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VLN-Finale der Langstreckenmeisterschaft 2009

Ringfest für das Team Black Falcon

VLN 10. Lauf Langstreckenmeisterschaft N�rburgring 31.10.2009 Foto: Jan Brucke/VLN 52 Bilder

Das Team Black Falcon sicherte sich zum zweiten Mal in Folge die drei offiziellen Titel in der BFGoodrich Langstreckenmeisterschaft Nürburgring: die Fahrerwertung, den VLN-Serienwagen-Cup sowie die VLN-Junior-Trophäe.

04.12.2009 Powered by

Zum zweiten Mal in Folge gehen alle drei von der VLN ausgeschriebenen Titel nach Kelberg in der Eifel. Alex Böhm, Christer Jöns und Sean Paul Breslin errangen im BMW 325 acht Klassensiege und standen damit bereits ein Rennen vor dem Saisonende vorzeitig als Meister fest. Da das Trio in der Klasse der VLN-Serienwagen bis 2.500 cm³ Hubraum am Start ist, war der zweite Titel im VLN-Serienwagen-Cup praktisch inklusive; ebenso der zweite Erfolg des aufstrebenden Jungtalentes Jöns.

Titelverteidigung grenzt fast an ein Wunder

Eine Titelverteidigung war zuletzt Dirk Adorf vergönnt, der in den Jahren 1996 und 1997 zwei Mal in Folge triumphierte. Auf ein Team bezogen muss man gar in die Jahre 1994 und 1995 zurückblicken, als die Mannschaft rund um Nürburgring-Urgestein Johannes Scheid zwei Jahre in Folge die Nase vorn hatte. Ein Sieg in der populärsten Breitensportserie ist allein schon aller Ehren wert, eine Titelverteidigung hingegen grenzt fast an ein Wunder.

VLN-Termine der Langstreckenmeisterschaft 2010: Termine der neuen Saison stehen fest 2:58 Min.

„Alles nur eine Frage der Chemie“, sagt Böhm, Fahrer und Teaminhaber in Personalunion. „Auf der einen Seite sind wir ein professionelles Team, das seinen Kunden konkurrenzfähige Fahrzeuge anbietet. Der Begriff Kunde fällt bei uns allerdings nicht häufig, denn über die Zeit hat sich unter unseren Fahrern ein freundschaftliches Verhältnis entwickelt.“ Dies zeigt sich nicht zuletzt daran, dass die versammelte Mannschaft im September zusammen in einen Flieger mit Ziel England stieg, um in Radlet, nordwestlich von London, Breslin zu seinem 30. Geburtstag zu gratulieren.
 
Alles eine Frage der Chemie...
 
„Wer bei uns fahren möchte, muss einfach in das Team passen“, sagt Böhm. „Würde jemand mit einem Haufen Geld bei uns auf der Matte stehen, der uns nicht sympathisch ist, gäbe es für denjenigen keinen Platz bei uns im Team.“ Doch der Erfolg des erst vor vier Jahren gegründeten Rennstalls liegt nicht nur in der Chemie der Truppe. Die beiden Strategen und Teaminhaber Böhm und Marc Schramm wissen genau, was sie tun. Akribisch werden Statistiken gewälzt, Rundenzeiten ausgewertet und Pläne geschmiedet. Einer dieser Pläne sah zu Beginn des Jahres einen Wechsel in die nächsthöhere Serienwagenklasse V5 vor. Da jedoch das dafür vorgesehene BMW Z4 M Coupé nicht rechtzeitig vor Saisonbeginn fertiggestellt und ausgiebig getestet werden konnte, starteten Böhm, Jöns und Breslin zunächst auf dem Vorjahreswagen. Aus dem „zunächst“ wurde dann die komplette Saison, wohl auch, weil die Leistungsdichte in der V5 um einiges größer gewesen wäre.
 
