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VLN - Mehr Sicherheit am Nürburgring

GPS überwacht Gelbphasen

VLN Langstreckenmeisterschaft Nürburgring Foto: SB-Medien 26 Bilder

Die Verantwortlichen der VLN Langstreckenmeisterschaft am Nürburgring haben beim neunten Lauf GPS-Systeme zur Überwachung bei Gelbphasen getestet und setzen damit ein Zeichen für Sicherheit und Fairness. Denn gelbe Flaggen entscheiden oft über Sieg und Niederlage, in den großen und kleinen Klassen.


26.10.2012 Bianca Leppert Powered by

Die Langstreckenmeisterschaft sieht gelb. Nicht etwa weil Gelb in einer repräsentativen Fahrer-Umfrage zur Lieblingsfarbe gekürt worden wäre - sondern weil gelbe Flaggen beim neunten VLN-Lauf das Gesprächsthema schlechthin waren. Noch immer verursachten die Erinnerungen an den achten Lauf bei einigen Teilnehmern Hitzewallungen. Dazu gehörte auch Jochen Krumbach vom Team Manthey Racing, der seinem Unmut nach dem Rennen in einem zweiseitigen Brief an die VLN-Verantwortlichen Luft machte.

Rundenzeitenunterschiede in Gelbphasen

Krumbach bemängelte die eklatanten Rundenzeitenunterschiede während einer Gelbphase zwischen dem Phoenix-Audi und dem Manthey-Porsche sowie den Auffahrunfall von Marc Basseng bei der Einfahrt zur Boxengasse. Der Audi-Pilot gab nach dem Rennen zu Protokoll, sein Bremspedal sei durchgefallen und entschuldigte sich bei Krumbach.
 
Eine Überprüfung des Audi Data Loggers fand jedoch nicht statt. „Das hätte die Konsequenz sein müssen, denn sonst gibt es einen Freibrief für alles“, kritisierte Krumbach. Auch die VLN-Organisatoren grübelten über die Zwischenfälle. Vor dem neunten Rennen ließen die Häuptlinge am Freitagabend alle Teilnehmer der SP9-Klasse zu einem Gespräch zusammentrommeln. Im Mittelpunkt der Diskussion stand die 60 km/h-Regel bei doppelt gelb geschwenkten Flaggen. Die schien für einige nicht mehr Bedeutung zu haben als ein simples Stück Stoff.

Einhaltung des Tempolimits nach Augenmaß

Und die Verlockung ist groß, weil sich bei einer Gelbphase mit etwas mehr Schmackes auf dem Gaspedal wichtige Zeit aufholen lässt. Die Einhaltung des Tempolimits konnte bisher nur mit dem Augenmaß der Streckenposten überprüft werden. Wieso ausgerechnet jetzt so intensiv über die Gelb-Thematik diskutiert wird? Weil die Leistungsdichte in der VLN immer höher wird. Abgesehen von den Tankstopps sind Gelbphasen oft die einzige Möglichkeit, Zeit gutzumachen - wenn auch mit Risiko. Und dieses Risiko gehen viele ohne Skrupel ein. Beispielsweise bei der Gelbphase in der elften Rennrunde des achten Laufs, als der Zeitenmonitor Manthey in Führung liegend mit einer Rundenzeit von 8:28 Minuten auflistete, den Phoenix-Audi mit 8:16 Minuten und den 911 von Frikadelli immer noch mit 8:21 Minuten. Das brachte das Fass zum Überlaufen.
 
25 Autos wurden beim neunten VLN-Lauf testweise mit einem GPS-System losgeschickt. Darunter die SP9-Autos und einige Clio-Treter, die sich in der Vergangenheit auch nicht immer den Titel eines Unschuldslamms ans Revers heften konnten. Die klare Anweisung: Zunächst werden zwei Mal einzelne gelbe Flaggen geschwenkt, danach gilt ab der doppelt geschwenkten gelben Flagge bis zur grünen Flagge Begrenzer-Tempo 60 km/h.
 
Für Bösewichte unter den Fahrern setzte es schmerzhafte Strafen vom Rennleiter, denn Durchfahrtsstrafen können im Streitfall nicht mehr zurückgenommen werden. Außerdem lautet die Philosophie: Gleichmäßige Bestrafung ohne Ansehen der Person. 2013 sollen die GPS-Systeme in allen Autos zum Einsatz kommen. Im Idealfall funktioniert die Überwachung automatisiert, indem bei Eingabe der Postennummer die Startnummern aller Temposünder vom System gepetzt werden. Zudem stehen so genannte Flashlights zur Diskussion, die per Lichtsignal bei einer Gelbphase warnen sollen.

