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VLN Zwischenbilanz 2011

Meisterschafts-Mehrkampf am Ring

VLN, Langstreckenmeisterschaft, Nürburgring Foto: SB-Medien 353 Bilder

Wer um den Sieg in der VLN Langstreckenmeisterschaft am Nürburgring kämpfen will, braucht gute Ressourcen - und eine Kristallkugel: Die Wahl der richtigen Klasse entscheidet über den Titelgewinn.

26.08.2011 Marcus Schurig Powered by

Erfolg im Langstreckensport ist von vier planbaren Variablen abhängig - einem erfahrenen Einsatzteam, einem schnellen und zuverlässigen Rennauto, wettbewerbsfähigen Piloten sowie haftstarken Reifen. Und fünftens, selbstredend, vom Budget.

In der VLN entscheidet die Klasse

Die VLN Langstreckenmeisterschaft am Nürburgring macht da keine Ausnahme von der Regel, will man im Titelkampf ein gewichtiges Wort mitsprechen. Allerdings ist ein sechstes Element mindestens ebenso Kriegs entscheidend - nämlich eine Wahrheit versprechende Kristallkugel. Denn in der Langstreckenmeisterschaft werden hohe Punktzahlen für Klassensiege dort verteilt, wo sich die meisten Gegner tummeln. Eine stark besetzte Klasse mit mindestens sieben oder acht Teilnehmern ist somit absolute Grundvoraussetzung für jede Titelambition. Daher knobeln im Winter alle Teamchefs an der Frage: Welche Klasse wird im neuen Jahr der Königsmacher?

Über 25 Fahrzeugklassen in der VLN

Dabei schießen die Teamchefs auf ein bewegliches Ziel, denn die Kräfteverhältnisse in den einzelnen VLN-Klassen ändern sich von Saison zu Saison. Zudem stehen auf Grund der extremen Bandbreite der Nürburgring-Serie über 25 Fahrzeugklassen zur Auswahl - eine knifflige Wahl. Vor wenigen Jahren war die Frage nach der Königsklasse recht simpel zu beantworten: Weil die Kategorie der frei saugenden Zwei-Liter-Motoren das sportliche Kompaktsegment auf der Straße dominierte, kamen die VLN-Meister überwiegend aus der Special- Klasse 3. In den vergangenen Jahren hat sich die Szene gewandelt: Mehrmals konnten Vertreter aus den kleinen Serienwagenklassen den Titel-Lorbeer abräumen. Diese Fahrzeuge waren günstig in Anschaffung und Unterhalt, das Starterfeld voll, der Wettbewerb scharf.
 
Doch oft reicht ein gutes Näschen allein in der Langstreckenmeisterschaft am Nürburgring nicht aus. So kamen in den letzten Jahren auch spontane Klassenwechsel zum Saisonendspurt immer mehr in Mode. Im vergangenen Jahr wechselte beispielsweise das Black-Falcon-Team zum VLN-Schlussspurt von der Serienwagenklasse in die stärker besetzte Gruppe der Specials bis zwei Liter, weil dort im Schnitt 28 Rennwagen starteten. Trotz dieser taktischen Finte konnte das BMW-Team von Michael Bonk mit ihrem SP3-BMW Z4 für Wolf Silvester und Mario Merten den Titel einfahren.

Wie problematisch die Entscheidungen im Winter sein können, belegte im Frühling die neue VLN-Saison 2011: Das Meisterteam aus Münster setzte erneut auf die SP3-Klasse - und hatte verwachst. Denn mittlerweile hatte die Veranstaltergemeinschaft den Clio-Cup-Fahrzeugen eine eigene Klasse zugestanden, die Cup-3-Kategorie. 2010 bildeten die Clio noch das SP3-Rückgrat: Sie hatten zwar kaum Chancen auf Klassensiege, gaben aber wegen ihrer numerischen Präsenz den Ausschlag in der Meisterschaft - die Renault waren Feldfüller und Meistermacher zugleich.