Über den Saisonverlauf fuhren fünf Teams in dieser Klasse zum Sieg. Darunter auch die neuen Meister Böhm, Jöns und Breslin, die beim Finale dem Z4 Coupé dann doch eine Ausfahrt gönnten und den summa summarum neunten Klassensieg errangen. Als weiterer Faktor für den geplanten Erfolg kommt am Ende dann doch wieder das Team ins Spiel. Black Falcon verfügt über eine breite Palette an BMW-Fahrzeugen und hat so die freie Wahl, weitere Fahrzeuge taktisch klug einzusetzen. „Andrii Lebed und Kai Riebetz hätten sich auch in einer anderen Klasse behaupten können“, so Böhm. „Für den Teamerfolg sind sie schlussendlich in der V4 gestartet.“ Und ein Blick in die Ergebnislisten verrät: Auch andere Black-Falcon-Stammfahrer statteten der V4 gern einen Besuch ab, selbst wenn die Nennung nicht unter dem Bewerber Black Falcon erfolgte.
 
Platz zwei in der Meisterschaft ging an Rolf Derscheid und Michael Flehmer. Mit ihrem betagten BMW 318 iS erkämpfte sich das Team aus Much sieben Klassensiege in der Klasse der VLN-Serienwagen bis 1.800 cm³ Hubraum. Seit 2002 stellte die V2 vier Mal das Meisterteam. Derscheid und Flehmer scheiterten am Ende an drei zweiten Plätzen und der Tatsache, dass ihre Klasse im Schnitt über zwei Fahrzeuge weniger verfügte als die aktuelle Meisterklasse. „Mit der Vizemeisterschaft haben wir mehr gewonnen, als wir je geglaubt haben“, hielt sich die Enttäuschung bei Derscheid in Grenzen. „Gemeinsam haben wir gezeigt, was ein Garagenteam zu leisten vermag, wenn alles stimmt. Es freut mich sehr, wenn ich sehe, höre und spüre, wie viel Zuspruch wir von Fans und anderen Teilnehmern ernten - viele hätten uns den Titel gegönnt.“

V2-Klasse stellt bezahlbaren Motorsport dar und zeigt echten Breitensport

Das Duo will auch 2010 an dem angestammten 318 iS und der Klasse festhalten. Denn, so Derscheid, „sie stellt tatsächlich bezahlbaren Motorsport dar und zeigt echten Breitensport.“ Schon jetzt laufen die Vorbereitungen für die kommende Saison, und das Duo hegt die Hoffnung, dann vielleicht den Thron der Langstreckenmeisterschaft besteigen zu können. „Doch bei aller Euphorie um die Meisterschaft steht bei uns die gemeinsame Freude an unserem Hobby auf der wohl schwierigsten Rennstrecke der Welt im Vordergrund.“
 
Während der Titelkampf in der BFGoodrich Langstreckenmeisterschaft nach dem neunten Lauf praktisch entschieden war, ging es beim Saisonfinale in den Cup-Klassen von Honda und Renault noch einmal heiß her. Vor dem Rennen hatten noch drei Civic-Teams gute Aussichten auf den Titel im ältesten Markenpokal innerhalb der Langstreckenmeisterschaft Nürburgring. Frank Totz und Peter Kreuer wurden mit einem Vorsprung von 29,622 Sekunden vor Christoph Dupré und Jürgen Nett abgewinkt, die ihrerseits knappe 1,413 Sekunden vor dem VLN Honda Junior-Team mit den Fahrern Tim Scheerbarth, Dennis und Kristian Nägele ins Ziel retteten. Der Zieleinlauf entsprach so exakt dem späteren Meisterschaftsstand. In der Renault Sport Speed Trophy, die mit Cup-Clio innerhalb der VLN-Specials bis 2000 cm3 Hubraum ausgetragen wird, reichte Elmar Jurek und Jannik Olivo ein dritter Platz beim Saisonfinale, um die Führung zu verteidigen. Selbst der fünfte Klassensieg von Solist Karl-Brinker konnte das Duo aus Berlin nicht stoppen. Drei Ausfälle wogen in der Endabrechnung schwer und waren nicht wettzumachen. „Wir haben das Auto nur nach Hause getragen“, erklärte Jurek die Zurückhaltung im Rennen. „Ich habe nach den ersten Runden bewusst das Tempo rausgenommen.“
 
