Foto: Dino Eisele
Das Interieur des Talbot Solara GLS wirkt schon fast neuwertig. Besitzer Matthias Amtmann hat den französischen Exokten sehr gepflegt.

Da kann der drehfreudige OHV-Vierzylinder noch so jubilieren und die Borg-Warner- Automatik noch so sanft schalten. Besitzer Matthias Amtmann sieht die Verkaufssituation ganz gelassen: „Ich mag ihn, weil er in jeder Faser seiner Synthetik-Stoffbezüge die unschuldigen und geborgenen 80er-Jahre verkörpert. Wenn er nicht an einen echten Fan gerät, behalte ich ihn. Er soll so behütet bleiben, wie er es immer war.“

Braver Rekord aus Rentnerhand

Wenn dich ein Auto mit auf eine Zeitreise in die heile Welt deiner Kindheit und Jugend nimmt, dann ist es dieser unscheinbare Rekord E von Rentner Emil Nagel aus Karlsruhe. Selbst wenn dein Vater gar keinen Opel fuhr, glaubst du ab jetzt, dich zu irren. Die spießige Farbe Safaribeige, das zart frugale Luxuspaket nur wegen der Nachbarn, die Sitze mit flauschigem Lammfell bezogen. Der Motor, ja klar, ein supervernünftiger 1900er und kein sündiger 2.0 E mit elektronischer Einspritzung, diesem modernen Teufelszeug, das könnte ja kaputtgehen. Emil Nagel dreht den Zündschlüssel, und das vertraute Näseln dieser opeligsten aller Opel-Maschinen flüstert dir so viel Geborgenheit zu, als hörtest du eine mit sanfter Stimme vorgelesene Gute- Nacht-Geschichte.

Allein dieses Kopfkino, das der Rekord in Gang setzt, ganz ohne dass du den zedernholzverzierten Schalthebel berührst, ist 1.950 Euro wert. Anfangs wirst du wie damals immer auf die hintere Tür zulaufen, und eine harmlose Fahrt um den Veterama-Marktplatz, die Emil Nagel, der gutmütige alte Herr, der immer schon Opel fuhr, erlaubt, spielt sich gefährlich nahe am Wasser ab. Auch weil er sagt, er müsse sich von dem Wagen trennen, weil es ihm gesundheitlich nicht gut gehe. Aber jetzt, ähem, zu den Fakten, und die sprechen ganz und gar für das Auto: geringe Kilometerleistung, H-Gutachten, sehr guter Karosseriezustand ohne geschweißte Federdome wie sonst immer. Nur eine Lackaufbereitung könnte nicht schaden. Die Reifen sind neu, und als einziges Extra grüßen Nebelscheinwerfer unter der Stoßstange. Einsteigen und losfahren in eine verklärte Vergangenheit.

Peugeot 405 SRI: Spottbillig und gut

Die imaginäre Trophäe „Best of Value“ für das billigste und trotzdem brauchbare Auto der Veterama gebührt diesem Peugeot 405 SRI. Wer den schwülstigen Spoilersatz und die Gutmann-Alus im Spiderweb-Design auch noch als sehr schönes zeitgeistiges 80er-Jahre-Zubehör schätzt, dürfte jetzt nervös werden. Der Pininfarinagestylte Peugeot hat gerade mal 116.000 Kilometer auf der Uhr und bis auf den matten Lack auf Dach und Hauben keinen offensichtlichen ernsthaften Mangel. Ein paar Monate Rest-TÜV sind auch noch da, und die verzinkte Karosserie stellt ob ihrer Rostfreiheit jeden zeitgenössischen Mercedes in den Schatten. Händler Michael Hester ist der entspannteste Mann auf dem Platz: „Bei Sofortkauf kostet er 1.300 Euro, sonst nehme ich Gebote ab 900 entgegen, das funktioniert immer.“

Ford-Fiesta-XR2-Heck Foto: Dino Eisele
Den Ford Fiesta XR2 sieht man nicht alle Tage. Der kleine Flitzer kommt aus Italien und überzeugt mit perfektem Orignialzustand.

Fiesta XR2: Klein, schwarz und, stark

So etwas gibt es nur auf der Veterama: einen sportlich-agilen Ford Fiesta XR2 aus reifer Damenhand, gehätschelt statt verheizt, gepflegt statt getunt, geliebt statt verstoßen. Die Parameter lesen sich ebenso simpel wie plausibel: 39.000 Kilometer gelaufen, 3.900 Euro teuer. Gian Rossi, ein quirliger Italiener mit gelber Strickmütze, verkauft den raren, rostfreien und immerhin 96 PS starken Fiesta. Dieser sah nie Salz, weil er auf den kurvenreichen Zypressenalleen der Toskana zu Hause war. „Der Fiesta ist in perfektem Originalzustand“, sagt Gian in entzückend akzentgefärbtem Deutsch, „er wurde nur einmal neu lackiert, weil die Sonne ihre Spuren hinterließ.“ Das Interieur zeigt sich jedoch farbintensiv und makellos. Dieser XR2 kam nach dem 84er-Facelift, unter der Haube dreht statt des Kent-Urgesteins schon der moderne CVH-Vierzylinder aus dem Escort 3, der viel sparsamer und drehfreudiger ist.

Granada GXL im coolen Coke-Bottle-Style

Die deutsche Muscle-Car-Alternative heißt Ford Granada GXL. Der imposante Luxuswagen hat fast alles, was Motor-Raver lieben: eine eindrucksvolle Fastback- Karosserie im Coke-Bottle-Style mit Vinyldach und dunkel getöntem Glas, einen hubraumstarken V-Motor mit lässig-brabbelndem Sound, der sich die Leistung locker aus dem Ärmel schüttelt und so gut wie nie über 3.000/min dreht, und last but not least eine cruisingfreundliche Automatik mit markantem T-Bar-Wählhebel. Okay, beim Granada GXL vermissen manche den Cleveland-V8, aber schon der V6 grummelt sonor, wiegt sich beim Gasgeben im Motorraum so schön hin und her, und als 2,6-Liter hätte er genügend Leistung, um an der Hinterhand rauchend loszuschießen. Aber dafür ist die modenagrüne ungeschweißte Granada-Schönheit aus Südfrankreich viel zu schade.

Den erotisierenden Zweitürer mit dem Hüftschwung gab es nur bis März 1974, dann wurde er leider spaßbefreit begradigt. Lutz Schandin ist Profi-Händler im Klassiker-Bereich, er weiß, dass er mit dem Ford einen Fang gemacht hat, und preist ihn selbstbewusst für 17.500 Euro an. Nur die schwarzen Sitzbezüge stören ihn, sie haben ihre Straffheit verloren, weil der Schaumstoff zerbröselte. Originalitätsfetischisten monieren die zu breiten 205/65er-Reifen auf zu breiten BBS-15-Zöllern, wie schön wären dagegen die prachtvollen original Edelstahlradkappen. Auch den fetten, von innen einstellbaren Außenspiegel gab es erst ab 1975, sein zierlicher Schwanenhals-Vorgänger kam viel besser. Sei es drum, dieser Ford Granada bewegt nachhaltig und kostet sehr viel weniger als ein US-Muscle-Car.

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