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VLN-Langstreckenmeisterschaft

Groneck-Brüder im Renault Clio sind Meister

Renault Clio, VLN, Dirk, Tim Groneck Foto: BR-Foto 12 Bilder

Zwei Brüder und ein Renault Clio rockten die Tabelle in der Langstreckenmeisterschaft. Dirk und Tim Groneck wollten so oft wie möglich ihre Klasse gewinnen - doch an den Gewinn des Titels verschwendeten sie vor der Saison keinen Gedanken.

18.12.2013 Marcus Schurig Powered by

Der Volksmund weiß es ganz genau: Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Stimmt, aber im Zeitalter der Langstreckenmeisterschaft wäre die Erweiterung des Begriffs auf Meister-Brüder sicher angezeigt: Nachdem die Zwillinge Heinz-Otto und Jürgen Fritzsche im Duett bereits vier VLN-Titel einfuhren, regiert nun wieder ein Brüderpaar den Langstreckensport am Nürburging – Dirk und Tim Groneck teilen sich nicht nur den familiären Lebenslauf, sondern auch das Cockpit und den Erfolg.

Mit dem 215 PS starken Renault Clio zu sechs VLN-Klassensiegen

Das Brüderpaar aus Melle hat sich mit einem 215 PS starken und 1060 Kilo leichten Renault Clio in der mit zumeist über zehn Startern stark besetzten Cup3-Klasse durchgesetzt. Sechs Klassensiege, zwei zweite Plätze und ein vierter Platz beim Saisonfinale Ende Oktober brachten den Titel, der weder geplant noch anvisiert war: "Wir haben bei unserer Saisonplanung für 2013 keine Sekunde an den Titel gedacht“, gibt Dirk offen zu.

Es war schon eher ein leichter Schock, als die Brüder zum Saisonfinale kamen und einen Matchball auf dem Schläger hatten. Der Ball flog sozusagen hoch und langsam, denn Dirk und Tim Groneck hatten satte fünf Punkte Vorsprung – ein schöner Puffer. Doch der erfahrene Tennisspieler weiß: Oft sind die einfachen Bälle auch die schwierigsten.
Und so verlief das Finale unerwartet spannend und hektisch: "Wir sind vom zweiten Startplatz ins Rennen gegangen und wussten, dass uns ein fünfter Platz genügt, aber die Anspannung war doch recht groß“, gibt Dirk Groneck zu. "So richtig frei und locker waren wir nicht, den Druck hat man schon gespürt.“

Bei der Anfahrt zur Hatzenbach passierte dann das Malheur im ersten Stint. Dirk sah, dass ein Porsche von hinten auflief, übersah aber den dicht dahinter folgenden BMW M3 des Scheid-Teams. Es kam zum Kontakt, der Clio flog in die Leitplanken – genau das, was nicht hätte passieren sollen.

Unfall mit einem BMW M3 bei der Anfahrt zum Hatzenbachbogen

"Der Unfall geht ganz klar auf meine Kappe“, gibt Dirk Groneck selbstkritisch und fair zu. Aber das Wichtigste: Der Clio war zwar vorn beschädigt, doch er konnte zurück zur Box humpeln. Dort wirbelte das 12 Mann starke Einsatzteam, reparierte und flickte in Windeseile – und schickte den Clio wieder auf die Bahn. Dann die nächste Hiobsbotschaft: Auf dem Fernsehbild in der Box war klar zu erkennen, dass das linke Hinterrad an der Karosserie schliff. "Also holten wir meinen Bruder Tim nach einer Runde auf der GP-Strecke sofort wieder rein“, erzählt Dirk.

Abermals wurde gedengelt und gewirbelt. Als der Renault Clio mit verstellter Spur, aber immerhin mit intakter Hinterachse wieder ins Rennen zurückkehrte, lag das Brüderpaar nur noch auf Platz sechs in der Klasse – zu wenig, um den VLN-Titel zu holen. "Glücklicherweise stellte sich schnell heraus, dass mein Bruder sofort wieder Rundenzeiten unter zehn Minuten fahren konnte. Damit wussten wir, dass das Auto noch halbwegs funktionierte“, so Dirk Groneck. Dennoch: Es waren noch zweieinhalb Stunden zu fahren, und nach einem Unfall weiß man nie so genau, ob später doch noch ein Folgeschaden auftritt: "Es war eine Zitterpartie!“

Der Clio hielt, schnell hatten sich die Brüder wieder auf Platz vier in der Klasse vorgearbeitet. Am Ende blieb sogar noch Zeit, einen zusätzlichen Sicherheitscheck zu absolvieren, weil die Verfolger in der Cup3-Klasse über vier Minuten zurücklagen.

