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Volkswagen und Porsche

Keine Fusion mehr im Jahr 2011

Altlasten aus der früheren Übernahmeschlacht haben die geplante Fusion von Volkswagen und Porsche noch in diesem Jahr durchkreuzt. Wann und wie die zwei zusammenfinden, steht nun in den Sternen.

09.09.2011 dpa

Paukenschlag wenige Tage vor Beginn der Internationalen Automobil-Ausstellung: Anders als geplant werden Volkswagen und Porsche in diesem Jahr nicht mehr fusionieren. Hintergrund sind noch immer bestehende juristische Hürden, wie beide Autobauer am Donnerstagabend (8.9.) mitteilten.

So fordern noch heute Investoren in den USA Schadenersatz in Milliardenhöhe. Außerdem ermittelt in Deutschland die Staatsanwaltschaft gegen frühere Porsche-Manager. Trotz der Verzögerungen halten beide Konzerne aber an der geplanten Fusion fest.

VW fürchtet gefährliche Altlasten

Wann und wie dieses Ziel erreicht werden kann, steht in den Sternen. Die Partner haben zwar schon einen Notfallplan in der Schublade, wollen aber nun zusätzlich nach neuen Wegen für das Zusammengehen suchen. Für die Bilanzen der Konzerne hat der Aufschub Folgen: Er bedeutet rote Zahlen für die Porsche SE. VW dagegen profitiert.
 
Volkswagen und Porsche hatten nach dem Ende des langen und schmutzigen Übernahmekampfes im Sommer 2009 den Weg für ein neues Autoimperium geebnet. Die Aufsichtsräte beider Unternehmen stimmten einer Vereinbarung zu, die das Zusammengehen regeln sollte. Als Wunschlösung war darin eine Verschmelzung der Porsche Automobil Holding SE mit der Volkswagen AG im Jahr 2011 vorgesehen. Unter dem Dach der Porsche Holding sind 50,1 Prozent der Anteile an der Porsche AG gebündelt und die 50,7 Prozent, die die Stuttgarter an VW halten.
 
Diese Variante ist nun vom Tisch. Grund: Die Wolfsburger halten das wegen der Altlasten der Stuttgarter für zu riskant. Hintergrund: Porsche kämpft in den USA mit Schadenersatzklagen von Investoren in Milliardenhöhe. Auch die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft in Deutschland wegen des Verdachts auf Untreue gegen Ex-Porsche-Chef Wendelin Wiedeking und seinen Finanzvorstand Holger Härter dauern an. Es sei nicht zu erwarten, dass diese Hürden noch rechtzeitig aus dem Weg geräumt werden könnten, teilte VW mit.

VW und Porsche setzen auf Plan B

Für einen Notfall wie diesen hatten sich die beiden Partner bereits 2009 ein Hintertürchen offengehalten: Von Ende 2012 an kann VW das Porsche-Sportwagengeschäft komplett übernehmen. Bisher halten die Wolfsburger 49,9 Prozent. Der Vorteil: Volkswagen könnte sich das komplette operative Porsche-Sportwagengeschäft sichern, ohne die ungelösten Probleme der Porsche SE am Hals zu haben. Der Nachteil: Diese Variante wäre erst ab Mitte 2014 steuerfrei.
 
Die Schwaben waren mit dem Versuch gescheitert, den viel größeren VW-Konzern zu übernehmen und hatten 11,4 Milliarden Euro Schulden angehäuft. Wiedeking musste im Sommer 2009 seinen Hut nehmen. Porsche soll nun zur zehnten Marke im VW-Konzern werden. In der Praxis arbeiten die beiden Autobauer längst eng zusammen.
 

Niedersachsen unterstützt Aufschiebung der Fusion

Die niedersächsische Landesregierung unterstützt die Entscheidung der VW-Führung, die Fusion von Volkswagen und Porsche wegen juristischer Risiken vorerst auszusetzen. Die Landesregierung halte wie alle anderen Beteiligten aber an dem Ziel fest, einen integrierten Autokonzern von Volkswagen und Porsche zu schaffen. "Ich bin weiterhin überzeugt, dass dieses Vorhaben gelingen wird. Es geht jetzt nicht um eine kurzfristige Lösung, sondern um den langfristigen wirtschaftlichen Erfolg des Volkswagen-Konzerns", erklärte  Ministerpräsident David McAllister (CDU) am Freitag (9.9.) in Hannover.

Es bleibe das Ziel für Volkswagen, bis 2018 die Führungsposition auf dem weltweiten Automobilmarkt zu erreichen. "Auf diesem Weg ist und bleibt das Land Niedersachsen als wichtiger Ankeraktionär ein verlässlicher Partner des Unternehmens", machte McAllister deutlich.
Das Land Niedersachsen ist mit rund 20 Prozent an VW beteiligt und hat damit nach Satzung und VW-Gesetz eine Sperrminorität.

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