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Massen-Phänomen VLN

Porträt der größten Breitensport-Rennserie der Welt

VLN 3.Lauf 2009 Foto: BR-PHOTO 40 Bilder

Die BF Goodrich Langstreckenmeisterschaft erreicht enorme Starterzahlen - dank eines kompakten Veranstaltungkonzepts und dem Kassenschlager Nürburgring-Nordschleife.

06.06.2009 Marcus Schurig Powered by

Jörg Viebahn ist spät dran. Es ist Samstagmorgen am Nürburgring, um 7.45 Uhr beginnt die Fahrerbesprechung. Der Unternehmer Viebahn konnte sich erst am Morgen von Familie und Geschäft loseisen. Aber weil der erste echte Pflichttermin für einen Piloten in der BF Goodrich Langstreckenmeisterschaft die Fahrerbesprechung ist, war das kein Problem.
 
Die Zeiteinteilung ist ein Teil des Erfolgsgeheimnisses
 
"Es kommt noch besser: Wenn ich mich ein wenig spute, dann bin ich zur Heute-Sendung wieder zu Hause", so Viebahn. Derart entspannt können natürlich nur lang gediente VLN-Fahrensmänner wie Viebahn agieren, die mit dem Procedere am Nürburgring bestens vertraut sind. Zeit ist ein kostbares Gut, nicht nur auf der Rennstrecke. Die Langstreckenmeisterschaft verplempert keine Sekunde ihrer Kunden - das ist Teil ihres Erfolgsgeheimnisses.
 
Der Tag ist mit viel Fahrzeit im Cockpit vollgepackt und klar strukturiert: Fahrerbesprechung, anderthalb Stunden Zeittraining, vier Stunden Rennen. Um 16 Uhr ist der Spuk schon wieder vorüber. Und dann haben die meisten VLN-Piloten locker zwei Stunden im Rennauto verbracht.

VLN - 3. Lauf der Langstreckenmeisterschaft 2009 am Nürburgring: Manthey-Porsche gewinnt, weil Abt-Audi patzt 2:42 Min.

Erfolgsmodell seit 32 Jahren
 
"Kaum eine andere Rennserie bietet so ein zeit- und kosteneffizientes Veranstaltungsangebot", erklärt VLN-Vorstand Hans-Joachim Hilgeland das seit 32 Jahren intakte Erfolgsmodell Langstreckenmeisterschaft am Nürburgring. Die enorme Attraktivität der Serie, die in der Saison 2008 einen neuen Teilnehmerrekord von durchschnittlich 193 Fahrzeugen pro Rennen vermelden konnte, leitet sich natürlich noch aus einem zweiten zentralen Faktor ab - Nordschleife!
 
Der Magnetismus der altehrwürdigen Nürburgring-Piste mitten in der Eifel steigt mit jeder Verschlimmbesserung der modernen GP-Rennstrecken, die oftmals den einseitigen Sicherheitsbedürfnissen der Formel 1 angepasst werden. Asphaltierte Auslaufzonen mögen zwar die Sicherheit verbessern, doch die Atmosphäre leidet, und die fahrerische Herausforderung sinkt.
 
Atmosphäre und fahrerische Herausforderung
 
Ganz anders liegt der Fall auf der Nürburgring-Nordschleife: Dort haben Kurven noch Kuppen, es gibt blinde Ecken und hängende, Kompressionen wie die Fuchsröhre oder Mutstücke wie das Schwedenkreuz. Dazu lauern technisch anspruchsvolle Abschnitte wie nach Breidscheid hinunter oder die Passage von der Hohen Acht in Richtung Schwalbenschwanz. Wenn es dann noch regnet, können die Piloten aus den kleinen Fahrzeugklassen dort oftmals sogar die dicken Porsche vor sich herscheuchen.
 
Das 20,8 Kilometer lange Asphaltband der Nordschleife folgt dabei immer noch weitgehend dem famosen Grundlayout aus dem Jahr der Eröffnung von 1927. Die Strecke atmet Geschichte, und jeder, der sich der Herausforderung Nordschleife stellt und sie besteht, darf sich mit dieser Geschichte verbunden fühlen.

VLN ist die größte Breitensport-Rennserie der Welt
 
Ein weiterer Grund für den nachhaltigen Ring-Boom: Langstreckenrennen bieten die perfekte Möglichkeit, sich mit einem Teamkollegen abzuwechseln. Die meisten Piloten in der größten Breitensport-Rennserie der Welt teilen sich über die reguläre Vier-Stunden-Renndistanz - nur das Saisonhighlight, das Sechs-Stunden-Rennen, geht über eine längere Distanz - das Cockpit. Damit teilt man sich auch die Kosten, was das Paket nur noch attraktiver macht.
 
Das gute Konzept hat sich mittlerweile in der Welt herumgesprochen. Unzählige Starter aus aller Herren Länder finden sich in den Nennlisten, Australier mischen ebenso mit wie Amerikaner, Norweger oder Ukrainer. Der Nürburgring kennt eben keine Grenzen. Der Geldbeutel der Piloten oder die Kriegskasse ihrer Sponsoren entscheidet darüber, mit welchem Auto Mann oder Frau fährt.
 
Über 30 Hubraum- und Wertungsklassen am Start
 
Das Angebot ist uferlos - in über 30 Hubraum- und Wertungsklassen tummeln sich vom piekfeinen Werksrennwagen wie einem Porsche 911 GT3 RSR bis zum am Feierabend mit viel Herzblut aufgebauten Fiesta mit kleinem 1.600er-Motörchen. Ganz oben in der Beliebtheitsskala der Piloten stehen die Marken Porsche und BMW, doch auch rare Renn-Ungeheuer wie ein Lamborghini Gallardo oder eine wuchtige Dodge Viper mischen am Ring vorne mit.
 
Während die Topteams an der Spitze des Feldes mit Budgets im Bereich von mehreren hunderttausend Euro kalkulieren, bestreiten die wirklichen Amateure zum Beispiel in den Serienwagenklassen die zehn Rennen umfassende Saison der Langstreckenmeisterschaft oft mit weniger als 30.000 Euro - aus Spaß an der Freude und immer in feine Kämpfe um Positionen mit Klassengegnern verstrickt.

VLN vereint Spitzensport und Breitensport
 
Die enorme Fahrzeugvielfalt sowie das einzigartige Phänomen, dass die Langstreckenmeisterschaft Spitzensport auf kongeniale Art und Weise mit Breitensport in einem einzigen Rennen vermählt, lockt Heerscharen von Fans an. Sie sind alle Nordschleifen- verrückt und Auto-vernarrt, und sie scheinen sich wie die teilnehmenden Fahrzeuge in verschiedenen Klassen zu unterteilen. Die Hardcore-Freaks reisen bereits am Donnerstag im Wohnmobil an und treffen sich mit VLN-Kameraden zum Campen am Brünnchen. Die Mehrzahl der bis zu 30.000 Zuschauer kommt nur am Renntag, meist aus den dichtbesiedelten Gebieten des Ruhrgebiets und der Rhein-Main-Region, die nur zwei Fahrstunden vom Nürburgring entfernt liegen.
 
Fans drehen selbst einige Runden
 
Viele Fans kommen mit ihren getunten Straßenautos, um nach Beendigung des Rennens schnell noch selbst im Touristikverkehr ein paar flotte Runden auf der Nordschleife zu absolvieren. Die VLN-Piloten wie Jörg Viebahn sind da entweder schon wieder auf der Heimreise - oder warten bei der Preisverleihung sehnsüchtig auf einen Pokal für eine Podiumsplatzierung.

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