Zwar war der Titelgewinn eine harte Nuss, aber letztlich bissen sich die Groneck-Brüder gemeinsam durch. "Wir hatten eine fabelhafte Saison und konnten in unserer Klasse vom Speed her immer aus eigener Kraft aufs Podium fahren. Unser Boxenteam, das durchweg aus Freunden und Familienangehörigen besteht, hat mit die schnellsten Stopps in unserer Klasse hingelegt. Zudem hat das Auto hat einwandfrei und zuverlässig funktioniert“, bilanziert Dirk Groneck die Saison. "Einzig beim Finale lief es nicht ganz so rund.“

In der VLN sind kleine Teams dank der Punkteverteilung ganz groß

Die klassische Aufgabenverteilung in der VLN geht so: Die Topteams verkörpern den Spitzensport und kämpfen um die Gesamsiege. Gegen Saisonende schlägt dann die Stunde des Breitensports: Die kleinen Teams und die kleinen Fahrzeugklassen machen den Titel zumeist unter sich aus. Denn in den unteren Klassen tummeln sich deutlich mehr Autos, und je mehr Gegner man bei einem Klassensieg schlägt, desto mehr Punkte werden auf dem Meisterschaftskonto gutgeschrieben.

Der Titelgewinn ist dabei natürlich kein Zufallsprodukt, sondern harter Arbeit und viel Ehrgeiz geschuldet. "Wir sind Sportler, also wollen wir auch immer gewinnen“, sagt Dirk Groneck. Die Basis bildet ein zuverlässiges Rennauto: "Der Clio hat eine tolle Standfestigkeit und damit auch eine sehr attraktive Kostenbilanz“, erklärt Dirk Groneck.

Motorlaufzeit im Renault Clio betrug über drei Jahre

Die ersten acht Läufe der VLN-Saison 2013 bestritten die Groneck-Brüder zum Beispiel mit einem Motor, der seit über drei Jahren im Einsatz war – ohne eine einzige Revision. Erst beim Finallauf, als der Titel zum Greifen nahe war, wurde das Triebwerk dann doch revidiert. "Die Clio sind technisch sehr gut aussortiert. Es gibt kaum Schwachstellen, und kaputt geht auch nie etwas“, sagt Dirk Groneck.

Wie viel Geld muss man investieren, um in der VLN ganz vorne mitzumischen? Gar nicht so viel. "Ich würde die Gesamtkosten für die Saison auf maximal 50 bis 60.000 Euro veranschlagen, inklusive Kauf des Autos“, rechnet Dirk Groneck vor. Bis auf die Motorrevision vor dem Finale fielen auch keine Extrakosten an. "Und unser Team ist ein Freundes- und Familienkreis, der mit uns zusammen am Nürburgring Spaß haben will. Alle arbeiten unentgeltlich – einfach weil ihnen die VLN und die Rennwochenenden am Nürburgring so viel Spaß machen.“

"Ich hatte keinen Plan von der Nürburgring-Nordschleife"

Die fahrerische Qualifikation der Piloten wuchs über die Jahre. "Wir haben beide im Kartsport begonnen, dann aber aus privaten und beruflichen Gründen ein paar Jahre pausiert.“ Als der Wiedereinstieg zur Diskussion stand, eiste das Brüderpaar über den Herrn Schwiegerpapa ein Auto los, denn der startete schon länger in den unteren Nürburgring-Rennserien GLP und RCN. "Meine erste Runde auf der Nordschleife war ein Fiasko“, lacht Dirk Groneck heute. "Ich hatte keinen Plan, wo die Strecke überhaupt hinging und bin nur rumgeeiert.“

Viele Stunden an der Play-Station kurierten zwar die mangelhafte Streckenkenntnis, doch beim Einstieg in die RCN mit einem Honda Integra zahlten die Brüder bei ihrem Wechsel auf die Rundstrecke tüchtig Lehrgeld: „Eigentlich sind wir nie richtig zum Fahren gekommen, weil am Honda immer etwas kaputtging. In zwei Jahren haben wir nur überhaupt ein einziges Mal die Zielflagge gesehen, das war wirklich zum Abgewöhnen.“ Fast hätte das Brüderpaar damals den Helm an den Nagel gehängt.

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