Traum von Titelverteidigung ist geplatzt

Durch die Einführung der Cup-3-Klasse verpuffte der SP3-Boom, was besonders für die Mannschaft für Michael Bonk ärgerlich war: „Wir sind im Winter davon ausgegangen, dass die SP3-Klasse ein solides Fundament hat. Doch beim ersten Lauf standen nur zwei Wagen am Start, weil die Renault Clio eine eigene Wertungsklasse erhielten.“ Der Teamchef war sauer, ebenso seine Piloten, die plötzlich keine realistische Chance mehr sahen, ihren Titel zu verteidigen.
 
Das Meister-Duo musste in einer Harakiri- Aktion in die Serienwagenklasse V5 bis 3,0 Liter Hubraum umsiedeln, wo immerhin im Durchschnitt der ersten sechs Saisonläufe 13,3 Autos zum Kräftemessen antraten. Mittlerweile sind Mario Merten und Wolf Silvester wieder halbwegs im Geschäft: Zur Saisonhalbzeit lagen sie gemeinsam auf Platz sieben der Meisterschaftswertung - in unmittelbarer Schlagdistanz zur Spitze.

Zur Halbzeit ist noch nichts entschieden

Die Tabellensituation ist 2011 weniger eindeutig als in den Vorjahren: Denn die fünf Fahrer-Teams an der Spitze der vorläufigen Titel-Wertung treten erstaunlicherweise in fünf unterschiedlichen Fahrzeugklassen an. Mit 53,53 Punkten führen Thomas Gerling, Harald Hennes und Thomas Kappeler, die mit einem BMW M3 in der Special-Klasse bis 3,0 Liter Hubraum (SP5) starten. Im Durchschnitt aller Rennen trafen sie auf 7,5 Klassengegner. Gemeinsam auf Platz vier liegt das Mathol-Fahrertrio Norbert Bermes, Rickard Nilsson und Wolfgang Weber. Sie starten in der Klasse der GT4-Fahrzeuge (SP9) mit einem Aston Martin Vantage. Ob diese beiden führenden Teams jedoch auch bis zum Saisonende an der Spitze mitmischen, erscheint fraglich, denn ihre Klassen weisen geringere Starterzahlen auf als die der direkten Mitbewerber.
 
Hinter dem Führungsduo liegen bereits die amtierenden Meister Mario Merten und Wolf Silvester. Auch Heinz-Otto und Jürgen Fritzsche sowie Nicole Müllenmeister sind mit ihrem Kissling-Opel Astra in Schlagdistanz. Die SP3-Turbo-Klasse bis zwei Liter Hubraum ist mit 17,5 Startern stark besetzt. Keine Überraschung ist auch die Tatsache, dass zwei Vertreter aus der zahlenmäßig starken Clio-Rotte (im Schnitt 22,6 Starter pro Rennen) noch auf den Titel spekulieren können: Elmar Jurek und Jannik Oliver lauern am Ende des Meisterschaftszuges - trotz eines Streichresultats.
 
Die Kombination aus Masse und Klasse macht also den Meister in der VLN. 2011 läuft alles auf ein Fernduell in den vier stark besetzten Fahrzeugklassen heraus - ein echter Thriller. Doch noch kann viel passieren, weil unter den Top 30 weitere starke Teams in Lauerstellung liegen. Beispielsweise Black Falcon, die in der V5-Klasse ebenso vertreten sind wie in der V6-Kategorie mit durchschnittlich 13 Startern pro Rennen. Black-Falcon-Pilot Philipp Leisen sagt: „Durch unseren Klassensieg beim sechsten Lauf sind wir zurück im Titelkampf. Aber bei dieser starken Konkurrenz dürfen wir uns in den letzten vier Rennen nicht den kleinsten Fehler erlauben.“

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Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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