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Vettel

"Erfolg liegt nicht nur am Motor"

Foto: Red Bull

Sebastian Vettel über seinen ersten Grand Prix-Sieg in Monza, über seinen Aberglauben und die Gründe, warum er heute in einem Toro Rosso und nicht in einem BMW sitzt.

27.09.2008 Michael Schmidt Powered by

Ging es Ihnen in Ihrer Karriere nie zu schnell?
Vettel: Es gab auch in meiner Karriere Höhen und Tiefen. Auch im Kartsport und in den kleinen Formel-Klassen. Als ich letztes Jahr anfing, bei Toro Rosso zu fahren, waren die ersten Rennen nicht gut, die Chancen begrenzt. Das Auto war nicht stark genug, überhaupt etwas zu zeigen. Dann hatte ich das Glück, dass es zwei Mal geregnet hat, dass wir unter den Bedingungen einigermaßen konkurrenzfähig waren. Dieses Jahr haben wir einen unheimlichen Schritt nach vorne gemacht. Insgesamt muss ich allerdings sagen: Es ist mehr richtig gegangen als falsch.

Fühlen Sie sich für Ihre erste Krise gerüstet?
Vettel: Ich weiß, dass es Phasen gibt, in denen alles schief läuft. Denken Sie an den Anfang der Saison. Da hatte ich vier oder fünf Rennen, wo ich nicht mal die Zielflagge gesehen habe. Da hört man dann Fragen wie: Was ist los mit dir? Ist das Pech oder gibt es Probleme? Sind Sie abergläubisch? Da muss man durch. Ich schaue immer nach vorne.

Sind Sie abergläubisch?
Vettel: Ein bisschen schon. Ich steige immer von links in Fahrtrichtung gesehen ins Auto. Wenn eine schwarze Katze über die Straße läuft, drehe ich um und fahre eine andere Route, auch wenn das fünf Kilometer Umweg bedeutet. Im Schuh trage ich seit der Formel 3-Zeit eine Christophorus-Münze. Eigentlich habe ich immer einen Glückbringer in der Tasche. Ein Glücksschwein, ein Christophorus, ein Rosenkranz, oder auch einen amerikanischen Cent, den ich letztes Jahr in Indianapolis beim Joggen gefunden habe, lauter so Zeugs halt.

Ist das auf Grund einer schlechten Erfahrung?
Vettel: Das fing damit an, als ich in der Formel 3 unheimlich Schwierigkeiten mit dem Start hatte. Mit den Kupplung war es schwer, den Start perfekt hinzukriegen. Dann habe ich mir den Christophorus in den linken Schuh gelegt, damit es besser klappt. Ich dachte mir: Da hilft jetzt noch einer mit. Ab da ging es mit dem Starten bergauf.

Sie hatten aber nicht mal einen Crash, weil Sie aus Versehen von rechts ins Auto gestiegen sind?
Vettel: Ich bin noch nie von rechts ins Auto. Noch nicht mal bei der Sitzprobe. Auch wenn alles für den Einstieg von rechts vorbereitet ist, sage ich nein, ich will nach links.

Wie waren Sie in der Schule?
Vettel: Das hing davon ab, wie viele Stunden ich wegen der Rennerei versäumt hatte. Ich war ja bis 2006 in der Schule. Einen Monat nach meinem Abitur bin ich in Istanbul zum ersten Mal Formel 1 gefahren.

Ihre Abiturnote?
Vettel: 2,8. Ich war weder der beste noch der schlechteste Schüler. Manches hat mich interessiert, manches weniger.

Was waren Ihre stärksten Fächer?
Vettel: Physik und Englisch. Da hatte ich Leistungskurs.

Ist Toro Rosso für das jetzige Stadium Ihrer Karriere ideal? Sie können noch unbeobachtet fahren.
Vettel: Ich glaube nicht, dass man irgendwo in der Formel 1 unbeobachtet sein kann. Natürlich wird immer davon geredet, dass in den großen Teams mehr Druck herrscht, dass gleich alles vorbei ist, wenn man keine Leistung zeigt. Aber in jedem Team gibt es Leute, die das Maximale von den Fahrer fordern. Wenn die Leistung nicht da ist, wird überall ruckzuck nach einer Änderung geschaut.

Hat man Sie bei BMW unterschätzt?
Vettel: Meine Zeit im Fahrzeug dort war wegen der Testbeschränkungen sehr begrenzt. Dann ist es natürlich schwierig, etwas zu zeigen. Du kommst zu einem Test, du fährst den ersten oder den letzten Tag. Da musst du dich erst mal warmfahren. Du hast nicht mehr die Chance eine Nacht drüber zu schlafen. Von vornherein ist klar, dass du nur begrenzt Reifen kriegst, weil die für den Stammfahrer aufgehoben werden, der an den anderen zwei Tagen fährt. Mehrheitlich kriegst du die härteren Reifen, es werden weniger wichtige Entwicklungen probiert, es ist weniger das Augenmerk auf Rundenzeit. Der Stammpilot fährt dann schon mal leicht oder einen Longrun, und nach 15 Runden ist dann auch relativ wenig Sprit im Tank. Wenn du dann die Zeiten vergleichst, siehst du als Testfahrer immer alt aus. Du stehst in der Rangliste deshalb meistens unten, und die Leute fangen an zu sagen: der taugt nichts. Schon bist du abgestempelt. Vor meinem ersten Rennen für BMW in Indianapolis hatte ich den letzten Test Ende Februar in Bahrain und bei den ersten beiden Grand Prix zwei Mal eine Stunde Training. Es war natürlich schwer, sich nach der langen Pause so schnell wieder einzuschießen.

Aber man Ihnen doch 2006 in Istanbul und Monza im Freitagstraining diese eine schnelle Runde gelassen.
Vettel: Ja, aber da haben viele Leute gesagt, das war einfach, der ist ja mit neuen Reifen und wenig Sprit gefahren. Ich habe aber vom Programm her nichts anderes gemacht, was vorher Robert Kubica auch gefahren ist. Da wurde nichts inszeniert, nur damit es gut aussieht.

Warum fahren Sie dann heute Toro Rosso?
Vettel: Weil es bei BMW keinen Platz für mich gab. Ich bin sehr dankbar, dass Toro Rosso das Risiko eingegangen ist, und mich geholt hat. Sonst wüsste ich nicht, wo ich jetzt wäre.

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