In der in diesem Jahr mager besetzten Cup-Klasse der Seat Leon Supercopa reichten Dennis und Marc Busch sechs Ergebnisse zum Triumph. Für 2010 plant Seat das Reglement der Klasse zu liberalisieren. Ziel der Neuerungen ist es, die Teams, die in der Vergangenheit Anpassungen am Leon vorgenommen haben, wieder in den Schoß der Familie zurückzuholen. Denn die Nordschleifen-Modifiktionen einiger Teams führten zwangsläufig zur Einstufung in den Klassen der Specials-Fahrzeuge. Obwohl die Meisterschaftsentscheidungen das Saisonfinale dominierten - auch der Kampf um den letzten Tagessieg war nicht von schlechten Eltern. Chris Mamerow und Dirk Werner komplettierten mit gewohnt perfekter Taktik und einem irren Speed im Rennen den Hattrick. Das Duo schaffte über die 28 Runden einen Schnitt von 168,376 km/h - die Standzeiten bei den Boxenstopps selbstverständlich eingerechnet. Der dritte Sieg in Folge war gleichzeitig der vierte Saisonerfolg für Mamerow-Racing aus Castrop-Rauxel.
 
Wir betrachten die Nordschleife als unsere Hausstrecke
 
Über das Jahr war nur Manthey-Racing mit fünf Siegen erfolgreicher. Marcel Tiemann und Emmanuel Collard hatten im Porsche 911 GT3 RSR mit einem Rückstand von 1:12,596 Minuten das Nachsehen. Auch wenn der Vorsprung es anders vermuten lässt, der zehnte Lauf war über weite Strecken eines der spannendsten Rennen des Jahres. Mamerow und Tiemann jagten im Sekundenabstand durch die Grüne Hölle. „Wir sind in der Anfangsphase des Rennens fast Qualifying-Speed gegangen“, so Tiemann. „Ich konnte mich mehrfach an Mamerow heranbremsen. Um vorbeizukommen, fehlte uns das letzte Quäntchen Leistung. Die 25 Kilo Zusatzgewicht, die uns seit drei Rennen begleiten, kannst du einfach nicht als Fahrer vollkommen kompensieren.“ Radio Fahrerlager munkelte nach dem Rennen, die Tage des RSR seien aufgrund der aktuellen Einstufung nun gezählt. Festlegen möchte sich Teamchef Olaf Manthey derzeit allerdings nicht: „Was uns in Sachen Reglement 2010 erwartet, wissen wir noch nicht. Also macht es derweil überhaupt keinen Sinn, über ungelegte Eier zu spekulieren. Sicher ist nur eines: Wir betrachten die Nordschleife weiterhin als unsere Hausstrecke. Und was man liebt, gibt man so schnell nicht auf!“
 
Hinter dem Porsche-Duo an der Spitze fuhren Marc Basseng, Frank Stippler und Frank Biela zur siebten Podiumsplatzierung des in diesem Jahr erstmals eingesetzten Audi R8 LMS in der Langstreckenmeisterschaft. Die Ingolstädter Flunder war 2009 das einzige Fahrzeug, das in diesem Jahr gegen die Porsche-Dominanz bestehen konnte und beim fünften Lauf einen Gesamtsieg einfuhr. Dass es zu mehr Siegen nicht gereicht hat, ist dem höheren Treibstoffverbrauch des R8 zuzuordnen. Während der sparsame Mamerow-Cup-S beim letzten Boxenstopp nur kurz die Box ansteuert, muss die Phoenix-Truppe drei Mal ordentlich nachtanken. Das Vater-Sohn-Gespann Johannes und Hans- Joachim Stuck war zum ersten Mal im Zeichen der vier Ringe gemeinsam am Start. Zusammen mit Dennis Rosteck wurde der zweite Phoenix-R8 auf Platz vier abgewinkt. Die Kissling-Mannschaft stellte erneut unter Beweis, dass die bullige Corvette sich in der Spitzengruppe behaupten kann. Nach sehenswerten Duellen mit den beiden Audi R8 sowie dem BMW Alpina GT3 war Rang fünf für Roland Rehfeld, Reinhold Renger und Gaststarter Mario Merten ein gelungener Saisonabschluss.
 