Sicherheitskonzepte für die Nordschleife

Die Teams bewerteten die Neuerungen meist positiv. Trotzdem entwickelte so mancher eigene Ideen. Darunter Timbuli-Fahrer Marc Hennerici, der in der Vergangenheit bereits ein Sicherheitskonzept für die Nordschleife vorgelegt hatte. „Ich könnte mir eine Lampe am Auto vorstellen, die aktiviert wird, wenn man im Begrenzer fährt“, meint er. „So lässt sich einfach erkennen, wer das Tempolimit einhält. Das müsste natürlich bei der Technischen Abnahme kontrolliert werden.“
 
Eine weitere Idee des Sicherheitsverfechters: Ein zusätzlicher Begrenzer mit Tempo 100 km/h für Situationen, in denen 60 km/h möglicherweise zu langsam sind. Wie 60 km/h bei einer Unfallstelle zu langsam sein können? Wenn der Hintermann die Flagge übersieht. „60 km/h kann an Hochgeschwindigkeitsstellen Schwierig werden“, meint Rowe-Teamchef Hans-Peter Naundorf. Er schlägt eine zusätzliche Seite auf dem Zeitenmonitor vor, die Infos wie Gelbphasen oder Strafen für die Teams bereithält. So soll die Kommunikation mit der Rennleitung verbessert werden.
 
Wie die in der Praxis funktioniert, zeigte das Qualifying. Rennleiter Peter Bröcher setzte ein Ausrufezeichen: Acht Autos wurden um je fünf Plätze zurückversetzt, weil sie gelbe Flaggen missachtet hatten. Darunter die Top-Vier von Timbuli Racing, Phoenix, Manthey und Black Falcon.
 
Auch während des Rennens kannte die Rennleitung keine Gnade. Hennerici hatte im Timbuli-911 eine gelbe Flagge übersehen, die Strafe folgte mit einer Runde Abzug auf dem Fuße. Kurz vor Ablauf der vier Stunden sah alles nach einem Podest mit Bernd Schneider und Jeroen Bleekemolen auf Platz eins, dem Manthey-Porsche mit Timo Bernhard, Jochen Krumbach und Romain Dumas auf Platz zwei und dem Phoenix-Audi von Christer Jöns und Luca Ludwig auf Platz drei aus. Doch da hatte sich Audi zu früh gefreut.

Podiumsplatzierung verloren

In letzter Minute zog die Rennleitung auch dem Phoenix-Audi eine Runde wegen eines Gelb-Vergehens ab. Der dritte Platz war damit futsch. Umso überraschter erschienen die Rowe-Piloten Nico Bastian, Mark Bullitt und Marko Hartung auf dem Siegerpodest. Bastian wollte gerade ins Auto steigen und die Heimreise antreten, als er von der frohen Kunde erfuhr. „Das ist das erste Mal, dass ich in Jeans auf dem Podest stehe“, witzelte der Youngster.
 
Möglicherweise hätte der Manthey-Porsche dem Black-Falcon-Mercedes noch gefährlich werden können. Wieder machte eine Gelbphase den Unterschied. Allerdings auf etwas andere Weise, denn Krumbach stellte sich diesmal selbst ein Bein. „Ich habe zwei unglückliche Situationen erlebt, in denen ich bei einer Gelbsituation nicht erkennen konnte, ob einfach oder doppelt geschwenkte Flaggen gezeigt wurden“, sagte Krumbach. „Ich bin auf Nummer sicher gegangen und habe den Speedlimiter aktiviert und so viel Zeit verloren.“

Spannung im Meisterschaftskampf

Die Clio-Piloten Jannik Olivo und Elmar Jurek haben im neunten Rennen vielleicht sogar die Meisterschaft verloren. Der Motor spuckte ihnen in die Suppe, oder besser: auf die Strecke. Im Brünnchen versagte er den bis dato wegen eines Protests vorbehaltlichen Tabellenführern aus der Cup3-Klasse den Dienst. Wieder einmal - es war der zweite Motorschaden der Saison.
 
Die härtesten Konkurrenten um den Titel vom Team LMS Engineering schnappten sich hingegen den siebten Klassensieg der Saison. Ulli Andree, Dominik Brinkmann und Christian Krognes sind mit ihrem VW Scirocco in der Klasse SP3T eine echte Bank. Sollten sie den Klassensieg beim Finale holen, haben Olivo und Jurek keine Chance mehr. Siegen aber Jurek/Olivo und LMS Engineering patzt, dann sind die Clio-Piloten die neuen Meister.
 
Holen beide Teams jeweils den Klassensieg, so geht die Meister-Trophäe zwangsläufig an das LMS-Team, weil es für die stärker besetzte Klasse in der Summe mehr Punkte gibt. Fallen die beiden Topfavoriten aus, dann haben sogar Marcel Belka und Norbert Bermes im Aston Martin GT4 noch Chancen. Bei so viel Spannung im Meisterschaftskampf besteht also kein Anlass, rot oder schwarz zu sehen. Auf Gelb sollte man schon achten.

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Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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