Erfolge aus dem GT-Masters stellten sich nicht ein
 
Die besagte Alpina-Mannschaft war beim Finale erneut zu einem Gasteinsatz angetreten, um die Entwicklung des GT3-Renners voranzutreiben. Die jüngsten Erfolge aus dem GT-Masters stellten sich aber nicht ein. Nachdem Claudia Hürtgen, Valentin Hummel und Michael Ammermüller nach einer Kollision vorzeitig ausschieden, fuhren Stian Sorlie, Andreas Wirth und Walter Csaba im Schwesterfahrzeug nur auf Platz neun. Der Norweger Sorlie erreichte dabei mit 8:20,840 immerhin eine achtbare Rundenzeit, die in Zukunft auf vordere Positionen des giftgrünen Boliden hoffen lässt. Apropos Saison 2010 - die Gerüchteküche brodelte bereits, da waren die Motoren der abgelaufenen Saison nicht einmal verstummt. Tapfer halten sich Andeutungen, in der kommenden Saison könnten zwei Ferrari, eingesetzt von Farnbacher, die GT3-Klasse und somit die Spitze des Teilnehmerfelds bereichern. Auch scheint fast sicher, dass die beiden in diesem Jahr eingesetzten Audi R8 LMS Zuwachs bekommen.
 
Eine neue Waffe schickt Porsche mit dem 911 GT3 R 2010 ins Rennen. Zwar ist anzunehmen, dass dieser viel versprechende Wagen zunächst den Teilnehmern der hauseigenen Cups vorbehalten bleibt, spitzfindige Teams in der Langstreckenmeisterschaft realisierten jedoch bekannterweise auch den Einsatz von 997er-Modellen, ehe diese seinerzeit überhaupt außerhalb des Supercups verfügbar waren. In einem anderen Segment der Leistungsskala kündigt sich ebenfalls Belebung an.
 
Eine - wenn auch nicht offiziell von der VLN ausgeschriebene - Sonderwertung soll der Gruppe H zu einem weiteren Frühling verhelfen. In besagter Gruppe H feierte beim Saisonfinale übrigens ein echter Klassiker sein Comeback in der Langstreckenmeisterschaft. Pilotiert von Achim und Peter Heinrich handelte es sich bei dem bildschönen BMW M1 zunächst um einen Testträger aus der Youngtimer-Trophy, mit dem das verantwortliche Bonk-Team aus Münster Fahrwerk, Bremsen und Reifen testete. Unter Rennbedingungen spulten die Fahrer mit dem betagten Renngerät zehn Runden ab. In der kommenden Saison sollen daraus bestenfalls zehn Rennen werden. Dann wird sicherlich auch das bislang einzige Manko des M1 vom Tisch sein: Teamchef Michael Bonk degradierte den empfindlichen Youngtimer nämlich zunächst zum Schönwetter-Renner. Beim regnerischen vorletzten Lauf noch wohl behütet in der Box gefangen, durfte sich der Klassiker dann bei goldenem Herbstwetter am Finaltag endlich in freier Wildbahn austoben.
 
Die Vorzeichen für das kommende Jahr sind durchweg positiv
 
Trotz Finanz- und Wirtschaftskrise büßte die Langstreckenmeisterschaft in dieser Saison gerade einmal sechs Prozent ihrer Teilnehmer ein - weitaus weniger als befürchtet. Und auch weniger, als andere Serien und Veranstaltungen hinnehmen mussten. Die Vorzeichen für das kommende Jahr sind durchweg positiv. Und sollten sich auch nur einige der Gerüchte bewahrheiten, dürfen sich die Fans schon jetzt auf eine weitere spannende Saison der einzigartigen Nordschleifenserie freuen.

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